Schulpendler in Gladbeck in der Diskussion

Viele Schüler aus den Nachbarstädten besuchen Gladbecker Gymnasien und Realschulen.Foto:Joachim Kleine-Büning
Viele Schüler aus den Nachbarstädten besuchen Gladbecker Gymnasien und Realschulen.Foto:Joachim Kleine-Büning
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Was wir bereits wissen
Die CDU sieht sich nicht ausreichend von der Stadt zu den Kosten informiert, die durch einpendelnde Schüler entstehen. Nachbesserung wird gefordert.

Gladbeck..  Auch kritisch reagiert Michael Dahmen, Sprecher der Fraktion im Schulausschuss, jetzt auf die Antworten der Stadt zum CDU-Fragenkatalog nach dem im September präsentierten Gutachten „Zur Entwicklung des weiterführenden Schulwesens in Gladbeck“. Der CDU würden weiterhin detaillierte Berechnungen zu den Kosten vorenthalten, die der Stadt Gladbeck durch externe Schüler entstehen.

Erster Beigeordneter Rainer Weichelt hatte die Fragen der CDU zu ein- und auspendelnden Schülern Ende Dezember beantwortet.

Die übermittelten Zahlen würden ein positives Pendlersaldo von 734 Schülern in Gladbecker Gymnasien und Realschulen belegen, was „zweifellos für den sehr guten Ruf und die hervorragende pädagogische Arbeit“ an diesen Schulen spreche, so Dahmen, der das Gymnasium Canisianum in Lüdinghausen leitet. Aktuell besuchen 825 Schüler aus Bottrop, Dorsten, Essen und Gelsenkirchen die drei Gymnasien und Realschulen in Gladbeck; lediglich 91 Schüler aus Gladbeck pendeln in entsprechende Schulen der Nachbarstädte.

Auf seriöse Zahlen konzentrieren

Im Zusammenhang mit der notwendigen Millionen-Sanierung des Heisenberg Gymnasiums beziehungsweise Neubaus werde die Frage gestellt, ob die Gladbecker Schullandschaft weiterhin drei Gymnasien benötige. Die Zahl der aktuell 385 externen Schülern an Gladbecker Gymnasien entspreche ungefähr einem halben Gymnasium, stellt Dahmen fest. Ob diese Zahl stabil bleibe, sei auch laut Gutachter fraglich. Gladbeck müsse sich also „seriös auf die Schülerzahl konzentrieren, die aus Gladbecker Grundschulen wechseln“. Im Schulausschuss am 16. Januar müsse dazu eine präzisere Betrachtung erfolgen. Die CDU sieht auch grundsätzlich die Notwendigkeit für drei Gymnasien, fordert aber, dass eine Übergangsquote von den hiesigen Grundschulen (derzeit 36,9 %) gemäß des Landesdurchschnittes (41,8 %) durch stärkere Anstrengungen zu erreichen sei.

Problem der Gesamtschule

Die CDU stellt zudem fest, dass sich innerhalb von etwa zehn Jahren die Zahl der zu einer Gesamtschule auspendeln Gladbecker fast verdoppelt habe und also entsprechende Nachfrage bestehe. Zu den Probleme bei der Ingeborg-Drewitz-Gesamtschule (sinkende Schülerzahlen), erwarte die CDU Perspektiven im Schulausschuss für eine positive Entwicklung.

„Völlig unbefriedigend“, sind für Dahmen die Antworten zu den Kosten durch externe Schüler. Die CDU gehe davon aus, dass für den Etat 2015 „die Zahlen sorgfältig, gewissenhaft und detailliert berechnet“ wurden. Unverständlich sei so, warum der Fraktion „diese Zahlen vorenthalten werden“.

SPD-Vorsitzender: „CDU hat das Thema verfehlt“

Die von der CDU-Gladbeck angestoßene Diskussion zu den Schulpendlern ist nach Ansicht des Gladbecker SPD-Vorsitzenden Jens Bennarend „nicht zielführend und überflüssig“. Die Gladbecker CDU habe das Thema verfehlt „sechs – setzen“, bezieht Bennarend schriftlich Stellung.

Falsche Fährte

Die CDU führe die Gladbecker mit ihrer Anfrage auf eine falsche Fährte, begründet der SPD-Chef. Es handele sich bei einem Verhältnis von 606 Aus- zu 1020 Einpendlern nicht um ein echtes Problem, zudem stünden den zu tragenden Fahrtkosten für die externen Schüler von 197 000 Euro Einnahmen aus den Schlüsselzuweisungen des Landes von 607 000 Euro gegenüber, die das Land auf der Basis der Gesamtschülerzahl errechne. Sicher müsse man auch noch die schwer kalkulierbare Abnutzung der Gebäude und Lerninfrastruktur mit einrechnen, räumt Bennarend ein, „aber kleinkarierte Erbsenzählerei kann nicht Ziel der Kommunalpolitik sein“.

An Lebenswirklichkeit vorbei

In einem Ballungszentrum wie dem Ruhrgebiet, in dem städtische Grenzen verschwimmen wie in Gladbeck, mit den Nachbarstädten Bottrop, Gelsenkirchen und Essen und zum Teil nur noch durch ein Schild deutlich werden, sei die Lebenswirklichkeit der Menschen nun einmal so, „dass Schulwege in die Nachbarstadt kürzer sind, Lebensläufe zu Umzügen führen, ohne dass ein Kind seine Schulfreunde verlieren soll. Jetzt darüber nachzudenken, wie man Menschen ausschließt, läuft an der Lebenswirklichkeit der Bürgerinnen und Bürger vorbei, so Bennarends Resümee, „ohne die Haushaltssituation tatsächlich zu verbessern“.