Michael Chlapek schließt seine Bürotür zum letzten Mal zu

Im Rathaus hatte der Leitende städtische Verwaltungsdirektor Michael Chlapek 48 Jahre seinen Arbeitsplatz.
Im Rathaus hatte der Leitende städtische Verwaltungsdirektor Michael Chlapek 48 Jahre seinen Arbeitsplatz.
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Was wir bereits wissen
Michael Chlapek, der Leiter des Bürgermeisterbüros, geht nach 48 Jahren bei der Stadtverwaltung in den Ruhestand.

Gladbeck..  Das Rathaus kennt Michael Chlapek wie seine sprichwörtliche Westentasche. 48 Jahre ist er dort ein- und ausgegangen, hat in unzähligen Büros hinter dem Schreibtisch gesessen, sich in diverse Sachgebiete eingearbeitet, hat Vorgesetzte und Kollegen kommen und gehen gesehen, den Wechsel von der „Doppelspitze“ aus Stadtdirektor und Bürgermeister hin zum hauptamtlichen Bürgermeister miterlebt, unter „roter“ Regie ebenso gewissenhaft gearbeitet wie unter der „schwarzen“. Wenn er heute seine Bürotür hinter sich schließt, endet eine Ära. Der Leiter des Bürgermeisterbüros geht in den Ruhestand.

Beamtenlaufbahn eingeschlagen

15 Jahre jung war er, hatte den Volksschulabschluss in der Tasche und das Ziel, die Verwaltungslaufbahn einzuschlagen. Drei Stadtverwaltungen standen nach bestandener Aufnahmeprüfung zur Wahl: Essen fand der junge Mann nicht so toll, weil es dort damals kein Rathaus gab, die Verwaltung übers ganze Stadtgebiet verteilt war. In seiner Heimatstadt Bottrop, für ihn eigentlich erste Wahl, ließ man sich mit der definitiven Zusage etwas zu lange Zeit. Gladbeck war ein paar Tage schneller. „Meine Unterschrift hier habe ich zu keiner Sekunde bereut“, sagt Chlapek heute.

1. August 1967 – der erste Arbeitstag des jungen Verwaltungslehrlings (das gab es damals noch). 48 Jahre später beendet der fast 63-Jährige sein Berufsleben als Leitender städtischer Verwaltungsdirektor. „Das hätte ich mir damals natürlich nicht träumen lassen.“

Von ungefähr kam die steile Karriere allerdings nicht. Chlapek hatte nach der Lehre die Wahl: sofort als Angestellter zu arbeiten „und eine vierstellige Summe zu verdienen“ oder die Beamtenlaufbahn einzuschlagen. Er wählte die zweite Option, schaffte die Prüfung zum mittleren Dienst ebenso mit Bravour wie später die zum gehobenen nichttechnischen Verwaltungsdienst, und trotz der hervorragenden Noten sagt er: „Ich war nie ehrgeizig, habe nie gebüffelt, um eine Eins zu bekommen. Im Gegenteil. Ich habe mich aus lauter Angst vor einer Fünf mehr als gewissenhaft vorbereitet. – In der Nachbetrachtung eine geniale Strategie, in Echtzeit pure Panik vor den Prüfungen.“

Sozialamt, Ordnungsamt, Schulverwaltungsamt, das neu geschaffene Amt für Immobilienwirtschaft, schließlich die Leitung des Bürgermeisterbüros. Das sind Michael Chlapeks wichtigste Stationen im Rathaus. „Nebenbei“ leistete er kurz vor der Wende Aufbauhilfe im Osten, sorgte im Kreis Bernau bei Berlin mit dafür, dass die DDR-Bürger pünktlich zum 1. Juli 1990 Sozialhilfe bewilligt und ausgezahlt bekamen, machte später als Dozent an den Studieninstituten in Bernau und in Parsewalk in Mecklenburg-Vorpommern Verwaltungsführungskräfte fit im jetzt auch in der ehemaligen DDR geltenden Sozialrecht, lehrte viele Jahre auch am Studieninstitut in Dorsten.

Ein abwechslungsreiches Berufsleben – und ein erfülltes: „Ich hätte an jeder Stelle gern noch Jahre weitergearbeitet. Aber ich konnte andererseits nie nein sagen, wenn mir etwas Neues angeboten wurde – und das hat mir dann auch immer Spaß gemacht.“ Aber jetzt sei in ihm die Einsicht gereift, „dass es ein Leben neben der Arbeit gibt, dass ich andere Prioritäten setzen möchte, und ich gehe deshalb mit 63 Jahren vorzeitig in den Ruhestand“.

Michael Chlapek hat sich im übertragenen Sinne von „dem kleinen Büro in den alten Rathaustürmen, wo es vielleicht zwei Quadratmeter Platz gab für Gespräche“, hochgearbeitet in das „schönste Amtszimmer im Alten Rathaus“, in den großen holzvertäfelten Raum, in dem einst der ehrenamtliche (Ober-)Bürgermeister saß. Und den schließt er heute zum letzten Mal zu.

Das Rathaus im Wandel der Zeit

48 Jahre in der Stadtverwaltung – da hat sich manches gewandelt. „Als Lehrling habe ich im Rathaus noch Beamte getroffen, die es so heute nicht mehr gibt“, erinnert sich Michael Chlapek. „Da stand an jeder Amtsstube noch der Titel – und dahinter saßen manchmal Beamte, die eher darüber nachgedacht haben, welche Argumente es geben könnte, einen Bürgerantrag abzulehnen als darüber, wie er dem Antragsteller helfen könnte.“ Die bürokratische Distanz zu den Bürgern sei viel größer gewesen als jetzt. Heute sei die Bürgerorientierung im Rathaus bei allen Mitarbeitern, vom Sachbearbeiter bis zum Bürgermeister, eine Selbstverständlichkeit. Der Umgang sei offener und herzlicher geworden.

Und noch eine gravierende Veränderung: die Geschwindigkeit. In seinen ersten Dienstjahren hat Michael Chlapek Berechnungsbögen für die Sozialhilfe noch per Hand ausgefüllt, der Sekretärin Briefe diktiert. Später kamen Diktiergeräte dazu, dann Computer. „Manchmal frage ich mich, wie wir die Arbeit damals bewältigt haben“, sagt Chlapek. Bürger konnten ihre Anliegen und Beschwerden bestenfalls per Telefon loswerden. Heute sind – dank der Beschwerde-App und Smartphone – selbst E-Mails beinahe schon antiquiert.

Michael Chlapek „entschleunigt“ jetzt erst einmal, macht ausgiebig Urlaub. Bis November stehen sechs Reisen an. „Und danach“, sagt er, „erhole ich mich.“ Dass er das Rathaus vermissen könnte, glaubt er nicht. „Ich werde bestimmt Kollegen privat treffen, aber hier nicht.“