Münzgeld ist für Gladbecker Banken teuer

Jeden Tag müssen Sparkasse und Volksbank allein in Gladbeck hunderte Kilo eingezahltes Hartgeld bewältigen.
Jeden Tag müssen Sparkasse und Volksbank allein in Gladbeck hunderte Kilo eingezahltes Hartgeld bewältigen.
Foto: Labus / FUNKE Foto Servises
Was wir bereits wissen
Seit dem Jahreswechsel müssen die Geldinstitute auch die Umlauffähigkeit des angenommenen Hartgeldes prüfen. Die Einzahl-Gebühren werden angezogen.

Gladbeck..  „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht Wert“ – ein altes deutsches Sprichwort, das ungehindert von bargeldlosen Zahlungsmitteln, beispielsweise EC-Karten, nach wie vor in Deutschland gilt. Die Bürger horten sogar zunehmend ihr Kupfer- und Silbergeld, was die Statistik der Bundesbank belegt. Die großen Bankfilialisten wie Sparkasse und Volksbank in Gladbeck haben letztlich die Arbeit mit dem in Summe schwergewichtigen Hartgeld und sind seit dem Jahreswechsel auch für die Prüfung der Umlauffähigkeit zuständig.

Die Anzahl der von der Bundesbank geprägten und neu verteilten Münzen steigt seit Jahren kontinuierlich. Sie ist innerhalb von zehn Jahren von 3,8 Mrd (11 Milliarden Stück) auf 6,8 Mrd Euro (30 Milliarden Stück) angewachsen. Schon im Jahr 2013 übertrug die Bundesbank die hoheitliche Aufgabe der Echtheitsprüfung bei Münzen auf Banken und Werttransportunternehmen. Seit dem Jahreswechsel sind die Banken vor Ort nun auch für die Prüfung der Umlauffähigkeit der Geldmünzen – ob diese z.B. beschmiert, beschädigt oder unrund geworden sind – zuständig. Dies schreibt die neu in Kraft getretene EU Recyclingverordnung für Zahlungsmittel vor.

Ein beträchtlicher Aufwand für die Banken. „Rund 200 Kilo Münzgeld wird täglich von uns im Stadtgebiet entgegen genommen“, so Matthias Bludau von der Sparkasse Gladbeck. „Zudem haben die Geschäftskunden einen Jahresbedarf von 30 000 Münzrollen, die wir ausgeben.“ Um Aufgaben und Aufwand besser gerecht werden zu können (für Zähl- und Sortiermaschinen wurden rund 50 000 Euro investiert) hat die Sparkasse im Dezember für die Annahme von Geldmünzen so genannte Safebags eingeführt. Plastiktüten, auf die der einzahlende Sparkassenkunde Konto und Geldsumme notiert.

Damit Gladbecker weiterhin Gelegenheit haben, ihre im Sparschwein gehorteten Münzen einzuzahlen, ist die Entgegennahme für Privatkunden bis 50 Euro kostenlos, danach werden pro Safebag drei Euro fällig. Was nicht für besondere Aktionen wie den Weltspartag oder Spendenbeträge aus der Sternsinger-Aktion gelte. Bludau: „Mit unseren Geschäftskunden haben wir nach Aufwand spezielle Konditionen vereinbart“.

Gleiches gilt für Letztere bei der Volksbank Ruhr-Mitte. Monatlich wird im Filialgebiet ein siebenstelliger Hartgeldbetrag verarbeitet. Aufgrund der neuen gesetzlichen Verpflichtungen überlegt die Volksbank Gebühren für die Hartgeldannahme von Privatkunden einzuführen, „bis 200 Euro soll die Abgabe aber kostenlos bleiben“, so Pressesprecher Wilhelm Uhlenbruch.

Mehrheit gegen eine Rundungsregel

Die Bundesbank hat die Einstellung der Bevölkerung zu den Kleinmünzen in ihrem Zahlverhalten erfragt. Demnach haben die deutschen Bürger, anders als in anderen EU-Staaten, offenbar eine positive Einstellung zu den Ein- und Zweicent-Münzen. Sie werden von einer breiten Mehrheit zum Bezahlen genutzt und scheinen im täglichen Umgang nicht zu größeren Problemen zu führen. Deshalb spricht sich nur eine Minderheit von 39 Prozent in Deutschland für eine Abschaffung aus (Grafik).

Im Euro-Währungsgebiet haben zwei Länder, Finnland und die Niederlande, eine Rundungsregel eingeführt, um mehr Effizienz im baren Zahlungsverkehr zu erreichen, wobei der Endbetrag an der Kasse auf 5 Cent auf- oder abgerundet wird. Die Bevölkerung in Deutschland hat offenbar eine positive Einstellung zu den Kleinmünzen und lehnt eine Rundungsregel wie in den genannten Ländern eher ab. Bei einer Umfrage 2011 standen „nur“ 42 Prozent der Befragten einer Einführung positiv gegenüber; weitere 20 Prozent antworteten mit „auf keinen Fall“ und 28 Prozent mit „wahrscheinlich nicht“, die restlichen neun Prozent waren unentschlossen.

Den Befürchtungen, dass die Einführung einer Rundungsregel einen deutlichen Geldwertverlust als Effekt hat, widerspricht die Bundesbank. Bei einer kaufmännischen Rundung des Kassenbons würden sich die Auf- und Abrundungseffekte weitgehend ausgleichen. Selbst bei einem Szenario, bei dem die Handelsunternehmen alle Kassenbons auf 5 Cent aufrunden würden, läge der Einmaleffekt der Teuerung bei nur 1‰

Statistisch hat jeder Gladbecker 345 Münzen im Besitz

Die Bundesbank hat statistisch ermittelt, dass in Deutschland jeder Einwohner rund 345 Münzen im Wert von 79,85 Euro besitzt. Der Großteil entfällt hier auf die 1- und 2-Cent-Stücke, von denen jeder Einwohner im Durchschnitt 175 Stück besitzt. Damit sind die Deutschen Euro-Münzkönige, denn im übrigen europäischen Währungsgebiet verfügen die Einwohner statistisch nur über 277 Stück Münzen im Wert von 65,87 Euro. Der größte Anteil mit 119 Stück entfällt auch hier auf die 1- und 2-Cent-Stücke. Trotz der zunehmenden Verbreitung von elektronischem Zahlungsverkehr, behauptet sich die Bargeldzahlung noch mit einem Anteil von mehr als 50 Prozent.

Mit weiter steigenden Rohstoffpreisen könnten die Münzen unwirtschaftlich oder zweckentfremdet werden, da die Herstellung von verkupfertem Kleingeld zurzeit nahe bei oder sogar über dessen Nominalwert liegt.