Marianne Sindhoff und ihre Kaninchen besuchen Senioren

Altenpflegerin Marianne Sindhoff und ihr Partner Armin Mossner haben Jimbeamchen und Caruso auf dem Arm.
Altenpflegerin Marianne Sindhoff und ihr Partner Armin Mossner haben Jimbeamchen und Caruso auf dem Arm.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Marianne Sindhoff ist examinierte Altenpflegerin. Als Hobby besucht sie mit kuscheligen Kaninchen alte Menschen in Seniorenheimen.

Gladbeck..  Solch ein großer Andrang herrscht bei Veranstaltungen im Elisabeth-Brune-Seniorenzentrum der Awo nicht alle Tage. Die Pflegerinnen schieben einen Bewohner im Rollstuhl nach dem anderen in den großen Raum, schaffen immer mehr Stühle herbei, machen den Sitzkreis noch ein bisschen größer, damit alle Platz finden. Der Grund für den Ansturm: Kaninchen.

Marianne Sindhoff ist heute zu Gast -- und sie bringt sechs Langohren mit. Die examinierte Altenpflegerin besucht regelmäßig Senioreneinrichtungen und legt ihre kuscheligen Begleiter den alten Menschen auf den Schoß. „Das weckt vor allem bei demenziell Erkrankten Erinnerungen, gibt ihnen ein Gefühl der Wärme. Es tut ihnen gut, die weichen Tiere zu streicheln, mit ihnen zu kuscheln“, weiß Marianne Sindhoff und spricht deshalb von „Therapiekaninchen“.

Helene Löckener streckt sofort beide Arme aus, als Marianne Sindhoff ihr den scheckigen „Streusel“ entgegenhält. Die 96-Jährige ist geistig völlig fit. „Wir hatten früher zu Hause auch immer Kaninchen“, erinnert sie sich und mag gar nicht aufhören, das niedliche, weiche Tier zu streicheln. Ihr Nachbar zur Linken ist da eher zurückhaltend. Er schaut zwar interessiert zu, auf den Schoß nehmen möchte er aber kein Kaninchen.

„Das ist immer so“, sagt Marianne Sindhoff. „Manche Senioren haben zuerst Angst, aber das legt sich gleich.“ Und tatsächlich dauert es nicht allzu lange, da wandern Lampe, Pünktchen, Streusel und Co. von Schoß zu Schoß.

Marianne Sindhoff und ihr Lebenspartner Armin Mossner erzählen währenddessen Interessantes über die verschiedenen Rassen der Langohren und darüber, wie das mit den „Therapiekaninchen“ begonnen hat: Eigentlich wollte Marianne Sindhoff einen Herzenswunsch ihrer Tochter erfüllen, ihr ein weißes und ein schwarzes Kaninchen schenken. Beim Verkäufer fand sie ein Muttertier mit sechs Jungen vor. Sie solle sich zwei Tiere aussuchen, die anderen würden ertränkt, sagte er. Marianne Sindhoff: „Da habe ich natürlich alle mitgenommen.“ Und auf dem Heimweg habe sie spontan an einer Senioreneinrichtung Halt gemacht und die Wirkung der Tiere auf die alten Menschen ausprobiert: „Sie tun ihnen einfach gut.“

16 Kaninchen hoppeln mittlerweile durch ihren Garten am Haus in Bottrop, können sich auf 92 Quadratmetern austoben. Und zwischendurch unternehmen immer einige von ihnen einen „Ausflug“ in ein Seniorenheim.