Malen als Lebenselixier

Wolfgang Helmes (82) malt leidenschaftlich gerne in Acryl  und spendete zehn seiner Werke auch der Wohnanlage Hermannstraße
Wolfgang Helmes (82) malt leidenschaftlich gerne in Acryl und spendete zehn seiner Werke auch der Wohnanlage Hermannstraße
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Der 82-jährige Wolfgang Helmes hat die Kunst im Alter für sich entdeckt. Stimmungen und Kreativität drückt er in seinen Acrylbildern aus.

Gladbeck.. „Das Malen hält mich am Leben“, sagt Wolfgang Helmes und fast verschämt wischt er eine Träne aus dem Auge. Für den 82-Jährigen ist die Möglichkeit, in die Welt von Farben und Motiven zu versinken, ein Geschenk, das ihn mit Dankbarkeit erfüllt. Denn so hat er zumindest gedanklich die Gelegenheit, zu entfernten Orten zu reisen – wie in die Tiroler Berge oder an die Kreidefelsen der englischen Südküste – und die imaginären Reisebilder mit A­crylfarben festzuhalten.

Denn körperlich ist der Diabetiker seit Jahren an den Rollstuhl gefesselt und kann nur noch mühsam kurze Distanzen gehen, so dass lange Reisen, wie er sie früher liebte, nicht mehr zu bewältigen sind.

Als Sechsjähriger habe er die Leidenschaft fürs Zeichnen entdeckt, zunächst mit dem Bleistift, dann auch mit bunten Wasserfarben. Insgeheim hätte der gebürtige Gelsenkirchener vielleicht gerne Kunst studiert, nach der Schule habe der Vater dann aber gesagt: „Junge, du musst sehen, dass du Geld verdienst“. Elektriker habe er dann gelernt, sei nach der Ausbildung bis 1961 auf Graf Moltke eingefahren, bis klar wurde, dass die Zechen schließen, „da bin ich zur RWE als Starkstromelektriker gewechselt“.

Mit dem Ausscheiden aus dem Beruf entdeckte der Gladbecker die Leidenschaft für das Malen wieder. Sein erstes Werk zeigt eine wilde Fjordlandschaft, die beim Betrachter – besonders an heißen Tagen – die Lust weckt, in die kalte Flut einzutauchen. Nur eines von vielen Motiven, die mittlerweile entlang der Flure auf mehreren Etagen in der Wohnanlage am August-Wessendorf-Weg hängen.

Das Malen hält auch geistig fit

Hier wohnt Helmes mit seiner Frau Helga (79) seit 2007 und nutzt die Vorteile des betreuten Wohnens. Kreatives Schaffen, das Hausleiterin Cornelia Intorp unterstützt: „Das Malen motiviert Herrn Helmes, hält ihn auch geistig fit, und die Hausgemeinschaft profitiert von schönen Bildern, die zum Verweilen und Betrachten einladen.“

Die Pinseltechnik hat sich Wolfgang Helmes selbst beigebracht, dazu hat er auch die Werke großer Meister studiert, wobei ihm Vincent van Gogh der Liebste ist. „Wie er mit den Farben umgegangen ist und den Bildern mit bewegten Pinselstrichen Leben verliehen hat, das ist etwas ganz besonderes.“ Die Brücke von Arles hat Helmes nachgemalt, was ihn selbst in Sachen natürliches Farbenspiel weiter schulte. „Allein für die im Abendrot gemalte Ziegelmauer der Brücke hat van Gogh 14 verschiedene Farben verwendet“. Und jeder, der ein Kornfeld beobachte, „durch den der Wind geht“, sehe Schattierungen, die, als Farbspiele ins Gemälde übertragen, dem Werk seinerseits erst Leben einhauchen würden.

Mit den erlernten Grundlagen macht sich Helmes immer wieder aufs Neue ans Werk. „Manchmal habe ich ein Bild im Kopf, das ich sofort festhalten muss“, erzählt der Maler. Das könne auch mal um drei Uhr früh sein. Sein Hobby, unterstreicht Helmes, sei ohne die Geduld und Unterstützung seiner Frau, „die oft einen heruntergefallenen Pinsel aufheben muss“, nicht möglich. Ob er noch einen großen, malerischen Wunsch habe? „Noch mal nach Danzig reisen und die wunderschöne Altstadt im Bild festhalten“, verrät Helmes leise und wischt eine Träne aus dem Auge.