Malochen wie einst unter Tage
07.07.2010 | 16:32 Uhr 2010-07-07T16:32:00+0200
Gladbeck. In ihren dicken Pütthemden geraten Kamuran, Zeinap, Cilem, Mona, Halil und Merve in der Mittagshitze ordentlich ins Schwitzen.
Dennoch hämmern und sägen sie weiter was das Zeug hält. Die sieben riesigen Türstockausbauten müssen schließlich bis September fertig sein.
Walter Hüßhoff und Bernard Brokamp von der IGBCE gehen den Jugendlichen der Erich-Fried-Schule kräftig zur Hand. Und schwitzen dabei nicht minder. „Es ist ein Gemeinschaftsgefühl wie früher unter Tage, alle packen mit an. Es ist einfach toll, wie begeistert die Schüler sind“, sagt Hüßhoff während er weiter den Hammer schwingt und einen Eisenstab ins Holz treibt. An die gemeinsame Bergbau-Geschichte erinnern egal, in welchem Land die Vorfahren geboren wurden, genau das soll das Projekt „Lehrstollen Mathias Stinnes“ bewirken. Das Projekt ist Teil der Veranstaltungsreihe „Kirche, Kohle, Kumpel“, die im September in vier evangelischen Kirchen in Gladbeck Station machen wird.
In der Christuskirche ist eine historische Ausstellung geplant, die zeigen soll wie eng die Entstehung der evangelischen Kirche in Gladbeck mit dem Bergbau zusammenhängt. Denn die meistern Arbeiter aus Polen und Masuren, die die Kohle damals Anfang des 19. Jahrhunderts ins Revier lockte, waren evangelisch. Mit ihnen wuchs die Kirche. Und darum sägen die Schülerinnen und Schüler der Fried-Schule jetzt völlig freiwillig in ihrer AG-Zeit in der Hitze auf ihrem Schulhof an den riesigen Pfeilern, die einst die Bergbaustollen gestützt haben und die im September im Seitenschiff der Christuskirche zu einem Bergbaustollen aufgebaut werden sollen. Einige ihrer Großväter haben unter Tage gearbeitet, jetzt erfahren sie am eigenen Leib wie schwer die Arbeit damals war. „Das ganze ist auch ein Migrationsprojekt“, betont Walter Hüßhoff. Und auch Reile Hildebrandt-Junge-Wentrup ist der Integrations-Gedanke besonders wichtig. „Damals war die Integration eine gesellschaftliche Herausforderung, und sie ist es heute noch“, erklärt die Pfarrerin der Christuskirche.
Diesen Ansatz verfolgt auch die Reihe „Kirche, Kohle, Kumpel“. Und Walter Hüßhoff bringt es noch einmal auf den Punkt: „Es muss einfach klar werden, dass wir alle eine gemeinsame Kultur haben.“
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