Mittelalterliche Welt erwacht am Kotten Nie zum Leben

Kleine Ritter und Burgfräulein bevölkerten den Kotten Nie an der Bülser Straße in Gladbeck.
Kleine Ritter und Burgfräulein bevölkerten den Kotten Nie an der Bülser Straße in Gladbeck.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
30 Kinder lernen in einer Sommerferien-Aktion am Kotten Nie in Gladbeck spielerisch, wie die Menschen vor Jahrhunderten lebten und arbeiteten.

Gladbeck..  Ritter stürmen mit gezückten Schwertern über den Hof, Burgfräulein in kunterbunten Gewändern hinterdrein. In einer Riesenpfanne schmurgeln Bratkartoffeln, die einen verlockenden Duft verströmen. Dass es ein wenig vom Himmel tröpfelt – wen stört’s? Niemand sucht Unterschlupf in einem der Gebäude, die das Ensemble Kotten Nie bilden. Einen wahren Recken haute im 16. Jahrhundert so schnell nichts von den Füßen, und Anno 2015 ist das nicht anders.

Nur einen Unterschied gibt’s: Das alltägliche Leben im Mittelalter bot – aus heutiger Sicht – wenig zu lachen. Am Kotten Nie hingegen ist’s ein wahres Kinderspiel. Denn die diesjährigen Sommeraktivitäten für den Nachwuchs haben die städtische Jugendförderung und der Förderverein des Treffs an der Bülser Straße unter das Motto „Mittelalter am Kotten Nie“ gestellt. Sechs- bis Zwölfjährige wandeln bis zum 23. Juli auf den Spuren vergangener Zeiten. Spielerisch lernen sie, wie das Leben so war, damals. Von wegen: Klamotten von der Stange oder mal eben ein Fertiggericht in die Mikrowelle schieben!

Handwerk ist ein großes Thema

„Handwerk war ein großes Thema im Mittelalter“, sagt Annette Rauher von der Jugendförderung. Sie schaut den Mädchen und Jungen auf die Finger, wenn sie beispielsweise Holzschwerter oder Helme aus Pappe basteln. Mit vereinten Kräften entstand ein Wappen für den „Kotten Nieburg“. Links sind als Motive ein Schwert und eine Kate, rechts eine Krone und ein Pferd angeordnet. Bodo Dehmel, Vorsitzender des Fördervereins, ist ganz aus dem Häuschen: „Ich finde es faszinierend, was da in der Gewandstube geschneidert wird.“

30 Mädchen und Jungen schlagen während des ganztägigen Programms diverse Kapitel mittelalterlichen Lebens auf: „Rittersleut und Hofleben“, „Zauberei und Hexenwerk“, „Bauersleut und Landgetier“ sowie „Gauklerei und Narretei“. Verkleiden, Basteln, gemeinsames Backen, es gibt viel zu tun. Und wer viel unternimmt, muss sich auch stärken, damals wie heute.

Um die Verpflegung kümmert sich der Förderverein Kotten Nie. Allerdings, so die stellvertretende Vorsitzende Agnes Allkemper, steht täglich ein anderes Mahl auf dem Speisezettel als es Rittersleut’ kannten. Denn welches Kind lässt sich schon mit Hirsebrei hinter dem Ofen hervorlocken? Statt dessen gibt’s Gemüsesuppe, Fischstäbchen mit Spinat oder „Drachenwurst“ (Geflügelwürstchen) – eben Speisen, die Kinder munden. Der Förderverein hat sich auf die Fahne geschrieben, die Gerichte allesamt aus frischen Zutaten zuzubereiten. Die Kinder helfen mit Feuereifer beim Schnippeln.

Die Mittelalter-Welt am Kotten Nie ist ab 13.30 Uhr für alle interessierten Mädchen und Jungen geöffnet. Das Programm endet am 23. Juli (14 Uhr) mit einem Jahrmarkt. Geboten werden Minnegesang und Märchen, Fettgebäck und Metschänke, Gaukelei und mehr. Der nächste Kindersonntag am 12. Juli von 15 bis 18 Uhr steht ebenfalls ganz im Zeichen des Mittelalters – mit Geschichten im Märchenzelt, Stockbrotbacken und Spielen.