Gladbeck

Propst Müller kritisiert scharf die Bewegung Pegida

Propst André Müller kritisierte an Weihnachten scharf die Bewegung Pegida.
Propst André Müller kritisierte an Weihnachten scharf die Bewegung Pegida.
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Was wir bereits wissen
Propst André Müller hat im Weihnachtsgottesdienst harte Kritik an der Bewegung Pegida geäußert. Auch Bischof Franz Josef Overbeck kritisierte Pegida.

Gladbeck.  . Deutlich Position bezog Propst André Müller zu einem aktuellen politischen Thema in seiner Predigt zu Weihnachten: Ohne die ausländerkritische Bewegung „Pegida“ namentlich zu erwähnen, kritisierte er das Ansinnen der Demonstranten, Flüchtlingen den Zugang nach Deutschland zu verwehren, als unvereinbar mit der Weihnachtsbotschaft.

Es sei unerträglich, sagte der Propst, dass diese Forderungen mit den Singen von christlichen Weihnachtsliedern verbunden würde. „Das hat nichts mit dem zu tun, was die Weihnachtsbotschaft uns sagt“, betonte der Propst, dessen Predigt am 2. Weihnachtstag in der St.-Lamberti-Kirche vom Applaus der Gottesdienstbesucher unterbrochen wurde. Kein Flüchtling auf dem Mittelmeer dürfe, so Müller weiter, von aufgeklärten und demokratischen Europäern zurückgestoßen werden.

Auch Ruhrbischof Dr. Franz Josef Overbeck hat am Heiligen Abend in der Christmette im Essener Dom aufgerufen, Gastfreundschaft zu zeigen und Menschen aufzunehmen, die in ihrer Not Zuflucht in unserem Land suchen. „Im vergleichsweise reichen Deutschland ist das Boot noch lange nicht voll, das sagen wir gerade als Kirche von Essen“, betonte Overbeck. Es sei beschämend, so der Bischof, wie jene vorgingen, die glaubten, die europäische Kultur vor einer Islamisierung oder Überfremdung schützen zu müssen, und für jene, die keine Gastfreundschaft üben wollten. Auch gelte das für so manche „kurzatmige Politik“, die weder ein umfassendes Konzept noch eine Strategie habe. Gastfreundschaft und Solidarität seien gefragt, so Overbeck.

Für Overbeck ist es eine „absurde“ Behauptung, dass Justiz, Kultur und Politik hierzulande kurz vor einer Islamisierung stünden. „Wir stehen in einer offenen Welt und müssen in ihr die Errungenschaften unserer politischen und sozialen Kultur mit Leben füllen, nicht nach hinten verteidigend, sondern nach vorne durch ein klares Wertekonzept stützend“, unterstrich der Ruhrbischof. Rituale der Angst und Hetze seien nutzlos und der falsche Weg. Hier sei Vernunft gefragt, „die – und das ist die Botschaft von uns Christen an Weihnachten – zutiefst vom Glauben getragen wird, damit der Zusammenhalt unserer Gesellschaft von der Würde des Menschen her bestimmt wird, die tief in Gott gründet und die niemandem genommen werden kann, gleich welcher Herkunft und welchen Glaubens er ist“, so Overbeck.

Darum seien Gastfreundschaft, Solidarität und das Leben in einer offenen Gesellschaft „das Gebot der Stunde“. Der christliche Glaube sei solidarisch mit allen Menschen, kenne keine Angst vor dem Fremden, „weil Gott selbst in jedem Menschen, ob nah oder fern, auf uns zukommt“, betonte der Bischof. Heimat sei eine globale Größe geworden. „Der Pass eines jeden Menschen beschreibt nicht die Grenze unserer Gastfreundschaft“, sagte Overbeck mit Nachdruck.