Schuss aus Eifersucht - acht Jahre Haft für Gladbecker

Für den Vorsitzenden Richter steht fest, der Angeklagte habe „vorsätzlich und heimtückisch“ gehandelt.
Für den Vorsitzenden Richter steht fest, der Angeklagte habe „vorsätzlich und heimtückisch“ gehandelt.
Foto: Dirk Lotze
Was wir bereits wissen
41-Jähriger wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und unerlaubten Waffenbesitzes verurteilt. Opfer hält die Strafe für zu gering.

Gladbeck/Wuppertal.. Für acht Jahre muss ein 41-jähriger Gladbecker ins Gefängnis, weil er Anfang Dezember in Wuppertal aus Eifersucht einen Nebenbuhler beschossen und lebensgefährlich verletzt hat.

Das Landgericht Wuppertal hat den Mann wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Waffengesetz verurteilt. Der Vorsitzende Richter stellte fest: „Er handelte vorsätzlich und heimtückisch.“

Der Angeklagte hatte gestanden, sein 34-jähriges Opfer, das er nie zuvor gesehen hatte, mit einer Pistole beschossen zu haben. Er habe dessen Namen in einer Internet-Freundeliste seiner Ex-Freundin gefunden, der einzigen Person, die in seinem Leben wichtig sei. Er habe -- wiederum per Internet – den anderen Mann unter erfundenem Frauennamen kontaktiert und ein Treffen zu Zweit nahe dessen Wohnung vereinbart, angeblich um zu „reden“.

Laut Gericht verbarg sich der Angeklagte nahe der Haustür seines Opfers hinter einem Busch, so dass der erste Schuss den Wuppertaler traf, als er arg- und wehrlos war. Anschließend, wieder zu Hause, habe der Angeklagte per Internet recherchiert, was über die Tat schon bekannt geworden war. Dabei habe er auch erfahren, dass der 34-jährige, anders als erwartet, durch eine Notoperation überlebt hatte. Die Fahnder wurden schließlich anhand der vielen Internet-Spuren zu dem 41-Jährigen geführt.

Tötungsentschluss vielleicht später

Die Richter blieben mit ihrer Strafe um ein Jahr unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Vorsitzende Richter: „Wir gehen davon aus, dass er von Anfang an eine Gewalttat begehen wollte, aber der Entschluss zu töten, kam vielleicht erst später.“ Laut Verteidiger des Gladbeckers, Anwalt Sedat Kapusuz, war der Angriff das Ergebnis eines Denkprozesses am Tatabend.

Er hatte in seinem Plädoyer klargestellt, dass die Schüsse nicht zu rechtfertigen seien, dass sein Mandant aber die Tat bereue. Unserer Zeitung sagte der Anwalt: „Sich so eine Waffe zu beschaffen, ist der erste Schritt zu einem großen Fehler, denn es besteht die Gefahr, dass man sie eines Tages einsetzt.“

Das Opfer wurde an Hals und Kiefer getroffen

Das Gericht wertete das Geständnis zu Gunsten des Angeklagten. Strafverschärfend wirken die schweren Verletzungen des Opfers. Der Kraftfahrer wurde an Hals und Kiefer getroffen, muss für den Rest seines Lebens mit erheblichen Folgen rechnen und kann womöglich seinen Beruf nicht mehr ausüben.

Während der fünftägigen Verhandlung wurde klar, dass der Angeklagte sich zumindest über die Beziehung seiner Ex-Freundin zu dem Wuppertaler nicht geirrt hatte. Der Verletzte, der sich auch als Nebenkläger am Verfahren beteiligte, berichtete den Richtern: Er habe die Frau vor neun Jahren kennen gelernt; sie sei Stammgast in einem Imbiss gewesen, in dem er damals arbeitete. Die Beziehung – parallel zu seiner damals neu geschlossenen Ehe – sei vorübergehend abgekühlt, aber im vergangenen Jahr wieder aufgelebt. Das sei einige Wochen vor der Tat gewesen.

Das Urteil gegen seinen Angreifer nahm das Opfer sichtlich fassungslos auf: „Nur acht Jahre? Das ist zu wenig!“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.