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Musiktheater lockt Ricardo

10.02.2012 | 19:55 Uhr
Musiktheater lockt Ricardo

Gladbeck. Lampenfieber kennt der junge Mann kaum, zumindest merkt man es ihm nicht an. Auch wenn er als Statist auf der Bühne des Musiktheaters in Gelsenkirchen steht, kommt Ricardo Feldmann, der Gladbecker Gymnasiast, eher unaufgeregt und cool daher.

Am Samstag hat er wieder einmal Premiere, diesmal bei der Wiederaufnahme der Puccini-Oper „La Bohème“. Der 17-Jährige mimt darin einen Tambourmajor – Anführer der Trommler, die einst die Armeen aufs Schlachtfeld führten. Der Major ist die einzige Statistenrolle in der Inszenierung, eine besondere Auszeichnung für den jungen Mimen und Herausforderung zugleich, zumal er in einer kleinen Szene mitwirken wird. „Es ist das erste Mal, dass ich die Aufmerksamkeit des Publikums im MiR bekommen werde“, freut sich Ricardo.

Den gesamten zweiten Akt (von vieren) wird er auf der Bühne sein und am Ende des Aktes auf eine lange Tafel steigen, einmal über sie hinweg laufen und schließlich herunter gestoßen werden...

La Bohème ist bereits die vierte Inszenierung, in der Ricardo mitwirkt. Ende 2010 gab er sein Debüt in der Anatevka-Produktion, unmittelbar nach einem Casting, zu dem das Musiktheater im Revier (MiR) per Zeitung eingeladen und auf das ihn sein Vater hingewiesen hatte. „Zu meinem Glück wurde ich auch tatsächlich sofort genommen“, erinnert sich der 17-Jährige, Schüler am Ratsgymnasium.

Und nicht nur einmal wurde er genommen: Auf Anatevka folgte die Oper Merlin, in der er als Jüngling auftrat und gar die Worte „Ich bin Janke!“ rief, schließlich die Operette „Im weißen Rössl“, die noch läuft und in der er als „Tourist“ schon zehn Auftritte hatte.

Inzwischen ist er regelrecht gefesselt von der Schauspielerei. „Ich liebe das, es hat mich richtig gepackt“, gesteht er freimütig. „Was mich fasziniert, das ist der Nervenkitzel, wenn man auf der Bühne steht, der Drang, sich mit Schauspielkünsten zu präsentieren“, erklärt Ricardo. „Der Moment, wenn man ein Stück erfolgreich absolviert hat, ist schlicht unbezahlbar.“ Und dann natürlich der Applaus des Publikums. „Das ist wirklich wie eine Droge.“

Die Begeisterung fürs Theater hat ihm seine Deutschlehrerin am Ratsgymnasium, Gundula Denis, entlockt. Sie, die auch den Theaterkreis am Rats leitet, erkannte offenbar ein gewisses Talent und lud ihn schon 2008, als Achtklässler, ins Ensemble ein. Dort spielte er sich langsam „warm“. Im vergangenen Jahr übernahm Ricardo erstmals eine Hauptrolle, glänzte in Woody Allens „Geliebte Aphrodite“ in der Rolle des Lenny Weinrib, eine sehr textreiche Rolle, die viel Wortwitz abverlangt.

„Und dann ging es so richtig los mit dem Drang zur Bühne.“ Immer wieder rief das MiR, immer öfter probt er auch privat. „Ich entwickle mehr und mehr ein Gefühl dafür, wie ich mich mit der Figur eines Stücks identifizieren kann.“ Er denkt an Theaterpraktika und an eine Regiehospitanz nach dem Abi nächstes Jahr nach. „Das ist Zukunft, aber der Wille ist da.“

Auch dieses Jahr spielt Ricardo in der neuen Ratsproduktion „Vivaldi in love“ die männliche Hauptrolle. „Diesmal mit etwas weniger Text.“ Am 5. März kommt es für ihn aber zur Kollision, da beide Bühnen rufen. Ricardo fühlt sich Schule und Hauptrolle verpflichtet, am MiR springt die Zweitbesetzung ein. Versüßt wird ihm der Abend dadurch, dass er auf der Ratsbühne seinen18. Geburtstag feiert.

La Bohème von Puccini wird nach der Premiere am heutigen Samstag um 19.30 noch dreimal im Musiktheater gegeben: am 18. Februar und 2. März (jeweils 19.30 Uhr) und am 18. März um 18 Uhr. Ricardo Feldmann wird am 2. März als Tambour-Major passen müssen, weil er dann auf der Bühne des Ratsgymnasiums stehen wird. Dort hat nämlich an diesem Tag die neue Schul-Inszenierung „Vivaldi in love“ Premiere (19.30 Uhr), in der er die männliche Hauptrolle spielt. Wiederholung der Rats-Aufführung ist am 5. März.

Georg Meinert

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