Niemand muss draußen schlafen
03.02.2012 | 18:35 Uhr 2012-02-03T18:35:00+0100
Gladbeck. Nur zwei Personen sind tatsächlich ohne Wohnung. Entspannter Wohnungsmarkt entschärft die Situation.
In dieser klirrenden Kälte wünscht man niemandem, eine Nacht auf der Straße zubringen zu müssen. In Gladbeck muss das auch kein Mensch. Es gibt zwar rund 200 Gladbecker ohne Wohnung, tatsächlich „obdachlos sind aber nur zwei“. Das ist die erstaunliche Auskunft, die Frank Bücher von der Beratungsstelle für Wohnungslose des Caritasverbands auf WAZ-Nachfrage gibt. Die Erklärung: 198 Gladbecker haben zwar keine Wohnung, sie leben aber nicht draußen, sondern bei Freunden, Verwandten oder Lebensgefährten. Als Meldeadresse dient ihnen die Caritas-Beratungsstelle, die sich im Auftrag der Stadt um Wohnungslose kümmert.
Auch die zwei wirklich Oblachlosen haben eine Wahl und eine Alternative zur Nacht im Freien: Sie können an der Boystraße 14 unterkommen, wo die Stadt in den Asylbewerberunterkünften zwei Räume für solche Notfälle bereit hält. Ob sie da auch hingehen? „Ich denke schon“, meint Frank Bücher.
Dass die Wohnungslosensituation in Gladbeck so entspannt ist, hat noch andere Gründe: Auch der Wohnungsmarkt ist sehr entspannt. Es gibt wegen des demografischen Wandels viele leerstehende und auch preisgünstige Wohnungen in der Stadt. Bücher: „So lange die Leute sich an die Regeln halten, können sie diese auch mieten.“ Die Miete zahlt entweder das Sozialamt oder in den meisten Fällen das Jobcenter, also auch der Staat. Dafür braucht es nur eine Meldeadresse.
Noch ein Grund für die entspannte Situation: Seit der Einführung von Hartz IV gibt es den durchreisenden „Tippelbruder“ nicht mehr, da er ohne Meldeadresse keinerlei Unterstützung mehr bekommt. Und für durchreisende Bettler lohnt sich das kleine Gladbeck nicht.
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Solches Bild hätte ich aber 2009 zeigen können in Zweckel