Mehr Licht in 2010
09.04.2010 | 16:16 Uhr 2010-04-09T16:16:36+0200Gladbeck.Mit einem beachtenswerten Projekt bringt sich das Literaturbüro in das Programm zur Kulturhautpstadt 2010 ein: „Mehr Licht – die europäische Aufklärung weiter gedacht“.
Namhafte Schriftsteller, Philosophen, Wissenschaftler und Persönlichkeiten aus anderen Bereichen diskutieren im Herbst über Aspekte der Zukunft einer sich „sich selbst aufklärenden Aufklärung, die von menschlichem Mitgefühl inspiriert bleiben muss“, so Herholz‘ eigene Beschreibung.
Worum es im tieferen Sinne geht: Um Aufklärung als Erbe eines humanistischen Europas, um die es eher schlecht bestellt ist. Die wichtigen Errungenschaften der Aufklärung, sie sind gefährdet in Zeiten, in denen es eine Ökonomisierung aller Lebensbereiche gebe. „Alles wird nur noch mit den Augen des Geldes gesehen“, kritisiert Gerd Herholz, „der Bürger auf seine Rolle als Konsument reduziert.“ Auch der Kulturbetrieb funktioniere nach den Marktmechanismen – was sich verkaufen lässt, wird gepuscht und befördert – und sei es die eher uninteressante Biografie eines Dieter Bohlen, oder die geschmacklos-intimen Ansichten der „Feuchtgebiete“ einer Charlotte Roche. Herholz: „Infantile Produkte für eine infantilisierte Gesellschaft mit relativ dummen Menschen – die aber klüger sein könnten.“
Wenn man das nicht wolle, brauche es Strukturen, damit jeder den Zugang zur Bildung bekomme. Damit „im besten Kantschen Sinne sich jeder Mündige wieder des Vermögens entsinne, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen“.
Sechs Themenschwerpunkten widmen sich die rund 20 Veranstaltungen des Projekts, das im September startet. Es geht um Menschenrechte im weitesten Sinne und das Miteinander der Kulturen - eine „Kampfabsage“. Thematisiert wird auch die „Wagenburg Europa - von Nordafrika, dem Balkan aus gesehen“. Und um eine „Humanisierung der Ökonomie“ auch mit Blick auf den Literaturbetrieb.
„Religionenkritik und eine friedliche Koexistenz aller“ ist ein weiteres Denkfeld, bei dem auch der Atheismus eine Rolle spielen wird. Und schließlich geht es um das Individuum und Lebenskunst, Lebenssinn, Philosophie und Praxis. Illustre Namen stehen auf dem Programmplan: Ilja Trojanow, Wiglaf Droste, Roger Willensen, Philosophen wie Wilhelm Schmid, Sozialwissenschaftler wie Christoph Butterwegge.
18:37
Von den vier vier Gästen des Programmplans, die am Ende des Artikels genannt wurden, kann ich unbedingt Ilja Trojanow und Christoph Butterwegge empfehlen.
Trojanow als anschaulich-weltbürgerlicher Romanautor und Butterwegge als analytischer Kopf.
Droste steht für freche Provokationen und Roger Willemsen für gepflegt gebildete Unterhaltung.