Schwester Marina sagt Rentfort nach mehr als 40 Jahren ade

Schwester Maria Marina und Pastor Oliver Laubrock packen gemeinsam Kisten für den Umzug.
Schwester Maria Marina und Pastor Oliver Laubrock packen gemeinsam Kisten für den Umzug.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Schwester Marina, letzte der Katharinenschwestern in Rentfort, kehrt zurück ins Mutterhaus Münster. Kongregation gibt den Standort in Gladbeck auf.

„Mein Gott, wo ich bin hier gelandet?“ – Das mag Schwester Maria Marina in den Sinn gekommen sein, als sie im Jahre 1971 ihren Dienst in der Rentforter Gemeinde St. Josef antrat. „Ich komme hierhin und sehe die schwarzen Häuser; sie waren nicht dunkel, sondern schwarz“, erinnert sich die 72-Jährige, „da konnte es passieren, dass die Wäsche schwarze Stippen bekam.“ Ein erster Eindruck, der sich ins Gedächtnis der gebürtigen Eifelerin eingegraben hat. Wie so viele andere Erlebnisse, Erfahrungen und Begegnungen. All dies wird Schwester Marina mitnehmen, wenn sie Mitte August demjenigen Ort ade sagt, an dem sie mehr als 40 Jahre wirkte – von dem sie sagt: „Das hier ist für mich ein Stück Zuhause geworden.“

„Früher kriegte man blaue Briefe“

Sie verlässt Rentfort als letzte (von vormals vier) der Katharinenschwestern. Schwester Walburga ist bereits kürzlich nach Xanten gegangen. Die Kongregation der Schwestern von der heiligen Katharina, Jungfrau und Märtyrerin gibt diesen Standort auf. Es fehlt an Nachwuchs. „Früher kriegte man blaue Briefe“, erzählt die zierliche 72-Jährige. Da konnte es passieren, dass man von einem Augenblick auf den anderen den Koffer packen musste und in ein neues Wirkungsfeld versetzt wurde. Schwester Marina hingegen bleibt Zeit, sich auf diese Veränderung in ihrem Leben einzustellen – sowohl praktisch wie auch seelisch.

Der Abschied fällt schwer

Für sie geht’s „zunächst zurück ins Mutterhaus“ nach Münster, wo sie erst einmal ausspannen und Abstand nehmen möchte. „Ich wünschte, ich hätte mich in Rentfort nicht so angenommen und heimisch gefühlt“, sagt sie, und Wehmut schwingt in ihren Worten mit. Dann würde ihr der Weggang wohl nicht so schwer fallen. Aber sie wisse ja, „wohin ich gehöre“. Und Schwester Marina überlegt auch: „Vielleicht ist es ganz gut, dass ich Rentfort jetzt verlasse und nicht zwei oder drei Jahre später.“

Schlüsselstelle in der Gemeinde

Pastor Oliver Laubrock nickt zustimmend, ihm geht allerdings weniger die Binsenweisheit „Einen alten Baum verpflanzt man nicht“ durch den Kopf als vielmehr die persönliche Situation von Schwester Marina. Wer wie sie Wurzeln an einem Ort geschlagen hat, „der ist mit ihm verwachsen“. Ob sie bei ihren ersten Begegnungen mit den Rentfortern das Gefühl hatte, dass dieser Menschenschlag sich von dem in ihrer Eifeler Heimat unterscheidet? Da muss Schwester Marina einen Augenblick innehalten und nachdenken. Ergebnis: „Sie waren hier vielleicht ein bisschen rauher, man musste auf sie zugehen.“ Man dürfe ja nicht vergessen: „Rentfort war damals ein Dorf.“ Doch sie habe nie Schwierigkeiten mit den Menschen gehabt.

Dreikäsehochs die Leviten gelesen

Die gelernte Erzieherin hat ein Vierteljahrhundert, bis zum Jahr 1996, den Kindergarten der Gemeinde geleitet. Generationen von Rentfortern kennt sie von kleinauf. Manch einem Rentforter, den sie heutzutage trifft, hat sie als Dreikäsehoch die Leviten gelesen: „Da lachen wir heute drüber.“

Als Pfarramtshelferin – „Das ist wie eine Sekretärin“ – saß Schwester Marina „an einer Schlüsselstelle“, so Pastor Laubrock, „sie kennt die Gemeinde wie kein anderer.“ Er geht sogar noch einen Schritt weiter: „Schwester Marina ist Rentfort.“ Und für die Gemeinde sei es schwer, sie ziehen zu lassen. Man werde sie vermissen. Pastor Laubrock: „Wer sie kennt, weiß, wie schwer ihr der Abschied fällt.“

„Mal sehen, was jetzt kommt!“

Zu den Hauptaufgabengebieten der Kongregation der Schwestern von der heiligen Katharina, Jungfrau und Märtyrerin (gegründet 1571) gehört der Dienst an Alten und Kranken und Erziehung. Schwester Marina entsinnt sich: „Vor fünf Jahren haben wir uns noch um die Sakristeiwäsche und den Blumenschmuck gekümmert.“ Den Schwestern liege die Kontaktpflege zwischen ihnen, Gemeinde und Geistlichen am Herzen: „Wir haben nicht nur in der hier gewohnt, sondern dazugehört.“

Mit Krankheiten zu Schwester Tabitha

Unvergessen ist die Zeit, in der Rentforter im Krankheitsfall zu Schwester Tabitha gingen. Das Schild „Ambulanzzimmer“ existiert immer noch, weiß Pastor Oliver Laubrock. „Sie war erst zu Fuß, später per Fahrrad, Moped und VW Käfer unterwegs“, erzählt Schwester Marina. Pastor Laubrock ergänzt: „Das war, bevor ein erster Arzt nach Rentfort gekommen ist.“

Ein neuer Abschnitt beginnt

Die Gemeinde Rentfort (St. Josef und St. Franziskus) zählt zwischen 3500 und 4000 Mitglieder. Schwester Marina, die seit dem Jahr 2013 im Gemeindebüro hilft, kümmert sich um die Krankenkommunion, bringt sich unter anderem ein als Lektorin. Bei der Umstellung von ihrer Tätigkeit im Kindergarten auf Büroarbeit habe sie sich gesagt: „Es beginnt ein neuer Abschnitt, mal sehen, was jetzt kommt.“ An diesem Punkt ist die 72-Jährige jetzt wieder angelangt.