Radlader als Mädchenschwarm
22.04.2010 | 18:40 Uhr 2010-04-22T18:40:00+0200
Gladbeck.Ylfete (15) schwingt die Maurerkelle, platziert einen Batzen Speis und setzt dann sorgfältig Stein neben Stein. Dann soll das Stück Mauer in die Höhe wachsen. „Das ist wie bei Legosteinen“, erklärt Ausbilder Michael Wegener, „immer die Fuge versetzen.“
Ylfete macht das gut, befindet der Profi. Dabei hat das Mädchen von der Erich-Kästner-Realschule so etwas noch nie zuvor in Angriff genommen. Sie hat aber die Chance genutzt, am Girls Day beim Berufsfortbildungswerk des DGB (bfw) auf dem Vöinghof an der Hornstraße in die Männerdomäne Mauern zu schnuppern. „Ich wollte das gern kennen lernen“, sagt sie. „Andere Sachen kannte ich schon.“ So ganz artfremd ist der Bau in ihrer Familie übrigens nicht: „Mein Onkel ist Architekt.“
Ylfete ist mit ihrer Wahl an diesem Tag allerdings allein am Vöinghof. 14 andere Mädchen aus Gladbeck, Gelsenkirchen, Essen und Bochum haben sich entschieden, sich bei den Dachdeckern und den Garten- und Landschaftsbauern nicht nur umzusehen, sondern auch Hand anzulegen. Der Star des Tages ganz eindeutig: Ein Radlader, den die 13- bis 15-jährigen Mädchen nicht nur angucken, sondern auch bedienen durften. Da schlossen sich die Mädchen aus dem Bereich der Dachdeckerei ganz spontan den Garten- und Landschaftsbauerinnen auf Probe an. So ein großes Gerät zu bedienen, die Schaufel zu heben und zu senken, macht offenbar nicht nur auf Jungs einen gewaltigen Eindruck. Manfred Seier, der als Ausbilder darauf achtete, dass auch alles klappt, hatte da leichtes Spiel.
Schieferhammer und Haubrücke
Für Laura (14), die mit zwei weiteren Schülerinnen des Mädchengymnasiums in Essen-Borbeck nach Gladbeck gekommen war, ist das nicht der erste Girls Day. „Dieses Mal wollte ich mal etwas ganz anderes machen; das wurde in Essen nicht angeboten“, erklärt sie , warum ihre Wahl auf Gladbeck gefallen ist. Beim Pflastern, gibt sie zu, habe am Anfang eigentlich gar nichts geklappt. „Aber wir hatten ja jemanden, der uns alles richtig erklärt hat.“
So wie die Mädchen beim Garten- und Landschaftsbau meist noch nie einen Spaten oder eine Harke in der Hand hatten, ging es auch den jungen Schülerinnen, die sich fürs Dachdecken interessierten. Aber wer - außer den Jungs vom Fach - weiß schon ‘was beispielsweise mit Schieferhammer, Haubrücke und Schieferbank anzufangen. Für die Mädels von der Fröbelschule, die sich an diesem Tag im Vöinghof in einem Männerberuf stark machten, ist das Bearbeiten von Schiefer jedenfalls kein Buch mit sieben Siegeln mehr. Sie waren mit Feuereifer am Werk, um aus Schieferplatten Herzen zu schlagen, die dann später alle 15 Mädchen zur Erinnerung mit nach Hause nehmen durften. „Die angebotenen Stellen waren ganz schnell restlos weg“, freut sich Silke Mäß vom bfw-Team. Grund genug darüber nachzudenken, „ob wir am Girls Day 2011 das Angebot nicht verdoppeln“.
„So hatten wir uns das nicht vorgestellt“
Jasmina (14) von der Fröbelschule ist sich ganz sicher: „Wir haben die besten Plätze bekommen.“ Sie, ihre Schulkameradin Yasmina (15) und Melanie (15) von der Ingeborg-Drewitz-Gesamtschule hatten am Girls Day das Glück, die Nase vorn zu haben. Denn noch viele andere Mädchen hatten sich dafür interessiert, einmal in den spannenden Alltag des städtischen Ordnungsdienstes hinein zu schnuppern.
„So hatten wir uns das nicht vorgestellt“, erzählen die drei noch ganz beeindruckt von den vielen neuen Einblicken, die ihnen Petra Sega und Ruby Esslinger-Lemke an vielen Stellen im Stadtgebiet ermöglichten. Die beiden Begleiterinnen von der Stadt haben die Schülerinnen offenbar ziemlich beeindruckt. „Sie haben uns so vieles erzählt und erklärt. Wir haben viel gelernt, was wir vorher nicht wussten“, sprudelt das muntere Trio nach gut vier Stunden nur so heraus. Vier Stunden in denen sie u.a. einen Hundehalter besucht und darauf aufmerksam gemacht haben, dass er den Vierbeiner auch wegen seiner Größe melden muss. Dass man auch auf einem Trödelmarkt Papiere braucht, haben die Schülerinnen erfahren, dass die städtischen Ordnungskräfte die Anleinpflicht für Hunde kontrollieren und auch auf die Beseitigung von menschlichen und tierischen Hinterlassenschaften achten, dass sie Jugendschutzkontrollen durchführen, den ruhenden Verkehr überwachen, die Sicherheit auf Gehwegen und und und.
Nicht zuletzt fanden Yasmina, Melanie und Jasmina auch das Treiben auf dem Wochenmarkt äußerst interessant. „Wir waren überrascht, dass sie schon 15 Jahre da arbeitet“, meinten sie etwa, als sie eine türkische Frau an einem Gemüsestand befragten.
12:12
In Österreich gibt es bereits einen Boys Day.
Der wurde jetzt zum dritten Mal begangen, zusammen mit dem Girls Day
09:20
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12:58
#2
kuckichnich
08:22
ach Johannes
ist doch in Planung
muss mal Fernseh kucken oder so
00:54
Ein Girls Day ist toll, um Mädchen an traditionelle Männerberufe heranzuführen.
Wie wäre es denn mal mit einem Boys Day?
Die Jungs könnten es gebrauchen und haben es auch nötig, traditionelle Frauenberufe kennenzulernen, z.B. in Kindergärten und Pflegeheimen.