Das aktuelle Wetter Gladbeck 12°C
Kurs

Senioren-Selbstverteidigung: Auf den Angriff vorbereitet

24.02.2009 | 15:15 Uhr
Senioren-Selbstverteidigung: Auf den Angriff vorbereitet

Gladbeck. Einfach ein sicheres Gefühl haben, auch in der Dämmerung, auch beim Gang durch den Fußgängertunnel. Das wünschen sich viele Seniorinnen und Senioren. Ein Selbstverteidigungstraining kann Sicherheit geben. In Herne gibt es dafür einen Kurs.

Hans Nimphius (64) hat ein Messer in der Hand, er zielt auf Margret Langenbers (76) Hals. Sie überlegt kurz, greift in den Arm, ein kurzer Schlag aufs Ellenbogengelenk: Das Messer fällt zu Boden, wabbelt einmal kurz auf. Es ist aus Gummi.

Kurs des Vereins "Sport für betagte Bürger"

„Das hat richtig weh getan”, lacht Nimphius und Frau Langenber entschuldigt sich: „Das wollt' ich nicht.” Doch eigentlich wollte sie genau das, denn diese Szene, wie sie in jeder zwielichtigen Gladbecker Ecke spielen könnte, haben die beiden nachgestellt. Um im Kurs des Vereins „Sport für betagte Bürger” an der Erlenstraße 40 Selbstverteidigung zu trainieren.

Was hatte nicht alles in den Zeitungen gestanden über dreiste Angriffe junger Leute auf Ältere; dann hatte auch Nimphius' Frau überlegt, wie man etwa auf dem Weihnachtsmarkt die Handtasche verteidigt, wie man überhaupt ein sicheres Gefühl in der dunklen Jahreszeit bekommt. „So entstand die Idee”, erklärt Hans Nimphius, der damit dann auf den Verein zukam.

"Schrecksekunde verringern"

Trainer Andreas Lösing

Andreas Lösing (40) erklärt die Faust. Es ist Wiederholung, denn einige Stunden hatten die Senioren schon bei ihm, dem Trainer, der seit 14 Jahren Shaolin-Kung-Fu betreibt und die Zusatzausbildung „Haltung und Bewegung” besitzt. Hier in der Erlenstraße geht's weniger um Kung Fu, als darum „auf Angriffe vorzubereiten, die Verletzungsgefahr zu minimieren und die Dauer der Schrecksekunde zu verringern”, sagt der 40-Jährige. Und das, mit Techniken, die dem Alter angepasst sind.

Sechs Leute sind heute da, es waren schon `mal mehr. Lösing jedenfalls wärmt seine Gruppe auf und spricht Sätze, die so auch im Shaolinkloster hätten fallen können: „Es geht nicht um die Kraft” oder: „Ihr müsst die Mitte finden”, aber auch: „Wenn der Rücken gerade ist, geht alles”. Seine „Schüler” hören gut zu, befinden sich – die Faust nach vorn gerichtet – in Kampfstellung und lassen sich korrigieren.

Dann die Partnerübungen. Hier wird es ernst. Hier wird zumindest der Ernstfall trainiert. Was passiert, wenn ich von vorn attackiert werde; mit einer oder beiden Fäusten; wenn ich am T-Shirt gehalten werde? Lösing zeigt Griffe („wenn er sich bewegt, kugel` ich ihm den Arm aus”) und Schläge.

Mit den Söhnen geübt

Doch ein reines Trainingscamp ist es nicht: „Ich habe vier Söhne, mit denen habe ich regelmäßig Ringkämpfe ausgetragen”, erwidert Margret Langenber schmunzelnd auf die Hinweise zu einer komplexen Verteidigungskombination. Viel Spaß hatte der Trainer versprochen, den gibt's, besonders als er das Gummimesser zückt...

Bei all dem Spaß das Ernste: Frau Langenber wurde zwar bisher nicht überfallen, aber „ich gehe abends ungern durch dunkle Tunnel”, sagt sie. „Da ist immer so ein mulmiges Gefühl.” Deshalb ist sie hier und versucht, sich die Abläufe möglichst schnell einzuprägen. „Das wird dauern, aber das ist ganz normal”, sagt Lehrer Lösing, und betont: „Der Kurs geht ja immer weiter und man kann jederzeit einsteigen.”

Und spätestens in der nächsten dunklen Jahreszeit sitzen dann auch alle Bewegungen.

Jens Conrad

Facebook
 
Videos die Sie interessieren könnten
Kommentare
25.02.2009
01:04
Senioren-Selbstverteidigung: Auf den Angriff vorbereitet
von dasKollektiv | #3

aber Achtung, bei Verletzungen im Kurs gibts auf Anweisung von Herrn Miesfelder (unChristliche DU) keine bezahlte Arzt und Krankenhaushilfe!

24.02.2009
10:57
Senioren-Selbstverteidigung: Auf den Angriff vorbereitet
von puntila | #2

Und ich dachte du fährst nur Fahrrad

24.02.2009
08:30
Senioren-Selbstverteidigung: Auf den Angriff vorbereitet
von Bahnfahrer | #1

Respekt!
Da kann ich nur hoffen, wenn ich nächste oder diese Woche wieder doof in der Gladbecker City von Handymusik und Sprüchen aus der Gruppe provoziert werde, einer aus dieser Gruppe in der Nähe ist.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/424265/create

Aktuelle Fotos und Videos
Wittringer Sommer
Bildgalerie
Sonnige Pfingsten
Nacht der offenen Kirchen
Bildgalerie
Kirchen
Über 500 Sportler beim Borsig-Meeting
Bildgalerie
Leichtathleten
Rund um den Job
Bildgalerie
Berufsinfobörse
Aus dem Ressort
Stadtteileltern können starten
Brauck
Jetzt kann es losgehen: Sechs Stadtteilmütter und ein -vater haben ihre theoretische Schulung hinter sich und nehmen jetzt die praktische Arbeit in Brauck auf – als Kümmerer, Vermittler, Ansprechpartner.
Knebel kommt noch einmal
Pralles Kulturprogramm...
Theater, Kabarett, Operette, Konzert . . . Das Kulturprogramm in der Mathias-Jakobs-Stadthalle ist auch in der Saison 2012/ 2013 wieder so bunt gemischt und breit aufgestellt wie die Interessen der Gladbecker. Stars von Bühne, Film und Fernsehen geben sich wieder ein Stelldichein in Gladbeck, die...
Text