Momentaufnahme am Kreisverkehr: ein regelfreier Raum?

Der Kreisverkehr an der Humboldtstraße in Gladbecks Innenstadt ist stark frequentiert.
Der Kreisverkehr an der Humboldtstraße in Gladbecks Innenstadt ist stark frequentiert.
Foto: Heinrich Jung
Was wir bereits wissen
Autofahrer, Radler und Passanten sowie Busse und Lkw treffen am Kreisverkehr Humboldt- und Schillerstraße/Buersche Straße in Gladbeck aufeinander.

Gladbeck..  Es ist viel los am Kreisverkehr Humboldt-/Schillerstraße. Wen wundert’s, treffen hier doch vielerlei Verkehrsteilnehmer – motorisiert oder durch Muskelkraft in Bewegung – aufeinander. Wie eng es bisweilen wird, zeigt eine Momentaufnahme der WAZ zur Mittagszeit.

Mit „Schmackes“ nähert sich ein Opel Kombi von der Buerschen Straße aus dem Kreisel, flitzt, ohne Blinkzeichen, in die Kurve. Vorsichtshalber zucken zwei Teenager, die gerade den Überweg gen Fußgängerzone betreten wollen, zurück und lassen dem Mann die Vorfahrt. Wer weiß, ob dieser Zeitgenosse, der so arg schneidig unterwegs ist, rechtzeitig gestoppt hätte – da geht man lieber auf Nummer Sicher.

Unaufmerksam mit Smartphone am Ohr

Das tut auch ein anderer Autofahrer, als er einen Fußgänger am Straßenrand sieht. Hat zur Folge: Ein weiterer Wagen, dicht dahinter, bremst erst abrupt, weicht dann aber über den gepflasterten Innenring im Kreisverkehr aus, um nicht halten zu müssen. Muss er dann aber doch, denn auch an der nächsten „Ausfahrt“ hat er keine freie Bahn: wieder Passanten. Mit Smartphones an den Ohren gönnen ein paar Jugendliche, die offenbar als Gruppe unterwegs sind, dem Straßenverkehr keinen Blick. Sie bleiben nach ein paar Schritten mitten auf dem Übergang am Katholischen Stadthaus unvermittelt stehen, bis ein Autofahrer genervt hupt.

Zaudernde Fußgänger

Ein Motorradfahrer mit Recklinghäuser Kennzeichen dreht mehrere Runden im Kreisverkehr. Ein Ortsfremder auf der Suche? So ganz sicher ist sich augenscheinlich auch ein kleiner Junge am Straßenrand nicht. Er zaudert. Er guckt nach rechts, er guckt nach links. Eine Autofahrerin hält. Das Kind rührt keinen Fuß. Erst exakt in dem Moment, in dem die Frau anfährt, kommt der Junge in Bewegung. Die Fahrerin tritt auf die Bremse – alles gut gegangen.

Auf der Brücke Buersche Straße bahnt sich eine weitere brenzlige Situation an. Hinter einem Linienbus rollen Autos Stoßstange an Stoßstange auf die „Einfahrt“ des Kreisels zu. Plötzlich schert ein silberner kleiner Opel aus. Vermutlich hat der Fahrer nur Augen für einen möglichen Platz in einer der Parktaschen, sodass er nicht mehr an seine „Hinterleute“ auf Rädern denkt: „Fahren Sie raus?“ – Nein, Pech gehabt. Doch der Opel-Fahrer bezieht eine Lauerstellung, wartet – halb am Rand, halb auf der Fahrbahn – auf eine weitere Chance. „Mensch, muss das sein? Entweder fahren Sie weiter, oder Sie stellen sich so hin, dass sie keinen behindern“, ruft ihm ein anderer aus dem Autofenster zu.

Vorfahrt nehmen

Während der Parkplatzsucher wartet, flitzt eine Blondine auf ihrem Drahtesel, ohne Handzeichen zu geben, durch den Kreisverkehr auf die Humboldtstraße; der nächste Radler tut’s ebenso, gleichfalls ein weiterer. Ein Bus nimmt einem Pkw die Vorfahrt; Fußgänger suchen sich ihren Weg auf die andere Straßenseite durch die Fahrzeuge, die die Übergänge versperren. Es ist viel los am Kreisverkehr Humboldtstraße . . .