Rats-Ballett tanzt das Nikolausurteil

Franziska Mense Moritz, Sandra Schmitz und Murat Kaya tanzen das Ratsballett für die Partnerstadt Gladbeck.
Franziska Mense Moritz, Sandra Schmitz und Murat Kaya tanzen das Ratsballett für die Partnerstadt Gladbeck.
Foto: Volker Hartmann
Gladbeck ist Partnerstadt des Geierabend. Am Sonntag, 25. Januar, sind 18 Ehrenamtler mit im Publikum.

Gladbeck..  Das aktuelle Programm des Ruhrpottkarnevals „Geierabend“ ist so scharf, dass die Gladbecker Ehrengäste, die an diesem Sonntag, 25. Januar, zum Ablachen in die Dortmunder Zeche Zollern reisen, nach „Luft schnappen werden“. Das verspricht der Steiger Martin Kaysh, der auf der Bühne aus seiner Grubenlore spitze Satirekerben in den Ruhrgebietstrott schlägt und seit langem Ehrenhauer von Auguste Victoria ist, der letzten noch aktiven Zeche im Kreis.

Wie kam es eigentlich zur Wahl von Gladbeck als diesjähriger Partnerstadt?

Martin Kaysh: Wie immer im Revier. Reine Vetternwirtschaft. Man kannte einen, der einen kannte. Der verriet uns, dass der Gladbecker Bürgermeister Ulrich Roland als Besucher mal beim Geierabend war.

Gladbeck ist ja den ganzen Ruhrpott-Karneval über an jedem Abend ein fester Bestandteil im aktuellen „Geierabend“-Programm. Wie ist das „Moskau-Moskau“-Melodie-Lied von Ralph Siegel – gesungen damals in den 70er Jahren von der Gruppe „Dschinghis Khan“ – beim Publikum in den vergangenen Sitzungen angekommen? Es soll ja inhaltlich recht derbe um Kohle und Liebe gehen?

Wie der Pott so ist, es geht da rustikal und ehrlich zu. Kommt übrigens super beim Publikum an. Die Nicht-Gladbecker erkennen sofort die sehr nahe Verwandtschaft.

Zum Gladbeck-Special gehört nicht nur das Lied, sondern auch eine Spielszene. Was geht denn da eigentlich ab?

Na ja, im Grunde sind Lied und Spiel ja eins. Wir holen das in der Öffentlichkeit leider kaum bekannte Gladbecker Rats-Ballett auf die Bühne. Wir zeigen ein Mysterienspiel oberammergauscher Güte, das in Gladbeck aus Dankbarkeit für das 75er-Nikolausurteil entstanden sein soll.

Moment, was hat denn um alles in der Welt das legendäre Bauhaus mit Gladbeck zu tun?

Gute Frage, versteht niemand, der es nicht gesehen hat. In der Tat, das Ratsballett erinnert an das triadische Ballett von Oskar Schlemmer. Sachlichkeit hat eine spröde Schönheit, die man hier im Ruhrgebiet kennt und liebt.

Spielt Gladbeck rein sprüchemäßig im Laufe des Abends eine weitere Rolle?

Ja. Wir gehen Gladbeck auch sprachlich auf den Grund. Da ist die Verwandtschaft zu Dortmund unübersehbar. Gladbeck ist der glänzende Bach. Dortmund, Throtmanni, das gurgelnde Gewässer. Throt, wie im Englischen: throat. Kennt man vielleicht von „Deep Throat“ – das war der Deckname des Watergate-Informanten.

Neue Spezialität: Currywurst mit Apfelringen und Rosinen

Werden die eingeladenen 18 Gladbecker Ehrenamtler und Bürgermeister Ulrich Roland auch ein Teil des Bühnenprogramms? Was erwartet sie dort eigentlich? Wie kann ich mich vorbereiten?

Wahrscheinlich checke ich mal, ob sie die wirklich schwierigen Fragen des Stadt-Quizzes beantworten können. Unseren Zuschauern rate ich immer, auf den Zetteln nachzuschauen, die schon in der Losbox liegen. Ansonsten soll ja die Appeltatenmajestät mit anreisen. Mit Apfelschnaps im Gepäck. Die muss sich dann präsentieren.

„Nach uns die Currywurst“ – Wo sieht der Geierabend den Gladbecker lukullisch?

Äpfel. Alles mit Äpfeln. Gibt es das nicht in der Stadt, das Gegenstück zum rheinischen Sauerbraten, die Currywurst mit Apfelringen und Rosinen? Warum nicht?

Was verbinden Sie als Steiger mit Gladbeck, wo die Kohle doch bereits seit Anfang der 70er Jahre schwer verschütt’ ist?

Also, erst mal die wohl immer noch glimmende Bergehalde. Dann meinen ersten Verkehrsunfall auf der B 224, als Führerscheinneuling. Weiter meinen zweiten Kabarettauftritt überhaupt, 1987 im Maxus, und dann: Einen wunderschönen Abend bei der IGBCE Brauck mit Györgi Angel, einem verdammt coolen Kollegen, den ich noch von Auguste Victoria kenne, der schönsten Zeche der Welt.

Im Gegenzug zum Ehrenamtlerbesuch kommt der Geierabend nach Gladbeck. Wo wird es sein und wohin fließt der Erlös dieser Benefizveranstaltung?

Das gebietet der Respekt: Bei dieser Frage legen wir unser Schicksal in die Hände der Partnerstadt. Wir kommen äußerst gerne und sind interessiert. Wo wir hilfreich sein können, weiß man in Gladbeck selbst am besten.

Ein großer Korb voll frischer Äpfel

Es ist schon ein Weilchen her, da stürmten die Geier die Stadt, hatten sich die lustigen Vögel doch Gladbeck als ihren ganz persönlichen Local Heroe 2015 herausgepickt. Die Geier widmen nun ihrer Partnerstadt im aktuellen Programm einen eigenen Song inklusive einer Performance. Zuvor statteten sie Bürgermeister Ulrich Roland einen Besuch ab – natürlich vollkostümiert –, um als Spende die 18 Ehrenkarten abzugeben, die an verschiedene ehrenamtlich tätige Organisationen weitergegeben wurden.

Bürgermeister Ulrich Roland ist Fan des Geierabend

Die Empfänger dürfen sich am Sonntag auf eine persönliche Begrüßung und einen Empfang mit Sekt und Currywurst freuen. Bürgermeister Ulrich Roland war schon beim Besuch der Geier ganz aus dem Häuschen: „Seit meinem ersten Besuch beim Geierabend bin ich Fan dieses Ruhrpottkarnevals. Bissig, treffend und nie um eine deutliche Ansage verlegen – so macht Karneval Spaß. Wir Gladbecker freuen uns, 2015 Partnerstadt der Geier zu sein.“

Preisausschreiben mit Eventgewinnen

Die Stadt Gladbeck nutzt die diesjährige Städtepartnerschaft, um eine klassische, traditionelle Spezialität bei jeder Vorstellung in den Vordergrund zu rücken. Neben einer Stellwand mit Fotos aus dem Stadtgebiet sowie jeder Menge Informationsmaterial über Gladbeck gibt es einen großen Apfelkorb für die Gäste. Der Korb mit dem gesunden Obst wird immer wieder frisch aufgefüllt. Wirtschaftsförderer und Stadtmarketingchef Peter Breßer-Barnebeck: „Das ist eine Reminiszenz an unser Appeltatenfest.“ Zudem gibt es für die Geierabendgäste ein Preisausschreiben mit Fragen zur Stadt. Als Preise sind Aufenthalte in Gladbeck ausgelobt, die Gewinner werden zu typischen Events eingeladen.