Pflegende Angehörige finden im Gesprächskreis Unterstützung

Wer sich um einen nahestehenden demenzkranken Menschen kümmert, fühlt sich oft hilflos.
Wer sich um einen nahestehenden demenzkranken Menschen kümmert, fühlt sich oft hilflos.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Einen demenzkranken Menschen zu pflegen oder zu betreuen bringt Menschen oft an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Die Caritas bietet Unterstützung an.

Gladbeck..  Monika Storchmann (68) kümmert sich aufopferungsvoll um ihre 95-jährige Schwiegermutter. Die Seniorin, die schon immer mit Sohn und Schwiegertochter unter einem Dach wohnt, leidet seit 15 Jahren an Demenz, und mit dem schleichenden Verlust der geistigen Fähigkeiten geht eine Wesensveränderung einher. „Sie ist nicht mehr lieb.“ Was sich für Außenstehende harmlos anhören mag, bedeutet für Monika Storchmann eine kaum noch zu ertragende psychische Belastung.

Bei Stefanie Olschewski ist ein Elternteil von beginnender Demenz betroffen. „Noch nicht extrem, aber ich spüre die Veränderung“, sagt die 41-Jährige. Sie fühlt sich im Umgang mit dem Angehörigen und der Krankheit rat- und hilflos.

Doris und Harald Unterbäumer haben die Verantwortung für eine alte Freundin übernommen. Sie sind täglich bei der 87-Jährigen, die seit kurzem allein lebt. Ihre Verbundenheit zu der demenziell erkrankten Frau ist so groß, dass die Eheleute jetzt ihre Wohnung aufgeben, um in das Haus der Freundin zu ziehen.

„Hier weiß jeder, wovon ich rede“

„Einen demenziell erkrankten nahestehenden Menschen zu pflegen oder zu betreuen, kostet viel Kraft“, weiß Gabriele Holtkamp-Buchholz. Die Diplom-Sozialpädagogin ist beim Caritasverband Gladbeck zuständig für Senioren- und Pflegedienste. An ihrem Schreibtisch sitzen täglich Menschen, die mit dieser Aufgabe vor allem psychisch an ihre Grenzen stoßen und die häufig nicht wissen, wo sie Entlastung und Hilfe finden können.

Der Caritasverband bietet seit vier Jahren, finanziell unterstützt von der Barmer GEK, im Johannes-van-Acken-Haus in der Stadtmitte kostenlose Gesprächskreise für diese Menschen an. Jetzt kommt ein weiterer im St. Altfrid-Haus in Brauck hinzu, ebenfalls geleitet von der Dipl.-Sozialpädagogin Marie Schulte im Walde. Die Kranken können während der Zeit betreut werden.

Monika Storchmann, Stefanie Olschewski und das Ehepaar Unterbäumer nehmen das Angebot schon einige Zeit in Anspruch und empfinden den Austausch als große Hilfe. „In der eigenen Familie spürt niemand, wie einem zumute ist“, sagt Monika Storchmann. „Hier weiß jeder, wovon ich rede. Das tut so gut.“ Was genauso wichtig ist: Die Teilnehmer, die auch bei der Lösung praktischer Fragen oft hilflos sind, erhalten jede Menge Informationen über Hilfsangebote und Finanzierungsmöglichkeiten. Für Monika Storchmann bedeutete das: „Ich konnte sogar zur Kur fahren!“

Ihre Schwiegermutter brachte sie während dieser Zeit in der Kurzzeitpflege unter. Gestärkt durch die Gruppe hat sich die 68-Jährige jetzt entschlossen, die Seniorin dauerhaft in der Pflegeeinrichtung zu lassen. „Mit einem schlechten Gewissen“, gibt sie zu. Aber sie weiß: Im Gesprächskreis werden ihr die Anderen helfen, auch das zu überwinden.