Schulprojekt - Keine Scheu vor Kultur aus dem Rucksack

Die Kinder der 4b der Vinzenzschule erhielten gestern die ersten Kulturrucksäcke. Das Landesprogramm startet in Gladbeck in diesem Sommer.
Die Kinder der 4b der Vinzenzschule erhielten gestern die ersten Kulturrucksäcke. Das Landesprogramm startet in Gladbeck in diesem Sommer.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Mitmachangebote und kreative Projekte für Zehn- bis 14-Jährige. Der Kulturrucksack bietet eine gezielte Förderung der Entwicklung von Kindern.

Gladbeck..  Kultur für alle – und das als äußerst vielseitige und bunte Angebotspalette, das ist der Kulturrucksack. Symbolisch überreichte Kulturdezernentin Nina Frense gestern die ersten farbig gepunkteten Rucksäcke an die Viertklässler der Vinzenzschule. Frense: „Dass sportliche Betätigung die Gesundheit und die Entwicklung von Kindern fördert, ist bekannt. Ein ebenso wichtiger Bereich ist aber die Förderung der Entwicklung von Kindern durch kulturelle Bildung.“

Hier setzt das Rucksack-Konzept an, das sich speziell an Zehn- bis 14-Jährige richtet. Das Programm bietet kostenlose oder deutlich kostenreduzierte kulturelle Angebote. Frense: „Alle sollen Zugang zu kulturellen Bildungsangeboten erhalten.“ Dabei ist Vielseitigkeit Trumpf. Die Bandbreite reicht von Rucksack-Geschichten wie Poetry-Slam über den Ferien-Rucksack mit Kunst-, Theater- und Medien-Projekten, den Stadtteil-Tour-Rucksack mit Video- und Handyfilmprojekten bis zum Mädchen-Rucksack mit Kunst- und Medienprojekten.

Gladbeck hatte sich im letzten Sommer bei dem Landesprogramm beworben – und den Zuschlag erhalten. In der Stadt leben 3839 Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 14 Jahren. Das Land stellt nun 4,10 Euro pro Kind zur Verfügung, was für Gladbeck rund 16 800 Euro macht. Geld, das nun die für 2015 vorgesehenen Projekte und Angebote finanziert.

Eingeführt hatte die rot-grüne Landesregierung den Kulturrucksack 2012. Dabei sind nun 196 Kommunen, freut sich der SPD-Landtagsabgeordnete Michael Hübner. „Der Rucksack ist auch ein sehr wichtiger Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen.“ 45 Prozent der für die Rucksackangebote infrage kommenden Kinder und Jugendliche leben im Süden der Stadt, also in sogenannten Stadtteilen mit besonderem Erneuerungsbedarf, viele von ihnen in sozial benachteiligten Familien. Hier ist oftmals die Scheu vor vermeintlich hehren Kulturangeboten besonders groß. Diese Gräben soll der Rucksack aufbrechen. Frense: „Die jungen Menschen sollen mit Kultur in Kontakt kommen, aber diese soll niederschwellig und damit leicht zugänglich sein.“ So werde bewusst mit den Angeboten in die Stadtteile gegangen und nicht in den Institutionen gewartet, „bis die Eltern ihre Kinder bringen“.

Betont wird von Sibylle Assmann, Leiterin der Jugendkunstschule und Leiterin des Projekts Kulturrucksack, die Vernetzung von Kultureinrichtungen mit Trägern der kommunalen und freien Jugendarbeit und damit den Jugendtreffs. Ein Zusammengehen, das Frense besonders hervorhebt. „Es gibt bei der Zusammenarbeit von Jugend- und Kulturbereich kein Kästchendenken. Das gemeinsame Arbeiten an einer Sache ist sehr spannend.“

Gesichert ist der Kulturrucksack für das laufende Jahr 2015. Was dann wird, ist allerdings noch offen. Gladbeck jedenfalls setzt auf eine Fortsetzung. Assmann: „Die Koordinierungsstelle wartet darauf, dass das Land OK sagt.“