Pflege-TÜV sorgt für Klagen
27.03.2010 | 09:15 Uhr 2010-03-27T09:15:00+0100
Gladbeck.Der Pflege-TÜV ist zurzeit in Gladbecker Alten- und Pflegeheimen unterwegs.Aktuell wurde das van-Acken-Haus überprüft. Das Prüfverfahren allerdings sorgt für Kritik. .
Morgens um kurz nach acht Uhr stehen die Prüfer vor der Tür und nehmen alles akribisch unter die Lupe. 80 Einzelfragen werden gestellt: Nach Pflege und medizinischer Versorgung, sozialer Betreuung, Umgang mit Demenzkranken und danach, wie wohl sich die Bewohner fühlen. Wochen später gibt es ein Zeugnis mit Zensuren von eins bis fünf. Das Gesamtergebnis muss im Heim ausgehängt werden und wird ins Internet gestellt. Das soll Interessenten bei der Suche nach einem passenden Heim Orientierung geben.
Im Vinzenzheim (Diakonisches Werk) waren die Prüfer des MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) schon, aber den Bericht gibt es noch nicht. Das Johannes-van-Acken-Haus (Caritas) hatte ebenfalls Besuch von den Prüfern, deren Erkenntnisse liegen jetzt als sogenannter „Transparenzbericht“ vor. Und werden von Heimleiter Roberto Giavarra und dem Pflegeteam mit sehr gemischten Gefühlen, um nicht zu sagen großer Betroffenheit, aufgenommen. Denn die Gesamtnote lautet: „3,3 = Befriedigend“, was den engagierten Heimleiter natürlich nicht zufrieden stellt. Zwar gab es im Bereich Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene ein „sehr gut“, an anderer Stelle bei Pflege, Umgang mit Demenzkranken oder Sozialer Betreuung wurden aber Schwachstellen aufgezeigt. Roberto Giavarra will nichts schönreden - „es gibt sicher einiges zu verbessern“ - aber will auch die Gründe nennen, die zu solchen Bewertungen führen. Der MDK prüft nur, was im PC dokumentiert wurde. Was nicht da steht, kriegt ein „mangelhaft“.
„Die lückenlose Dokumentation ist vorgeschrieben“, weiß Giavarra natürlich, aber wie lückenlos die sein soll, das war weder ihm noch seinem Team bewusst. Jeder, buchstäblich jeder Handgriff muss nachgewiesen also dokumentiert werden. Ein Beispiel: Bei der Frage zur systematischen Schmerzeinschätzung schrieb das van-Acken-Haus zwar alle Patienten auf, die Schmerzmittel bekommen. Der MDK will aber auf einem Formblatt ausnahmslos jeden Bewohner erfasst haben, auch wenn er keine Schmerzen hat und keine Schmerzmittel bekommt.
„Fast alle Bewertungen, die nicht gut ausgefallen sind, lassen sich auf eine nicht ordnungsgemäße Dokumentation zurückführen“, hat Giavarra nun gelernt und bereits seine Hausaufgaben gemacht. Alle Mitarbeiter wurden informiert, die Dokumentation überarbeitet und beim MDK ein Antrag auf Wiederholungsprüfung gestellt. Denn warten, bis die Prüfer das nächste Mal kommen, will man nicht.
Eine Klage kommt auch nicht in Frage. Andere Heime tun das allerdings. Allein in Essen klagen derzeit sieben Heime gegen eine Veröffentlichung ihrer Bewertung, NRW -weit sind es über 100. Kritisiert wird, dass für den MDK nicht die Versorgung der Bewohner entscheidend ist, sondern allein die Aktenlage.
Fragwürdig findet auch Diakonie-Pfarrer Johannes Schildmann das System. Wie Roberto Giavarra begrüßt zwar auch er eine transparente Darstellung der Qualität von Pflege- und Betreuungseinrichtungen, „aber die Durchführung ist qualitativ fragwürdig.“Es könne nicht richtig sein, die Dokumentation höher zu bewerten als die tatsächliche Handlung. Dieses System wird sich so nicht durchsetzen, ist Schildmann überzeugt.
08:31
#2
Wer in Deutschland lebt, muss sich auch an die Vorschriften halten. Wenn ein LKW Fahrer seine Fahrtenscheine (Bücher) nicht ausfüllt muss er sogar Strafe zahlen. Wenn ein Kaufmann seine Bücher nicht sauber hat, auch.
Ich glaube wenn jemand ein Altenheim leiten will, sollte er auch eine Ausbildung haben.
22:41
Zwar gab es im Bereich Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene ein „sehr gut“, an anderer Stelle bei Pflege, Umgang mit Demenzkranken oder Sozialer Betreuung wurden aber Schwachstellen aufgezeigt. Roberto Giavarra will nichts schönreden - „es gibt sicher einiges zu verbessern“ - aber will auch die Gründe nennen, die zu solchen Bewertungen führen. Der MDK prüft nur, was im PC dokumentiert wurde. Was nicht da steht, kriegt ein „mangelhaft“.
„Die lückenlose Dokumentation ist vorgeschrieben“, weiß Giavarra natürlich, aber wie lückenlos die sein soll, das war weder ihm noch seinem Team bewusst.
Heimleiter Roberto Giavarra wußte also gar nicht, was alles dazu gehört zu einer lückenlosen Dokumentation der Patientenunterlagen.
Das zeigt aber auch auf das es mit der Kenntnis bei der Heimleitung im Johannes-van-Acken-Haus nicht zum Besten steht. Oder warum hat die Heimleitung es versäumt sich rechtzeitig beim Pfleg-TÜV des MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) über die Modalitäten zur korrekten Ausführung der Dokumentation zu erkundigen.
Übrigens Herr Diakonie-Pfarrer Johannes Schildmann, die lückenlose Dokumentation soll ja gerade Schwachstellen im System der Pflege aufzeigen.
Schildmann: Es könne nicht richtig sein, die Dokumentation höher zu bewerten als die tatsächliche Handlung.
Herr Schildmann, alles was im Report schriftlich dokumentiert ist sollte auch ausgeführt worden sein und selbst später noch nachprüfbar sein. Aber das wollen Sie sicher nicht verstehen.
10:08
wie lautet der alte Spruch :
wer sich verteidigt klagt sich an ;