Orte, die Menschen bewegen
14.08.2009 | 17:28 Uhr 2009-08-14T17:28:00+0200
Gladbeck soll mit Bewegungsräumen für Generationen ein Vorzeigemodell für Stadtentwicklungsplanung werden. Von einer Expertenanhöhrung am 20. August erhoffen sich Stadtsportverband, Seniorenbeirat und die Kommune praktische Anregungen und wissenschaftliche Erkenntnisse.
An manchen Spaziergang mit ihrer Großmutter erinnert sich Ursula Ansorge nur ungern. „Wir gingen auf dem Friedhof spazieren. Das habe ich gehasst”, sagt die Vorsitzende des Sportausschusses und stellvertretende Bürgermeisterin. Bald soll die „moderne Großmutter mit ihrem Enkelkind in einem Bewegungsraum für Generationen laufen.” Gladbeck soll sich zur Vorzeigestadt entwickeln, die für Jung und Alt Orte schafft – zum Aktivsein, zum Ausruhen, zum Wohlfühlen.
Wenn am 20. August mit dem Bewegungsraum für Generationen am Kotten Nie der dritter seiner Art offiziell eröffnet wird und zuvor ausgewiesene Experten zum Thema referiert haben, könnte das für die Stadtentwicklungsplanung und das Sportangebot ein Markstein werden. Unsere Gesellschaft altert, in Gladbeck werden laut Schätzung des Seniorenbeirats in fünf Jahren 30 Prozent der Bürger älter als 60 sein. Von ihnen nutzen allerdings nur 17 Prozent die sportlichen Angebote der Vereine. Ziel des Stadtsportverbandes (SSV) und des Sports für betagte Bürger ist es seit mehr als 30 Jahren, möglichst viele Senioren zu aktiven Älteren zu machen. Bewegung und Gesundheitssport sind die beste Form der Prävention, sie verbessern die Lebensqualität und halten Menschen mobil. Was 1978 als soziale Offensive im Gladbecker Sport begann, setzen SSV, der Sport für betagte Bürger, Seniorenbeirat und Stadt im neuen Jahrtausend mit dem Modellprojekt „Zukunft gestalten – aktiv und gesund älter werden in Gladbeck” fort.
Insbesondere ältere Menschen benötigen Räume und Plätze – für feste und verlässliche Kurszeiten, aber auch für eigene Aktivitäten außerhalb betreuter Angebote. Sportplätze und Turnhallen werden diesen Ansprüchen nicht mehr gerecht. „Was für ältere Menschen gut ist, kann zudem für junge nicht schlecht sein”, erklärt Hartmut Knappmann, Vorsitzender des SSV. Nicht umsonst spricht Ursula Ansorge von der modernen Großmutter und den Enkelkindern.
Die Anforderungen an generationsübergreifende Bewegungsräume sind vielfältig. Sie sollten ruhig, naturnah und barrierefrei im eigenen Wohnumfeld erreichbar sein und das Gefühl von Sicherheit vermitteln. Sie sollten kleine Anhöhen haben, glatte und raue Steine, um das Laufen an Steigungen und auf unterschiedlichem Untergrund zu trainieren. Sie benötigen Gelegenheiten, um sich festzuhalten und sich hinzusetzen (für Pausen oder Sitzgymnastik), und Schutzhütten vor schlechtem Wetter. Räume können aber auch als Anbauten an Turnhallen oder Seniorenheime entstehen. „Überall, wo gestaltet wird”, erklärt Ursula Ansorge. Deshalb sieht das Konzept des Projektbeirates vor, dass die Anwohner mitreden sollen, wenn Stadtteile entwickelt und Bewegungsräume geplant werden. So geschieht es ohnehin schon in Brauck und Rentfort-Nord mit Hilfe der Bürgerbüros.
Von der Experten-Anhörung am 20. August erhofft sich der Projektbeirat weitere wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Anregungen. Nicht zuletzt aber finanzielle Mittel. Für den Kotten Nie hat zum Beispiel der Energieanbieter ELE zwei moderne Ganzkörpertrainer im Wert von 10 000 € gespendet. Aber allein auf 100 000 € schätzt Hartmut Knappmann die Kosten, wenn ein Bewegungsraum von 80 Quadratmetern an ein bestehendes Gebäude angebaut wird. „Wenn NRW schon ein Projekt anstößt, muss das Land auch entsprechende Mittel im Haushalt einplanen”, fordert Ursula Ansorge.
Die Expertenanhörung am Donnerstag, 20. August, im Ratssaal befasst sich mit Bewegungsräumen im Außenbereich. „Neue Marketingidee oder Notwendigkeit”, lautet die Frage, die in der Versuchsstadt Gladbeck geklärt werden soll. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Ulrich Roland, den Landessportbund NRW und das Innenministerium präsentiert Hartmut Knappmann den bisherigen Erkenntnisstand des Modellprojekts. Als Experten referieren: Prof. Edgar Beckers von der Ruhr-Uni Bochum (sportpädagogische Aspekte), Prof. Horst Hübner von der Uni Wuppertal (soziologische Aspekte) und Stadtbaurat Carsten Tum (Auswirkungen auf Stadtentwicklung). Für 13 Uhr ist eine offene Diskussion geplant, um 14.30 Uhr soll der neue Bewegungsraum am Kotten Nie eröffnet werden.
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