Mit viel Luft auf Wählerfang
09.08.2009 | 16:48 Uhr 2009-08-09T16:48:00+0200
Gladbecks Bürger sind heiß begehrt, werden umschmeichelt und gnadenlos zugetextet: Der Wahlkampf hat begonnen.
Geschickt stapelt Bilal die grünen Plastikbecher. Einen über den anderen, so ist es gut, und jetzt schnell wieder abräumen – fertig. „Super gemacht, du hast nur neun Sekunden gebraucht.” Elke Marita Stuckel-Lotz applaudiert. „Speed Stacking kommt bei den Kindern gut an”, schwärmt die Grüne mit dem leuchtend roten Haar und verfolgt gespannt wie Bilal erneut den Tisch abräumt. Die grüne Bürgermeisterkandidatin Simone Steffens verteilt derweil fleißig Luftballons. Mittlerweile hat so mancher junge Nachwuchswähler seine liebe Mühe damit, die bunte Parteienlandschaft unter Kontrolle zu halten, denn auch die anderen Wahlkämpfer werben mit heißer Luft im Ballonformat.
Gladbecks Bürger, ob wahlberechtigt oder nicht, sind derzeit heiß begehrt, werden schmeichelnd umworben und gnadenlos zugetextet. Drei Wochen vor der Kommunalwahl ziehen die Parteien noch einmal alle Register. Da wird mit gefrorenem Wasser eiskalt Wahlkampf gemacht, da werden eifrig Kugelschreiber fürs Kreuzchen malen verteilt, da wird mit Einkaufschips der Erstwähler geködert – Hauptsache der Bürger wählt richtig.
Während Bürgermeister Roland unterm blauen „Uli”-Zelt am Europaplatz eifrig Bürgerhände schüttelt, sind die Jusos am Nachbarstand dabei, ihr Planschbecken mit Gummienten zu füllen. „Damit Wittringen nicht untergeht” steht da am Grund des Plastiksees geschrieben und die Erklärung folgt solgeich: „Wir sind dagegen, Wittringen mit einem Autobahnkreuz zu verschandeln”, sagt Juso-Vorsitzender Marcel Murawski kämpferisch. Nah am Erstwähler wollen sie sein und so warten auf dem Boden vor dem Stand Zettel auf sehnsüchtige Wählerwünsche. „Disco in Gladbeck” steht da geschrieben oder „ein besseres Kulturprogramm” – Marcel und Co. wollen's richten.
Derweil bringt des Bürgeremeisters Gattin Christa Roland das Wahlprogramm ihres Mannes samt Luftballons unter die Leute. Die sind diesmal nicht rot, sondern blau, denn „mein Mann macht seinen eigenen Wahlkampf – auch wenn seine Wurzeln in der SPD liegen.” Der einfache Bürger kann mit derlei Spitzfindigkeiten wenig anfangen – vielleicht ist es ihm auch schlichtweg egal: Bei der SPD ein Stück Kuchen essen, anschließend ein kurzer Plausch mit dem Bürgermeister – alles mitnehmen lautet die Devise beim umkämpften Wahlvolk.
Ein Stück weiter links, am Eingang zur Hochstr., verteilen die „Linken” Pfefferminzbonbons für „Frische Ideen und langen Atem”. Ratskandidatin Martina Pestke hält unterm roten Sonnenschirm die Stellung, während ihre Kollegen mit Wahlprogrammen bewaffnet auf Stimmenjagd gehen. „Es ist wichtig, dass die Wähler mit der Linken Gesichter verbinden können”, meint die engagierte Wahlkämpferin. Trotzdem fiebert sie dem Ende am 30. August entgegen: „Der anschließende Urlaub ist schon gebucht.”
Aus den Boxen am JU-Stand vor der Lamberti-Kirche schallt laute Musik – das neueste aus den Charts. „Black is beautiful”, man gibt sich jung, auch wenn manch älterer Bürger bei Lady Gaga die Flucht ergreift. Bürgermeisterkandidat Hans Joachim Kalb sucht trotz Partylärm das „vertrauensvolle Gespräch mit dem Wähler, schließlich erfährt man viele Dinge erst, wenn man mit den Leuten spricht” – wahre Worte und so wechseln auch bei der CDU „kleine Gesprächsanreize” wie Kugelschreiber, Geduldsspiele und Luftballons den Besitzer.
„Immer diese Materialschlacht! Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Wähler durch Luftballons beeinflussen lassen.” Johannes Gay von der Hartz IV-Initiative beobachtet das Treiben am CDU-Stand misstrauisch. Bunte Zelte, viele Wahlhelfer, neugierige Bürger – der Unterschied zu seinem eigenen Stand könnte kaum größer sein. Denn an Gays Tisch auf Rädern ist wenig los, vielleicht weil dort wenig zu holen ist. Lediglich ein paar Kopien mit dem Wahlprogramm warten aufs Wahlvolk, so wie Einzelwahlkämpfer Gay selbst, der niemandem etwas aufdrängen will: „Ich will aus Überzeugung gewählt werden.”
Auch am Infostand der DKP bekommt der Bürger nichts geschenkt, außer Aufmerksamkeit und Informationen. Dafür hat man sich strategisch geschickt postiert: direkt gegenüber dem Rathaus. „Die anderen Parteien haben einfach mehr Geld”, meint Vorsitzender Franz Huckschlag, zündet sich einen Zigarillo aus seiner roten Che Guevara-Box an und blickt sehnsüchtig hinüber zu dem Gebäude, in das sie alle wollen – koste es Kugelschreiber, Wassereis und Nerven. Der Wähler aber lässt sich noch ein wenig umgarnen, bis er sich am 30. August wohl oder übel entscheiden muss, für wen auch immer . . .
14:43
Wahlprogramm der Linke:
Mit viel heißer Luft auf Wählerfang
11:42
Sehr textsicher und völlig richtig ;-)
Kompliment!
20:17
PINKe Hemden, na da muss ich beim nächsten Sex in the city mal meine Eyes wide open halten - obwohl wenn sie, lieber kumpel von jens, sagen man würde die Leute am Geruch erkennen, muss ich mal schauen ob ich den Teen Spirit warnehme...
Obwohl, die deutsche Sängerin MIA wusste es schon immer wie man bei der JU Karriere macht:
Augen schließen, Beine strecken,
Köpfchen Richtung Himmel recken,
Schritte setzen, Raum vermessen
Jetzt nur nicht den Text vergessen
Immer noch ein Sprösschen weiter auf der Karriereleiter
Tag um Tag, beim bunten treiben,
Immer schön im Rhythmus bleiben
:-D
10:38
Das ist ja fast Cascada-ierende Unkenntnis, die sich seit der Eröffnung von MacDonald in Gladbeck breit macht. Man kann sie daran erkennen, dass sie oft Pinke Hemden, Tote Hosen und Parfum von Sean Paul Gaultier tragen. Benehmen tun sie sich wie Beachboys aus FloRida (nicht zu verwechseln mit irgendwelchen Discobitchs). Ich&Ich hoffe, damit für einen A-ha Effekt gesorgt zu haben.
12:06
MMh naja Presidents habe ich da noch nie gesehen, sei es an Infoständen oder bei diversen Trinkgelagen...
Kann man die irgendwie erkennen??
08:32
Die haben auch einige selbsternannte Mr. Presidents in ihren Reihen.....tatsächlich sind die aber keine 50Cent wert....
10:02
Der nächste Gladbecker Stadtrat wird sehr bunt werden.
Und das ist auch gut so!
23:24
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20:25
Wie Gaga muss man sein, die CDU Gladbeck zu wählen...???
Obwohl einige Lady Gagas haben die ja in ihren Reihen....
***Ironie aus***