Reichsbürger bedrängen Behördenmitarbeiter

Vest..  Die Bundesrepublik existiert gar nicht, sie ist eine „Firma“. Es gibt auch keine Behörden, ihre Mitarbeiter sind nur Personal der „Firma BRD“ und auf keinen Fall berechtigt, Gebühren, Steuern oder Knöllchen zu kassieren. Störend ist für die Erfinder dieses Unsinns allerdings, dass die ganz realen Finanz-, Ordnungs- und Strafverfolgungsbehörden nicht akzeptieren, was unter dem Sammelbegriff „Reichsbürger“ bekannte Grüppchen und Einzelpersonen so treiben.

Zum Beispiel bedrängen und beleidigen Vertreter diverser und miteinander auch um Geld und Mitglieder konkurrierender „Reiche“ Behördenmitarbeiter. Die Bundesrepublik-Leugner überziehen Beamte und Angestellte mit unsinnigen Anträgen, schneiden illegal Gespräche mit, veröffentlichen das Ganze mit Klarnamen der Betroffenen im Internet. Reichsbürger versuchen z. B. in Bürgerbüros der Städte, Verwaltungsvorgänge mit Wortklaubereien aus historisch und wissenschaftlich längst zigfach widerlegten Internet-Theorien zur Nicht-Existenz der Bundesrepublik zu lähmen. In den Versuchen, Verwirrung zu stiften, taucht immer wieder das Motiv auf, nicht genehme Bescheide oder Geldforderungen abzuwenden, Behörden entnervt zum „Aufgeben“ zu bringen.

Aktuell betroffen von Gesprächsmitschnitten sind in der Region zum Beispiel Sachbearbeiter und Vorgesetzte im Recklinghäuser Finanzamt. Ebenso Polizisten, Mitarbeiter des Kreisgesundheitsamtes, vor einiger Zeit auch ein Bürgermeister aus dem Kreisgebiet…

Das von einer aus der „BRD-GmbH“ ausgestiegenen Frau aus Castrop-Rauxel mitgeschnittene und auf der Videoplattform Youtube veröffentlichte Telefonat mit einer Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes illustriert, wie so etwas abläuft: Die Frau will nicht, dass die Behörde im Auftrag des Jobcenters einen Gutachter für die Untersuchung ihres Gesundheitszustandes und ihrer Arbeitskraft beauftragt. Denn: Das Gesundheitsamt gebe es ja gar nicht, es sei eine Firma. Auch der Kreis Recklinghausen sei eine Firma, die Bevölkerung werde getäuscht. Nach langem Lamento macht die „BRD-Aussteigerin“ klar, worum es ihr geht: „Ich stehe dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung.“

Um Geld ging es derselben Frau im Finanzamt RE. Mehrfach hat sie dort persönliche Gespräche mit Mitarbeitern mitgeschnitten und ebenfalls auf Youtube veröffentlicht („Bürgerkriegserklärung! Finanzamtsfirma Recklinghausen !!!“). Das Verlangen, das sie nach Begriffs-Haarspaltereien schließlich vortrug: Die Behörde sollte die Frau von der Steuerpflicht befreien. Die ausdrückliche Aufforderung, Mitschnitte der persönlichen Gespräche zu unterlassen, wurde ignoriert. „Ich hab kein Handy an, das blinkt immer blau…“

Die Behördenmitarbeiter tauchten prompt – teils mit Namen und Funktion – im Internet auf. Nach Strafanzeigen ermittelt die Recklinghäuser Polizei wegen des Verdachts des Verstoßes gegen den Paragrafen 201 – Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes. Diese Audio-Dateien sind mittlerweile auf Youtube nicht mehr abrufbar.

Im Internet lässt sich indes auch finden, dass Ablehnung der Bundesrepublik selbst für „Reichsbürger“ Grenzen hat: Transferleistungen der „Firma BRD“ im Bereich SGB II („Hartz IV“) stoßen ebenso auf Akzeptanz wie der Euro. Nicht nur das Abwenden von Forderungen gehört zum Repertoire verschiedener „Reiche“ und Möchtegern-Staaten wie „Germanitien“. Zu den Aktivitäten der „Regierungen“ gehört der Verkauf von Fantasiepapieren – natürlich gegen Euro: Feilgeboten werden „Reichsführerscheine“ oder „Personenausweise“, auch „Heimatscheine“ und „Reichskinderreisepässe“. Dumm nur, dass echte Polizisten und Behördenmitarbeiter den wertlosen Papierkram nicht akzeptieren. Und so werfen selbst ernannte „Reichsminister“ im Internet Verwaltungsmitarbeitern rechtswidriges Handeln bei Kontrollen oder Zwangsmaßnahmen vor und drohen mit drakonischen Strafen – nach Übernahme der Staatsgewalt.