Rathaus-Café Schwarte in Gladbeck gibt es seit 110 Jahren

Sandra und Heiner Schwarte vor ihrem Betrieb in der Gladbecker Innenstadt.
Sandra und Heiner Schwarte vor ihrem Betrieb in der Gladbecker Innenstadt.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Bislang gab’s nur zwei Betreiberfamilien. Johann Feldhaus sorgte mit seinem kleinen Café ab 1904 für einen neuen Trend im aufstrebenden Gladbeck.

Gladbeck..  Das Rathaus-Café Schwarte, ältestes Café in der Stadt, steht für eine große Kaffeehaus-Tradition in Gladbeck: Auf 110 Jahre blickt das Café in diesem Jahr zurück, auch wenn es eigentlich sogar schon 111 Jahre sind, in denen sich die Gladbecker bei Kaffee und Torte die Zeit vertreiben. Denn die lange Geschichte des Cafés begann im Jahr 1904 – längst ist das Traditionshaus selbst ein Stück Stadtgeschichte.

Johann Feldhaus war es, der den damals ganz neu aufkommenden Kaffeehaus-Gedanken aufgriff und 1904 das Haus gegenüber dem heutigen Rathaus baute. Es war der Schick des aufstrebenden Gladbecks, dass er darin ein erstes kleines Café eröffnete. Stolze 35 Plätze bot es. Feldhaus führte das Café mit seiner Frau bis 1959. Ab dem Jahr 1960 leiteten Hugo Schwarte, einst Geselle bei Feldhaus, und seine Frau Maria als Pächter das Café.

1974, als sie Haus und Café erwarben, bauten sie den Betrieb auf 100 Plätze aus, 1980 durch einen Anbau sogar auf 150 Plätze plus Küche. 1991 stieg Sohn Heiner Schwarte in den Familienbetrieb mit ein, den er mit seiner Frau Sandra 1995 übernahm. Heiner Schwarte war es, der das Angebot des Kaffeehauses um den täglichen Mittagstisch, den Catering-Betrieb und die Außengastronomie mit etwa 80 Plätzen auf dem Rathausplatz erweiterte.

Vor dem Jubiläum wurde renoviert

Denn bei aller Tradition – so der 56-jährige Konditormeister – das Kaffehausgeschäft sei allein nur mit Kaffee und Kuchen kaum noch zu machen. Die Küche mit Mittagstisch und vor allem das Catering, das Außer-Haus-Geschäft, trügen inzwischen wesentlich zum Umsatz bei (30 %). Konditorei und Cafébetrieb machen zwar noch 60% Umsatz aus, seien aber sehr arbeits- und personalintensiv, um sich allein noch zukunftsträchtig zu entwickeln. Zehn Prozent zum Umsatz trägt der Versand von allerlei Leckereien bei, die die Backstube zu Weihnachten und Ostern in aufwändiger Kleinarbeit herstellt und weit übers Café und die Stadt hinaus vertreibt.

Im Alltagsgeschäft produziert die Backstube pro Woche 100 bis 120 Kuchen und Torten plus Blechkuchen und Feingebäck. Allein sonntags kreieren der Chef und sein Backstubenteam 40 Torten und Kuchen. „Der Sonntag ist der stärkste Tag im Café“, weiß Sandra Schwarte, die den Verkauf leitet. 300 bis 400 Gäste kommen dann. 17 Beschäftigte zählt der Betrieb in Voll- und Teilzeit, plus zwei Aushilfen.

Zum Jubiläum sorgte Schwarte für eine Auffrischung des Kaffeehauses – die Fassade wurde aufgehübscht, innen gab es eine Komplett-Renovierung mit neuen Böden und Wänden. Im Herbst wird außen noch die Sandsteinfassade saniert.

Schwarte hofft für die Zukunft auf eine Neu-Belebung des benachbarten Karstadt-Komplexes. „Seitdem der dicht ist, fehlt entschieden ein Teil der Laufkundschaft.“