Olympia soll Wanderzirkus werden

Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Erstmals fand im Rahmen der Ruhr Games ein Jugendcampus statt. Rund 350 Jugendliche aus 14 Ländern diskutierten in Workshops Themen zu Sport und Europa.

Gladbeck..  Skotty, der radelnde Eismann aus Bottrop, hat das große Los gezogen. In der einen Hand seine silberne Trompete und in der anderen mit buntem Eis prall gefüllte Hörnchen, ist der Mann hier vor der Maschinenhalle Zweckel eine viel beachtete Attraktion. Zig Hände strecken sich entgegen, um die leckeren Kugeln zu erwischen. Die Hände gehören Jugendlichen aus 14 Ländern Europas. Sie sind hier, um gemeinsam den Jugendcampus zu erleben, ach was, zu feiern.

„Die Stimmung ist prächtig“, sagt Chantal Jakstadt und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Sie ist Vertreterin der Sportjugend des Landessportbunds NRW, der Partnerorganisation des Jugendcampus, der zusammen mit dem Regionalverband Ruhr hier in Zweckel erstmals auf die Beine gestellt wird. Ringsherum, vor der Halle und natürlich drinnen – da ist’s gute 20 Grad weniger heiß – sind Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 18 Jahren, die vergnügt miteinander sprechen, Sport treiben und chillen.

Die ersten Workshops liegen bereits hinter ihnen, nun geht’s ans leckere Büffet. Wraps, Baguettes und vor allem Currywurst sind gefragt. „Das ist nicht meine erste Portion“, feinschmeckert der Däne Gustav Christensen (17). Mit der kleinen Gabel zeigt er ins Rund und murmelt zwischen zwei Schleckerstücken: „Toll, dass sich hier so viele Jugendliche aus so vielen Ländern treffen.“ Dancing und Basketball sind seine Workshop-Themen. Gelernt hat er schon ein paar „neue Tanzschritte. Die kann ich gut in meiner dänischen Disco nutzen“.

Die Iren reichen Cheddar-Käse und fühlen sich pudelwohl

Rund 350 Jugendliche sind dabei, die weiteste Anreise hat Yael Keren (14). Sie kommt aus Israel, teilt sich zusammen mit den Finnen einen Länderstand. „Das klappt wunderbar. Wir haben hier viele neue Freunde getroffen.“ Ein paar Meter weiter zeigen die Iren ihre Gastfreundschaft. Katie Ahern ist das erste Mal in Deutschland. Die 16-Jährige fühlt sich pudelwohl und reicht Cheddar-Käse, süßes Brot mit Rosinen und Schokolade. „Es ist prima, dass man hier so viel über die verschiedenen Sportarten lernt.“ Für die nächsten Ruhr Games hebt sie schon jetzt ihren Daumen.

Interessantes hat auch Dusan Ondirko (18) aus der Slowakei gelernt. Er hockt mit seinen Kumpeln, die allesamt Musiker in einer traditionellen Folkband sind, auf Sitzkissen unter Schatten spendenden Bäumen. Bei der Europa-Party am Abend werden sie ihren Auftritt haben. Jetzt geht es ums Thema Werte im Leben. „Hmm“, meint der Viola spielende Slowake, „es gibt da große Unterschiede in Europa, besonders beim Begriff Ehre.“ Wieso? „Nun, bei uns ist das schon traditioneller. Ehre wird eher groß geschrieben und es wird viel Wert darauf gelegt“.

Am Begriff „Ehre“ scheiden sich die europäischen Geister

Spannend sind durchaus die Ergebnisse. In seinem Workshop-Zelt sortiert Moderator Marc Zander vom Landessportbund seine Zettel. „Bau deine eigenen Olympischen Spiele“ ist sein Thema. Die Antworten der Jugendlichen sind überraschend. „Es geht ihnen gar nicht ums Gewinnen, sondern viel mehr um den Spaß an der Sache.“ Und um die Nachhaltigkeit. Die Idee: Hallen sollen für verschiedene Sportarten genutzt werden, um Ressourcen zu sparen. Und warum nicht mobile Austragungsstätten schaffen, die dann nur für die Spiele errichtet und wieder abgebaut werden? Zander: „Eine Art Wanderzirkus, das wäre doch was.“