Niedrigzinspolitik hat Folgen für Stadt und Bürger

Die Kundenhalle der Sparkasse Gladbeck.
Die Kundenhalle der Sparkasse Gladbeck.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Auch für die Stadtsparkasse bedeuten sinkende Einnahmen aus Anlagen langfristig Einbußen. Was wiederum weitere Auswirkungen hat.

Gladbeck..  Geld zu leihen ist nach wie vor so günstig wie nie. Und über die weiterhin sensationell niedrigen Zinsen für Kredite freuen sich Häuslebauer und -käufer ebenso wie die hoch verschuldete Stadt Gladbeck. Für Sparer, Geldanleger und fürs Bankgeschäft ist die Niedrigzins-Situation allerdings eher schlecht. Die einen kriegen wenig bis nichts für ihr Geld, die anderen verdienen weniger damit. Das hat langfristig Folgen für alle, erklären Ludger Kreyerhoff und Walter Piétzka vom Sparkassenvorstand im WAZ-Gespräch.

Zwar legen die Kunden auch weiterhin Geld an — allerdings wegen der niedrigen Zinserträge vorrangig und zu über 50 Prozent nur noch kurzfristig als Tagesgeld (ab 0,1 Prozent Zinsen per Anno). Das bedeutet für die Bank, dass sie mit diesem Geld ihrer Kunden nicht wie gewohnt arbeiten kann. „Wir werden in diesem Geschäftsbereich langfristig bis zu einem Drittel weniger verdienen“, schätzt Sparkassen-Vorstand Kreyerhoff, der das niedrige Zinsniveau für weitere zwei Jahre prognostiziert.

Daher versuche die Sparkasse bereits seit einiger Zeit, die Defizite in dem einen Bereich durch mehr Einnahmen an anderer Stelle auszugleichen. Piétzka: „Wir konzentrieren uns stärker auf andere Geschäftsfelder, beispielsweise auf Versicherungen.“

Dennoch, die ersten greifbaren Folgen können Sparkassenkunden seit Anfang Dezember auf ihren Kontoauszügen sehen: Die Sparkasse hat die Konto-Gebühren, wie berichtet, erstmals seit elf Jahren erhöht – auch das war eine Maßnahme zur Kostensenkung.

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Andere Konsequenzen werden erst später bemerkt werden: Noch profitiert die Stadt Gladbeck (Träger) zwar von dem soliden regionalen Geschäftsmodell der Sparkasse, das sich auch in den Krisenfinanzzeiten bewährt hat, mit einer ordentlichen Summe. 2013 flossen insgesamt rund zwei Millionen Euro an Gewerbesteuern, Ausschüttung, Spenden und Stiftungsmitteln in das Gladbeck Stadtsäckl. Doch gerade beim angelegten Stiftungsgeld, dessen Erträge dem Zweck des Gladbecker Kulturlebens zugute kommen, zeigt sich eine deutliche Veränderung: „Gestartet sind wir mit einem Zinsertrag von 45 000 Euro aus einer Million Euro“, so Kreyerhoff. Wenn es bei dem niedrigen Zinssatz bleibe, werde dieser Ertrag auf unter 10 000 Euro sinken, ist die Befürchtung.

Dass der niedrige Zinssatz das Kreditgeschäft ankurbelt und mehr Bürger sich ein eigenes Häuschen leisten können, ist die positive Kehrseite und gut fürs (Bank-)geschäft. Gesamtgesellschaftlich gesehen könnte es aber Probleme bringen. Kreyerhoff: „Was passiert, wenn die Zinsen wieder steigen?“

Noch eine Sorge treibt die Banker um: Wer für sein Geld nichts kriegt, kann auch kaum fürs Alter vorsorgen. Das werde langfristig zu dramatisch steigenden Sozialausgaben führen.