Reservisten pflegen Kriegsgräber

Sie nehmen Urlaub, um ins Ausland zu fahren, aber Urlaub machen sie dort eigentlich nicht: Ihren zehnten Einsatz leistete die Reservistenkameradschaft Bottrop/Gladbeck jetzt für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Frankreich. Nach Cerny-en-Laonnois führte der Einsatz unter Leitung des Bottropers Jens Gerstenkorn. „Wir sind wie immer herzlich empfangen worden“, freut sich der Oberst der Reserve.

Aus insgesamt elf Leuten bestand die Reisegruppe, die sich von der Muna in Wulfen aus in Lastwagen auf den Weg machte. Nach einem Besuch der Einsatzorte im März, bei dem er sich einen Überblick über die notwendigen Arbeiten verschaffte, hat Jens Gerstenkorn die Gruppe zusammengestellt. „Ich habe aus der ganzen Region die Berufe zusammengekratzt“, sagt er schmunzelnd, denn mit muss, wer arbeiten kann.

In Kaserne untergebracht

In diesem Jahr wurden besonders Gärtner, Pflasterer und Maurer gebraucht. Mit müssen immer auch ein Sanitäter und ein Trompeter und Fahrer der Bundeswehr, denn nur die dürfen Bundeswehrfahrzeuge steuern.

Untergebracht waren die Reservisten dort in einer Kaserne. „Die Verpflegung war nicht so doll“, meint Jens Gerstenkorn, tolle französische Küche wurde den ehemaligen Soldaten auf jeden Fall nicht serviert. Aber sie waren ja auch nicht zum Genießen in Frankreich, sondern zum Arbeiten. Und zu tun gab es reichlich.

Die Freiwilligen mussten die 1,20 Meter hohen, bröckeligen Mauern am Eingang zum Friedhof abtragen, neu aufbauen und verfugen. Ein Knochenjob: „Die Steine sind sehr groß und schwer.“ Dann galt es auch den 120 Meter langen Weg zum Friedhof neu anzulegen und den Zaun entlang des Weges zu erneuern. Auf einem zweiten Soldatenfriedhof in der Nähe wurde schließlich noch das Empfangsgebäude gestrichen. Rund 550 Arbeitsstunden haben die Reservisten hier geleistet. Das Wochenende haben sie für Ausflüge genutzt. Etwa 7500 deutsche Soldaten liegen auf dem Friedhof bei Cerny-en-Laonnois begraben. Er liegt mitten in einem bekannten Kampfgebiet des Ersten Weltkriegs zwischen Reims und Soissones, rund 100 Kilometer vor Paris. Auf dem Friedhof am „Fort de Mailmaison“, wo die Reservisten zum Schluss gearbeitet haben, fanden im Zweiten Weltkrieg rund 11 000 Soldaten ihre letzte Ruhestätte.

„Es gibt dort in jedem Ort Soldatenfriedhöfe“, erzählt Jens Gerstenkorn. Ganze Dörfer seien dort im Ersten Weltkrieg vom Erdboden verschwunden. „Das geht schon an Nieren.“