Schüler verblüffen mit tollen Ideen

Foto: Stephan Glagla / Funke Foto Serv
Was wir bereits wissen
Zwölftklässer präsentieren ihre Jahresarbeiten und ernten für die Umsetzung ihrer Ideen viel Lob.

Gladbeck..  Snowboarding, Vegane Ernährung, Hundeerziehung, Mode der 50er Jahre, Elvis lebt, Tanzperformance: Alle 31 kreativen, analytischen, witzigen und wissenschaftlichen Projekte der „Zwölf“ aufzulisten sprengt wohl den Rahmen einer Zeitungsseite. Die Schülerinnen und Schüler der 12. Jahrgangsstufe der Freien Waldorfschule Gladbeck jedenfalls zeigen sich alle neugierig, beharrlich, ideenreich und mutig. Davon können sich am Tag der offenen Tür zahlreiche Besucher überzeugen.

Sämtliche Etagen der Schule sind gefüllt, alle Räume besetzt. Nur im Außenbereich, wo es Schnitzarbeiten mit der Kettensäge (Jona Leineweber, Linus Schulte) zu bewundern gibt, ist aufgrund des Regenwetters wenig los. Die Vielfalt und Intensität, mit der die angehenden Abiturienten ihr jeweiliges Projekt verfolgt und umgesetzt haben, verblüfft.

Im Raum 8 präsentiert Edith Baßmann ihre Auseinandersetzung mit der Pop-Art, bietet Konsumkritik, die zeigt, dass alle Lebensbereiche betroffen sind. Da prangt dem Betrachter ein knallrot geschminkter Mund entgegen, und in der weißen Sprechblase knallt ihm die Forderung „Pressefreiheit!“ ins Gesicht.

Verfremdete Bilder der berühmten braunen Brause

Verfremdete Bilder der berühmten braunen US-Brause hat Edith (18) ebenso im Programm wie andere Konsumgüter. „Ich habe mich in vielen Museen umgeschaut, um für meine Arbeit zu recherchieren. Besonders ,Ludwig goes Pop’ in der Ludwig Galerie in Köln hat mir viel gegeben“, so Edith. Neben den sehenswerten Exponaten von eigener Hand wirkt ihre schriftliche, 70 Seiten starke Dokumentation hoch professionell. „Was ich nach dem Abi in einem Jahr machen möchte? Auf jeden Fall ein freiwilliges soziales Jahr und dann ein Jahr ins Ausland gehen, Und später studieren, ich weiß nur noch nicht, in welche Richtung.“

Das geht Paulina Günther (18) ähnlich. Ihr Thema fasziniert besonders, denn es geht um Liebe. Öffentliche Liebeserklärungen: In Bäume geritzt, auf Klowänden verewigt, auf Wände gesprüht. Paulinas Beutezeuge sind eindrucksvoll, es läuft ein Videofilm, die Fotos sind alles: Kunst, Soziologie, Politik, Sachbeschädigung, Sprachforschung. Paulina: „Tatsächlich bin ich an dem Thema schon seit drei Jahren dran. Ich habe für meine Abschlussarbeit 15 Gigabyte Fotomaterial gesichtet.“ Worauf Paulina Günther besonders stolz ist: Alles hat sie sich selbst erarbeitet. Es gibt zu ihrem Thema keine Studien, Bücher, Untersuchungen. Fix mal googlen ist nicht drin. Aber Stoff für ein eigenes Buch, einen Kinofilm oder ein Theaterstück? Paulina: „Daran habe ich noch gar nicht gedacht.“