Schicht im Schacht für den Gladbecker Robin auf Prosper?

Eine große Leidenschaft von Robin Rimkus: Er singt gerne im Ruhrkohlechor mit seinen Kollegen.
Eine große Leidenschaft von Robin Rimkus: Er singt gerne im Ruhrkohlechor mit seinen Kollegen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Gladbecker Robin Rimkus beendet zurzeit Ausbildung auf der Zeche Prosper-Haniel, die 2018 schließt. Ab November muss er sich nach neuem Job umsehen.

Gladbeck/Bottrop.. Wenn 2018 die Zeche Prosper-Haniel schließt, geht der deutsche Steinkohlebergbau endgültig in die Geschichte ein. Für Robin Rimkus aus Gladbeck könnte schon Ende 2015 Schicht im Schacht sein.

Der 24-Jährige hat vor drei Jahren seine Ausbildung zum Industriemechaniker auf der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop begonnen, schon bald muss er sich aber nach einer Alternative umsehen. Im Januar beendet er seine Lehre, im November läuft sein Vertrag aus.

Bergbau ist Familientradition

Bergbau hat Tradition und hohen Stellenwert in Rimkus’ Familie: Sein Großvater hat bereits als Steiger gearbeitet, auf der Zeche Hugo in Gelsenkirchen. „In Omas Keller hängt eine Meterlatte, Schlägel und Eisen, der Bergbau war allgegenwärtig“, erinnert sich der 24-Jährige. Mütterlicherseits haben alle Männer – wenn auch nur kurze Zeit – im Bergbau gearbeitet. „Der Opa hat alle mitgenommen, um sie für den Bergbau zu gewinnen.“

Auch seinen Enkel konnte er begeistern. Rimkus arbeitet heute am Förderberg. Dort ist er unter anderem für die Wartung der Anlagen am Förderband zuständig. Der 24-Jährige fühlt sich auf’m Pütt sehr wohl: Er arbeitet gerne mit großen Maschinen, hat kein Problem damit, sich dreckig zu machen. „Wenn ich abends in der Dusche stehe, fühle ich am eigenen Körper, dass ich etwas gemacht habe“, erklärt Rimkus. Besonders gefallen hat ihm der Ruhrkohlechor: „Wenn alle das Steigerlied singen, hat das Ähnlichkeit mit der Arbeit – Schulter an Schulter auf der Bühne“.

Rimkus möchte Industriemechaniker bleiben

Um so mehr schmerzt es, wenn der 24-Jährige in die Zukunft blickt. Bei der RAG gilt zwar der Grundsatz: „Kein Bergmann darf ins Bergfreie fallen.“ Aktuell werden Umschulungen zu Brandmeistern, Heilerziehungspflegern oder Altenpflegern angeboten. Wenn Rimkus das hört, fragt er sich aber, ob er „denn kein Bergmann“ sei. Denn der 24-Jährige wird von vielen Maßnahmen ausgeschlossen. RAG-Sprecher Christof Beike betont: „Wir sind uns sicher, dass diese Jugendlichen mit der anerkannt guten Ausbildung an anderer Stelle einen Arbeitsplatz finden.“

Umschulen will Rimkus nicht, sondern am liebsten weiter als Industriemechaniker arbeiten, bis zur Schließung bei der Zeche bleiben und dabei seinen Meister anschließen. Dennoch: „Man hat immer im Hinterkopf, dass es ein sinkendes Schiff ist.“ Deswegen will er sich schon jetzt bei verschiedenen Firmen bewerben, z.B. um weltweit Förderbänder zu warten. Er kann sich aber auch vorstellen, bei der „Ewigkeitsarbeit“ mitzuhelfen und Grundwasser aus den Schächten zu pumpen. „Wichtig ist, dass man mit einem Lächeln zur Arbeit geht, alles andere hat keinen Sinn.“

Ende der Kohle-Ära trifft viele Kumpel hart

Die Zeche Prosper-Haniel hat im September 2014 die letzten Auszubildenden eingestellt: Die Lehrlinge werden zu Elektrikern, Industriemechanikern und Mechatronikern ausgebildet. Im Bergwerk gibt es insgesamt noch 3.571 Mitarbeiter, 167 kommen aus Gladbeck. 32 davon sind Auszubildende. Der Altersdurchschnitt aller Beschäftigten liegt bei Mitte 40.

Laut Walter Hüshoff, ehemaliger Bergmann und Vorsitzender der IGBCE Ortsgruppe Gladbeck-Mitte, erkennt man an Rimkus’ Fall „die negativen Auswirkungen des Wegbrechens des Kohlebergbaus“.

Das Personal im Bergbaubereich der RAG soll nach und nach abgebaut werden: Neben Prosper-Haniel schließen auch die Bergwerke Auguste Victoria und Ibbenbüren. Während 2016 noch rund 7000 Beschäftigte für die RAG arbeiten sollen, plant man 2017 nur noch mit 5500. Bis kurz vor der endgültigen Schließung im Jahr 2018 sollen nur noch 3600 Stellen besetzt sein.

Der Abbau läuft keinesfalls problemlos. „Viele Bergleute wechseln den Standort und müssen Arbeiten übernehmen, die fremd sind“, erklärt Christof Beike. Dabei gelte es, die Motivation unter den Beschäftigten hochzuhalten. Einige Bergmänner „sitzen ihre Zeit nur noch ab“, ist Robin Rimkus Erfahrung. Mehr Arbeit müsse daher von weniger Personal erledigt werden.