Millionenkürzung - Jobcenter sieht wichtiges Projekt bedroht

Das Jobcenter Gladbeck an der Wilhelmstraße.
Das Jobcenter Gladbeck an der Wilhelmstraße.
Foto: WAZ FotoPool
Die Nachricht sorgte im Mai für viel Aufsehen: Millionen-Finanzkürzung beim Jobcenter! Die von Berlin verordnete Einsparung zeigt schon Wirkung.

Gladbeck.. 5,6 Millionen Euro soll das Jobcenter im Kreis Recklinghausen bis zum Jahr 2018 sparen - diese jüngste Hiobsbotschaft aus Berlin zeigt schon konkrete Wirkung: Das Projekt „Chance Zukunft“, das rund 30 Jugendlichen in den kommenden Jahren den Einstieg in Ausbildung ermöglichen sollte, musste das Jobcenter im Kreis jetzt bereits streichen.

Dieses Projekt sollte zusammen mit dem NRW-Arbeitsministerium gestartet werden. Das Jobcenter kann nun absehbarerweise die Ko-Finanzierung, also seinen eigenen Anteil daran, nicht mehr leisten.

„Uns im nördlichen Ruhrgebiet trifft die angekündigte Sparmaßnahme von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles besonders hart“, erläuterte Jobcenter-Sprecher Florian Adamek am Montag im Gespräch mit der WAZ. Gerade hier sei die Zahl der Gering- oder überhaupt nicht Qualifizierten besonders hoch, so Adamek. Langfristige Qualifizierungs-Projekte seien deshalb im nördlichen Revier von besonderer Bedeutung. Und genau diese seien nun in Gefahr. Teilnehmer, die derzeit noch in Jugendwerkstätten, Produktionsschulen oder berufsvorbereitenden Maßnahmen fit für eine Ausbildung gemacht würden, bekämen nun keinen geförderten Anschluss oder Übergang in den Beruf.

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Insgesamt sollen die Jobcenter laut Bundesarbeitsministerin Nahles (SPD) bundesweit 750 Millionen Euro sparen, wobei die Ministerin erst im November eine Offensive gegen Langzeitarbeitslosigkeit in Deutschland angekündigt hatte: 43 000 schwer vermittelbare Arbeitslose ohne Berufsabschluss sollen schnellstmöglich einen regulären Job bekommen. Eine Milliarde Euro, so kündigte die Ministerin Ende 2014 an, stünden dafür bereit.

„Doch um die neuen Spezialmaßnahmen für Langzeitarbeitslose zu finanzieren, muss das Bundesarbeitsministerium das Geld an anderer Stelle aus seinem Etat herausholen“, erläutert Florian Adamek. In den nächsten drei Jahren sollen die Jobcenter deshalb die besagten 750 Millionen Euro bundesweit einsparen – und das treffe bewährte Maßnahmen, die kreisweit und in den zehn Städten vom Jobcenter Kreis Recklinghausen geplant seien. Auf der Strecke blieben vor allem Menschen, „die eine langfristige Förderung durch das Jobcenter brauchen“, so der Jobcenter-Sprecher.

Der Sparfahrplan ist bereits klar: Für 2016 wurden die Fördermittel um zehn Prozent, für 2017 und 2018 um 40 bis 50 Prozent gekürzt. Das summiert sich auf rund 5,6 Millionen Euro, die nun weniger in die langfristige Qualifizierung in den zehn Kreis-Städten investiert werden können.