Mitarbeiter haben ihr kleines Kaufhaus aufgehübscht

André Ellmann (l.) und Mathias Dahlke arbeiten im Hol- und Bringdienst. Sie haben bei der Renovierung kräftig mit angepackt.
André Ellmann (l.) und Mathias Dahlke arbeiten im Hol- und Bringdienst. Sie haben bei der Renovierung kräftig mit angepackt.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Von Bekleidung über Haushaltswaren bis zur kompletten Wohnungseinrichtung: Das Sortiment des Secondhand-Ladens an der Marktstraße ist groß.

Gladbeck..  Die Dame im schicken schwarzen Kurzmantel schlendert durch den Laden, nimmt hier ein Weinglas in die Hand, dort eine Vase, begutachtet das Villeroy & Boch-Service und entscheidet sich schließlich für einen silbernen Kerzenständer. Fünf Euro kostet das gute Stück – ein echtes Schnäppchen.

Auch wenn manche immer noch glauben, „Kauf.net“, der Secondhand-Laden des Diakonischen Werkes Gladbeck-Bottrop-Dorsten an der Marktstraße, sei eine Anlaufstelle in erster Linie für sozial Schwache, der irrt gewaltig. Wer von Hartz IV leben muss, bekommt hier 20 Prozent Rabatt, aber den haben längst nicht alle Kunden nötig.

Sie kommen aus allen Schichten: Da gibt es die Sammler, die beispielsweise ganz bestimmte alte Schallplatten zu finden hoffen, die Schnäppchenjäger auf der Suche nach Porzellan-Schätzen, die Leseratten, die ein Buch für 50 Cent ergattern können. Da kommen auch Menschen, die aus ökologischen Gründen bewusst gut erhaltene Waren aus zweiter Hand kaufen, weil sie die Weiterverwertung der umweltbelastenden Vernichtung vorziehen. Und selbstverständlich zählen zu den Kunden auch Familien, die sich aus finanziellen Gründen ihre Wohnung mit gebrauchten Möbeln einrichten und sich in der Textilabteilung preiswert einkleiden.

500 bis 600 Kunden werden wöchentlich in der kleinen Kaufhaus fündig, schätzt Marco Bensberg, als Bereichsleiter zuständig für die vier Kauf.net-Läden des Diakonischen Werkes. Und durchschnittlich 50 Menschen kommen, um gebrauchte Waren abzugeben.

Seit April 2010 gibt es den Secondhand-Laden am Markt in der Innenstadt, und Ende vergangenen Jahres haben die Mitarbeiter ihn in Eigenarbeit richtig aufgehübscht – Wände entfernt, neue gezogen, alles frisch gestrichen, neue Lampen angebracht und richtige Abteilungen geschaffen: Die Textilien hängen jetzt im Eingangsbereich, Schlafmöbel stehen links, mit schönem Porzellan hübsch dekorierte Tische und andere Wohnmöbel rechts. Es gibt eine Abteilung für Büromöbel, eine Kinderecke, einen Bereich für Haushaltswaren, einen kleinen Raum mit Multimediageräten – wie ein Mini-Kaufhaus eben.

Mit dem Unterschied, dass es hier ausgesprochen familiär zugeht, weil die fünf Mitarbeiter (zwei im Fahrdienst, drei im Verkauf) freundlich sind, mit den Kunden plaudern, sie beraten. Man spürt: Sie machen ihren Job gern. Kein Wunder: Alle haben eine lange Zeit der Arbeitslosigkeit hinter sich, einige, so wie Isabella Sypitzki, als 1,50-Euro-Kraft im Diakonie-Laden eine Chance bekommen – und sie beim Schopf gepackt. Seit zwei Jahren ist sie jetzt fest angestellt, hat alles im Griff. Und im Blick: Vor der Tür müht sich gerade eine Frau, eine schwere Tasche mit Spenden aus dem Auto zu wuchten. Isabella Sypitzki eilt zu ihr, um mit anzupacken. Im kleinen Kaufhaus wird Service wirklich groß geschrieben.