Pflege ist Familiensache
28.02.2008 | 17:59 Uhr 2008-02-28T17:59:59+0100In der Türkei kennt man keine Seniorenheime. Und auch die Migranten in Gladbeck betreuen ihre Angehörigen zu Hause. Die Seniorenberatung berät in der Moschee über mögliche Hilfen
Herbert, Maria, Luise, Heinz . . . Die Warteliste in deutschen Pflegeheimen kann mitunter lang sein. Doch die Namen der Wartenden klingen meist sehr vertraut - es scheint, als ob nur deutsche Senioren pflegebedürftig sind. Dabei sieht die Situation ganz anders aus: Allein in Gladbeck leben mehr als Tausend türkisch-stämmige Menschen über 60 Jahre. Nicht wenige von ihnen sind pflegebedürfig. Wie kommt es, dass sie kaum in Erscheinung treten?
"In der Türkei gibt es keine Altenheime, die Mentalität ist dort ganz anders als hier in Deutschland", erklärt der Buchhalter des Türkisch-Islamischen Kulturvereins, Muharrem Ciftci und weiter: "Die meisten Türken pflegen ihre Angehörigen selbst. Alte, gebrechliche Menschen kommen nicht ins Heim, sie erhalten die Fürsorge von ihren Familien." Da ist es ganz egal, ob sie in der Türkei oder hier alt werden. Pflegebedürftige Türken werden hauptsächlich zu Hause versorgt.
Diese Situation hat auch die Seniorenberatung der Stadt erkannt. Die erste Generation der Migranten ist mittlerweile im Rentenalter und die Zahl derer, die Pflege benötigen, wächst. Daher will die Beratungsstelle neue Wege gehen und im März zunächst zwei Informationsveranstaltungen zur Pflegeversicherung sowie über die Pflege zu Hause in der Moschee an der Wielandstraße anbieten.
"Wir sind froh, dass die Seniorenberatung der Stadt auf uns zugekommen ist und haben der Zusammenarbeit sofort zugestimmt", betont Satilimis Karalioglu, Sekretär des Kulturvereins, "denn das Thema ist hoch aktuell und die Türken in Gladbeck freuen sich über jede Unterstützung." Cemile Tosun, eine türkisch-stämmige Mitarbeiterin der Seniorenberatung erläutert das Problem vieler türkischer pflegender Angehörige: "Die meisten kennen die Pflegeversicherung nicht und wissen auch nicht, dass sie finanzielle Hilfen erhalten können." Pflegegesetz, Pflegeversicherung, Pflegegeld, alles Begriffe, die in der Moschee bei der Beratung in türkischer Sprache erläutert werden sollen. Darüberhinaus werden auch alle anfallenden Fragen der Teilnehmer beantwortet und der Service der Seniorenberatung vorgestellt. Ein weiteres Anliegen der Zusammenarbeit ist die Verbesserung und Erleichterung der häuslichen Pflege. In Folgeberatungen und Kursen sollen Praktiken vermittelt werden, die Angehörige zur Vereinfachung ihrer Pflegetätigkeit erlernen können. Denn, so Tosun, "manchmal sind es oft Kleinigkeiten, die den Alltag mit Pflegebedürftigen erleichtern".
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