Senioren sollten Führerschein gegen Buskarte tauschen

Senioren am Steuer. Da greift der Gladbecker Seniorenbeirat ein hoch emotionales Thema auf.
Senioren am Steuer. Da greift der Gladbecker Seniorenbeirat ein hoch emotionales Thema auf.
Foto: picture alliance / dpa
Was wir bereits wissen
Freiwillig natürlich, wie der Gladbecker Beirat für Senioren betont. Wer sich am Steuer nicht mehr sicher fühlt, der sollte diesen Schritt gehen.

Gladbeck.. Seit 36 Jahren gibt es den Seniorenbeirat unserer Stadt, der damit einer der ältesten in ganz Deutschland ist. Von Verschnarchtheit keine Spur – wo es drängt, werden die Probleme älterer Mitbürger engagiert angegangen. Tabus gibt es nicht. Das jüngste Eisen, das kräftig geschmiedet wird, liegt schon im Feuer: die freiwillige Führerscheinabgabe gegen eine Bus-Jahreskarte. Friedhelm Horbach (67), Vorsitzender des Seniorenbeirats: „Das ist ein ganz heißes Thema. Wenn es einer anpackt, dann wir.“

Dabei liegt die Betonung auf Freiwilligkeit, denn einen Zwang zur Abgabe befürwortet im Interessengremium keiner. Gründe für eine behutsame, freiwillige Abgabe hingegen finden sich genug. „Das Thema taucht immer wieder in unserer Sprechstunde auf. Und es wird durchaus leidenschaftlich diskutiert“, so Horbach weiter, der den Beirat „von der Fachlichkeit dazu bestens aufgestellt sieht“. Erst kürzlich schauten zwei Töchter vorbei, fragten nach Tipps, wie sie es erreichen können, dass ihr Vater seinen Schein abgibt. Denn: „Er ist so unsicher geworden.“

Statt zum Aldi ging’s nach Köln

Ein weiteres konkretes Beispiel nennt Hans Nimphius (71), stellvertretender Vorsitzender des Seniorenbeirats. Ein über 80-jähriger Verwandter wollte kürzlich nur zu Aldi. „Ich habe ihn in Köln abgeholt, weil der Tank leer war.“ Vehement spricht er sich gegen den rigorosen Einzug von Fleppen aus „Man kann den Menschen nicht einfach den Führerschein abnehmen.“ Deshalb wollen Horbach, Nimphius und Ulrich Hauska (59), Leiter der Seniorengesundheit bei der Stadt, mit ihrem gemeinsamen Projekt „Führerscheinabgabe gegen Bus-Jahreskarte“ die Diskussion anstoßen und auf der immer gut besuchten Seniorenmesse am 22. April in der Stadthalle informieren. Hier gibt es Tipps für Ratsuchende sowie einen anonymen Fragebogen, um die Meinung der Bürger abzufragen.

Gut funktionierende Beispiele aus anderen Kommunen gibt es bereits. So haben in Rheine, einer mit Gladbeck von der Einwohnerzahl gut vergleichbaren Stadt, zwei Jahre nach dem Start des Freiwilligenprojekts rund 340 Personen ab dem 60. Lebensjahr ihren Führerschein gegen eine Bus-Jahreskarte eingetauscht. Gerechnet haben die Rheiner Stadtväter mit gerade mal 30 Interessenten.

Über die Führerscheinabgabe-Aktion weiß die heimische Stadtspitze Bescheid. Nimphius schmunzelnd: „Sie haben dort nicht sofort in die Posaune gestoßen, aber es wohlwollend zur Kenntnis genommen.“ Insbesondere die Kostenfrage ist noch offen, wobei diese auf Kreisebene zu lösen sei, am besten unter Einbindung aller Kreisstädte sowie der Verkehrsunternehmen. Und natürlich will gut Ding Weile haben. Horbach: „Es ist klar, dass nicht in diesem Jahr schon Verträge unterschrieben werden.“

Befürworter der freiwilligen Abgabe

Der Anteil motorisierter Senioren an Verkehrsunfällen sei gering, so die Kreispolizeibehörde. In Gladbeck gab es in 2013 genau 14 entsprechende Unfälle, in 2014 sank die Zahl sogar auf neun. Gleichwohl befürwortet die Polizei, dass Ältere ihren Führerschein abgeben, wenn sie erkannt haben, am Straßenverkehr nicht mehr konfliktfrei teilnehmen zu können. Großer Befürworter der freiwilligen Abgabe ist Hans Nimphius.

Warum sollten Ältere nicht zur regelmäßigen Prüfung antreten?

Gegenfrage: Wo fängt denn das Alter an, bei 60 Jahren oder bei 80 Jahren? Wir sind strikt gegen Altersdiskriminierung und setzen deshalb auf Freiwilligkeit. Eine Prüfung müsste ja dann auch für Jüngere stattfinden, denn wo ist der Unterschied zwischen unsicher und riskant.

Wie kamen Sie und Ihre Mitstreiter auf die Fleppen-Umtausch-Idee?

Immer mehr Menschen fühlen sich in dem zunehmenden Straßenverkehr unsicher. Fahren Sie doch einmal die Schürenkampstraße lang. Da mache Sie ein Rennen mit! Außerdem gibt es zunehmend Diskussionen in den Familien, wenn die Eltern älter werden und noch Auto fahren. Zudem sind einige ältere Bürger seit Jahren nicht mehr mit dem Wagen gefahren, lassen ihr Auto in der Garage stehen.

Wann ist die Entscheidung zur Abgabe richtig?

Wenn jemand selber spürt, dass er zur Gefahr wird, sollte er den Führerschein unbedingt abgeben. Das kann auch schon sein, wenn er aus gesundheitlichen Gründe den Schulterblick nicht mehr schafft.