Nach 30 Jahren ist nun Schluss

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„Jetzt müssen mal Jüngere ran.“ Das hat sich Johannes Hegemann gedacht, als er im Jahr 2001 den landwirtschaftlichen Betrieb seinem Sohn Hermann übergab, und das ist auch der Grund dafür, das er bei der Generalversammlung des Landwirtschaftlichen Ortsvereins nicht wieder für das Amt des Vorsitzenden kandidierte - nach 30 Jahren.

Dass er kürzer treten will, bedeutet beileibe nicht, dass der 67-Jährige die Hände in den Schoß legt, weder auf dem mehr als 400 Jahre alten Hof an der Bülser Straße noch im Verein. „Müßiggang ist nichts für mich“, sagt er und meint dies völlig ernst.

Ohne den Senior ist die Arbeit im landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetrieb auch gar nicht zu schaffen. Hegemanns – Johannes und seine Frau Maria, Sohn Hermann, seine Frau Christa und deren Kinder Johanna (10), Helena (7) und Thea (4) leben wie die Generationen vor ihnen unter einem Dach – betreiben Milchviehhaltung und Bullenmast. 60 Tiere plus Nachzucht stehen in den Ställen, verschlingen Tag für Tag pro Kopf 50 kg Futter. 1100 Liter Milch holt die Molkerei täglich ab.

Dazu baut die Familie auf 63 Hektar Ackerfläche Getreide und Mais an. Bei der Ernte unterstützt sie ein Lohnunternehmer, weil eigene Maschinen sich nicht rechnen. Alles andere auf dem Hof erledigen die Familienmitglieder allein. Selten dauert ein Arbeitstag weniger als zwölf Stunden, zur Erntezeit auch deutlich länger. Johannes Hegemann kennt das nicht anders. Als er den Hof 1971 von seinem Vater übernahm, fiel noch mehr Arbeit an. Da standen außer dem Milchvieh und den Bullen auch Mastschweine in den Ställen, erleichterten weder Melkmaschinen noch Trecker die Arbeit. „Der Pflug wurde von Pferden gezogen, und die Kühe haben wir per Hand gemolken“, erinnert sich der 67-Jährige.

Heute gibt es Melk-Roboter

Im Laufe der Jahrzehnte hat sich auch in der Landwirtschaft vieles verändert. „Mittlerweile gibt es in großen Betrieben schon Melk-Robotor“, weiß Johannes Hegemann. „Der Landwirt muss nur noch per Handy überwachen, ob alles in Ordnung ist.“ Ob die Roboter eines Tages auch Einzug halten auf dem Hof an der Bülser Straße, weiß Johannes Hegemann nicht. „Da will ich meinem Sohn oder meinen Enkeln nicht vorgreifen.“

Auch im landwirtschaftliche Ortsverein überlässt Johannes Hegemann die Entscheidungen bald seinem Nachfolger, mitmischen wird er trotzdem, wenn es gilt, für den 46 Mitglieder zählenden Verein Veranstaltungen zu organisieren wie das jährliche Pfannekuchenessen kurz vor Rosenmontag, die Radtour im Sommer oder das große Erntedankfest im Oktober. Was ihn auf dem heimischen Bauernhof antreibt, lässt sich eben auch auf seine Aktivitäten im Verein übertragen: „Müßiggang ist nichts für mich.“