Protest gegen Mindestbesetzung im Krankenhaus in Gladbeck

Mitarbeitervertreter Bernd Stasik informierte die Kolleginnen une Kollegen vor St. Barbara über die Forderungen gegenüber der Politik.
Mitarbeitervertreter Bernd Stasik informierte die Kolleginnen une Kollegen vor St. Barbara über die Forderungen gegenüber der Politik.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Mitarbeiter des St. Barbara Hospitals protestierten gegen den Personalnotstand. Der sorgt immer wieder auch für Ärger mit wartenden Patienten.

Gladbeck.. „Mehr von Uns besser für Alle“, steht auf Transparenten, die examinierte Pflegekräfte des St. Barbara Hospitals am Haupteingang der Klinik in die Höhe halten.

„Der Personalmangel und die Arbeitsbelastungen sind auf den Stationen deutlich zu spüren“, erklärt dazu Bernd Stasik, Vorsitzender der Mitarbeitervertretung (MAV) der Katholischen Kliniken Emscher Lippe (KKEL). „Über alle Standorte im Klinikverbund fehlen 223 Stellen, allein für Gladbeck rund 100“, so Stasik, „aber nicht nur Pflegepersonal, sondern auch Mitarbeiter für die Funktionsbereiche“.

Gesundheitsminister tagen

Vor St. Josef in Horst reihten sich auch KKEL-Geschäftsführer Berthold Grunenberg und das Direktorium in die Protestkundgebung ein. Denn Verwaltungsspitze und Personal ziehen im Kampf um bessere Arbeitsbedingungen hier an einem Strang. Bundesweit sollte mit zeitgleichen Aktionen Druck auf die Gesundheitsminister der Länder ausgeübt werden, die im pfälzischen Bad Dürkheim tagten, um unter anderem die Fachkräftesicherung an Krankenhäusern zu diskutieren.

„Keine 70 Prozent der Pflegekosten der Krankenhäuser werden durch die Krankenkassen refinanziert“, erklärt MAV-Mann Stasik. Durch den Kostendruck sei auch das Pflegepersonal in den letzten Jahren innerhalb der Krankenhäuser reduziert worden. „Oftmals arbeiten wir mit einer Mindestbesetzung, die durch Urlaub oder Krankheit weiter ausgedünnt wird.“ Das führe immer wieder zu Situationen, „dass zum Beispiel für eine 40-Betten-Station nur zwei bis drei Pflegekräfte zur Verfügung stehen, obwohl eigentlich die doppelte Besetzung sinnvoll und notwendig wäre.“ Selbst die Arbeit im Laufschritt zu erledigen, reiche oft nicht aus, berichtet eine Krankenschwester, „ich bräuchte noch ein, zwei Hände mehr, um alles erledigen zu können“.

Auch psychischer Druck

Nicht nur der körperliche, auch der psychische Druck belaste die Kolleginnen und Kollegen. „Wenn auf der Station zeitgleich fünf Patienten um Hilfe schellen - und die Pflegekraft dann endlich beim letzten Patienten angelangt ist und dessen Wut zu spüren bekommt, warum es so lange gedauert habe“, schildert Stasik. Ein Druck, der auch nach Feierabend oft nicht von den Pflegekräften abfalle, „wenn sie mit einem unguten Gefühl nach Hause gehen, und sich fragen müssen, hast du heute alles richtig machen können?“

Einen klaren Auftrag gaben die rund 300 Protestler in Gladbeck der Politik somit auf den Weg. Bei der Vorbereitung der Krankenhausreform die Personalnot nicht zu ignorieren und die Grundlagen zu schaffen, damit die krankende Personalsituation wieder auf gesunde Füße gestellt werden kann.