Muezzin-Ruf: Meinungen bleiben gespalten

Mit einem Appell an die Vernunft meldet sich Nilüfer Akcay, Vorsitzende des Vereins Gladbecker Lebendige Alternative (GLA e.V.), in der Debatte um den Muezzin-Ruf zu Wort.

„Ich appelliere an Ihre Vernunft. Hier geht es nicht allein um die Ausführung einer religiösen Handlung. Es handelt sich um Menschenrechte, um Bürgerechte, um Persönlichkeitsrechte. Gerade in diesem Fall wird auf die Schranken der Anwohner und anderer Mitmenschen Rücksicht genommen. Dies ist richtig und wichtig. Das Thema ist nicht in erster Linie die Ausübung der Religion, sondern das Zusammenleben der Bürger in dieser meiner Heimatstadt Gladbeck, die geordnete Ausführung von persönlichen Rechten im Rahmen bestehender Gesetze.

Wir brauchen einen grundsätzlichen Maßstab zur Orientierung. Und da bin ich sehr glücklich über unser Grundgesetz, das nicht nur auf der einen Seite erlaubt, dass Muslime ein Stück mehr ihr religiöses Grundrecht ausleben, sondern allen anderen Bürgern, nicht dadurch gestört zu werden. Ich finde, das ist ein guter Kompromiss. Den darf ich erleben aufgrund meines Gesetzes, meiner Verfassung.

Die Ausübung durch die Moschee ist ein Grundrecht nach Art. 4 GG. Dies ist eine Art, Selbstverwirklichung und Individualität auszuleben. Im menschlichen Zusammenleben muss ein Weg gefunden werden, dass Andere nicht gestört werden. Wir dürfen also als Bürger nicht darüber urteilen, ob solch ein grundsätzlichstes Grundrecht überhaupt ausgeführt werden darf, sondern wir können über die Regelung gerne sprechen, welches das Zusammenleben in Gladbeck betrifft. Ich finde, der Vorsitzende des Moscheevereins, Nadir Kahraman, hat von vornherein Rücksicht genommen. Dies zeugt nicht nur davon, dass er sich selbst Schranken setzt, sondern dass er Andersgläubigen einen Wert verleiht, dass er seine Mitmenschen respektiert.

Unglückliche Wortwahl

Markus Alfs allerdings vertritt eine völlig andere Position. In seiner Reaktion auf den Offenen Brief Nadir Kahramans schreibt er:

„Sie respektieren das Christentum . . . in Ordnung. Aber die Aussage, dass Sie eben dieses tolerieren?? Wie weit ist Ihrer Ansicht nach eigentlich der muslimische Glauben in einem christlichen Land wie dem unseren verwurzelt?? Sie vergessen bei Ihrer Aussage anscheinend, dass trotz aller Bemühungen viele Muslime noch immer Gast sind in unserem Land. Vielmehr sollten Sie beachten, dass wir Christen Ihren Glauben hier bei uns tolerieren, anders, als es zum Beispiel in vielen Ihrer Heimatländer von Muslimen gegenüber Christen praktiziert wird.

Eventuell ist Ihre Wortwahl auch nur etwas unglücklich, aber sie sollten akzeptieren, dass mein Heimatland Deutschland christlich ist und bleibt und die Toleranz eher anders herum praktiziert wird und irgendwann an ihre Grenzen stößt!