Schülerin für ein Jahr in Istanbul

Eigentlich besuche ich das Ratsgymnasium in Gladbeck, doch seit vier Monaten heißt meine Schule „Besiktas Anadolu Lisesi“, denn zurzeit lebe ich in der türkischen Großstadt Istanbul für ein Austauschjahr. Um ehrlich zu sein, wollte ich eigentlich einen Schule in England besuchen, aber ich war mit 15 Jahren zu jung. Zusammen mit meiner Mutter bin ich dann zu einer Jugendmesse gegangen, wo wir auf viele andere Austausch-Möglichkeiten gestoßen sind. Für meine Mutter war die Türkei auch eine gute Wahl, da meine familiären Wurzeln in der Türkei liegen, ich aber gar kein Türkisch sprechen konnte.

Das „Besiktas Anadolu Lisesi“ ist eine enorm große Schule. Der Campus grenzt direkt an den Bosporus auf der europäischen Seite der Stadt. Ich wohne in Istanbul auf der asiatischen Seite und fahre jeden Tag mit der Fähre 30 Minuten zur Schule. Der Gedanke, dass ich so täglich Kontinente wechsle ist surreal. Der Schulunterricht ist komplett anders und viel passiver als in Deutschland. Zuhören, lernen – und nachfragen, wenn etwas nicht verstanden wurde. Aber kein Lehrer ist wirklich streng, weswegen der Unterricht ziemlich viel Spaß macht. Meine Mitschüler haben mich sofort herzlich aufgenommen und nach der Schule direkt mit ins Cafe genommen . Jeder wollte etwas mit mir machen. Sie helfen mir andauernd, wenn ich etwas nicht verstehe im Unterricht und unternehmen ständig etwas mit mir. Sie bringen mich immer zum lachen, nennen mir die geheimen Tipps und zeigen mit die angesagtesten Treffpunkte zum Spaß haben in Istanbul.

Immer selbstbewusster

Aber auch durch meine Austausch-Organisation (AFS) habe ich Freunde gefunden. Aus Thailand, Frankreich, Italien, Amerika, Südafrika und sogar aus Deutschland. Es ist schön ‘Austauschfreunde’ zu haben, wenn ich Heimweh habe oder frustriert bin, wenn ich mal etwas überhaupt nicht verstehe. Sie verstehen mich und suchen mit mir dann nach einer Lösung. Was wirklich unglaublich ist, dass wir von Tag zu Tag immer selbstbewusster werden und miteinander in Türkisch sprechen.

Meine Gastfamilie ist zuckersüß. Meine Gastschwester Deniz (19) war letztes Jahr mit der gleichen Organisation in Deutschland und sie kann so sehr gut Deutsch sprechen, was mir viel Heimweh erspart. Heimweh habe ich nicht wirklich. Dazu passieren zu viele aufregende Sachen hier, aber manchmal fehlt mir meine Mutter, mit der ich mich einfach unterhalten und Witze so ‘typisch Deutsch’ machen kann. Oder mit meinem besten Freund einfach Zeit zu verbringen. Banale Sachen, die ich vorher nicht wirklich beachtet oder wert geschätzt habe, fehlen mir jetzt. Wenn man mich fragt, ob ich mich verändert habe, dann würde ich mit ‘Ja’ und ‘Nein’ antworten. Ja, weil sich mein Charakter etwas verändert hat. Ich bin zum Beispiel in vielen Sachen viel ruhiger geworden und probiere Neues mutiger aus.

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