Sally Perel erinnert am Riesener an Schrecken der NS-Zeit

Sally Perel las am Riesnser-Gymasium aus seinem Buch „Ich war Hitlerjunge Salomon“.
Sally Perel las am Riesnser-Gymasium aus seinem Buch „Ich war Hitlerjunge Salomon“.
Foto: FUNKE Foto Services
Israelische Autor deutscher Herkunft überlebte den Holocaust . Vor den Gladbecker Gymnasiasten las er aus seinem Buch „Ich war Hitlerjunge Salomon“.

Gladbeck..  Sally Perel ist einer der letzten Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs. Er erlebte die Grausamkeiten der NS-Diktatur hautnah mit. Als Jude deutscher Herkunft schafft er es, seine Identität zu verschleiern und überlebt somit den Genozid. Auf seiner Lesereise durch Deutschland macht Perel am Dienstag Halt am Riesener-Gymnasium und trägt aus seinem Buch „Ich war Hitlerjunge Salomon“ vor.

„Wissen Sie“, so sagt Perel zu den Schülern der neunten und elften Klassen, „die Wahrheit ist immer stärker als Kampfflugzeuge und Waffen.“ Während er liest, herrst in der alten Turnhalle gebannte Stille. Die Schüler sind gleichermaßen geschockt wie beeindruckt. Entsetzt über das, was passierte. Beeindruckt, wie der heute in Israel lebende Zeitzeuge die Zeit überlebt.

Perels Geschichte beginnt in Deutschland. Seine Familie, osteuropäische Juden, emigrieren vor dem Naziterror nach Polen. Als die Wehrmacht 1939 Polen besetzt, flüchtet Perel weiter gen Osten und bringt sich bei den Sowjets in Sicherheit. Beim Überfall der Deutschen auf die Sowjetunion im Juni 1941 ist Perel 16 Jahre alt. Als er gefangen genommen wird, gibt er sich als Volksdeutscher aus, um nicht ermordet zu werden.

Er spricht gut deutsch, seine jüdische Identität bleibt unerkannt. Es beginnt ein unglaubliches Versteckspiel des jüdischen Jungen, der zum deutschen Hitlerjungen Josef Perjell wird und fortan der Hitler-Jugend dient. „Hätten sie gewusst, dass ich ein Jude bin, hätten sie mich nicht lieb gehabt.“

„Er hatte gleich zwei Grüne mich zu erschießen“

Wie schafft es ein Mensch ein Anderer zu sein? „Allein beim Baden wurde es schwierig. Ich bin beschnitten. Was ich mir alles habe einfallen lassen, damit dies nicht auffällt!“, erzählt Perel. Und doch wird es nach einem dieser Bäder brenzlig für den in Peine geborenen Juden. Ein Kamerad umarmt ihn fest von hinten und möchte ihn vergewaltigen, doch Perel kann sich wehren. „Er hatte gleich zwei Gründe mich zu erschießen.“

„Schwule und Lesben können sich schließlich nicht fortpflanzen“

Zum einen sah der Kamerad, dass er beschnitten war, zum anderen wusste Perel von der Homosexualität seines Gegenübers. Letzteres galt, ebenfalls wie das Judentum, als inkompatibel mit dem NS-System. „Schwule und Lesben können sich schließlich nicht fortpflanzen. Nur dafür war das Volk da.“ Doch zur Verwunderung Perels wird er nicht erschossen. „Der Kamerad sagte, es gäbe auch ein anderes Deutschland.“

Seine Lesereisen, sagt Perel selbst, bekommen ihren Sinn erst durch die Aktualität. „Sie Schüler, Sie registrieren nicht nur. Ich habe in Euch neue Zeitzeugen hinterlassen. Gebt diese Wahrheit weiter an Kinder und Kindeskinder. Es gibt nichts Wichtigeres als Würde. Sie sind für die Zukunft gewappnet!“