Maegie Koreen singt Chansons gegen das Vergessen

Maegie Koreen singt seit 46 Jahren Chansons, in Gladbeck ist sie in den letzten Jahren mehrmals aufgetreten, unter anderem im Rahmen eines der Twins-Projekte der Kulturhauptstadt Ruhr.
Maegie Koreen singt seit 46 Jahren Chansons, in Gladbeck ist sie in den letzten Jahren mehrmals aufgetreten, unter anderem im Rahmen eines der Twins-Projekte der Kulturhauptstadt Ruhr.
Foto: WAZ FotoPool
Die bekannte Chanteuse präsentiert am 8. November im Martin Luther Forum Ruhr ihr Programm „Kleine Bühne im Exil“, eine Hommage an zwei jüdische Sängerinnen, die in der Nazizeit fliehen mussten und im Exil lebten. Pfarrerin Dr. Federmann spricht in einer Einführung über Widerstand und Zivilcourage in jener Zeit.

Gladbeck..  Gladbeck und Maegie Koreen, das passt ganz gut. „Das Gladbecker Publikum und ich, wir sind schon Chansonpartner“, sagt die wohl bekannteste Chanteuse des Ruhrgebiets, die am 8. November ein Wiedersehen mit den Gladbeckern feiert. Mit einem Chansonabend, der wiederum in mehr als einer Hinsicht gut passt: Am Vorabend zum 9. November, dem Tag, an dem Deutschland der Reichspogromnacht und den Opfern des Naziterrors gedenkt, erinnert die Interpretin mit der ausdrucksstarken Stimme im Martin Luther Forum Ruhr mit ihrem Programm „Kleine Bühne im Exil“ an die Chansonkunst im Widerstand und im Exil in der Zeit von 1930 bis 1945.

Mit ihrer Hommage an zwei jüdische Chanteusen, die Berlinerin Annemarie Hase und die Wienerin Stella Kadmon, singt Maegie Koreen gegen das Vergessen jener Zeit an. Denn die Schicksale der beiden Sängerinnen, die in den 20er und 30er Jahren das literarische Chanson geprägt haben, sind exemplarisch für rund 4000 Künstler, die Deutschland und Österreich ab 1933 aus „rassischen“ oder politischen Gründen verlassen mussten. Darunter auch viele Schriftsteller und Literaten, deren Texte von den Chansoninterpreten und Musikern der damaligen Zeit vertont und auf den Bühnen im Exil zur Aufführung gebracht wurden. Werner Fink, Erich Kästner, Bertolt Brecht, Walter Mehring sind die bekanntesten Namen.

Und so nimmt die Künstlerin ihr Publikum in diesem Konzert auch mit auf die Reise durch ein Stück Zeitgeschichte. Maegie Koreen wird nicht nur die Chansons aus jener Zeit singen, sondern auch Biografisches zu den beiden Sängerinnen erzählen und Dias zeigen. „Das wird ein wenig wie Geschichtsunterricht, aber lebendig und mit Unterhaltungswert“, verspricht die Künstlerin, die sich intensiv mit den Chanteusen der damaligen Zeit beschäftigt hat. „Mich hat vor allem beeindruckt, dass die Frauen sich nicht entmutigen ließen. Sie haben sich im Exil Bühnen gesucht und sind wieder aufgetreten“, erklärt Maegie Koreen.

Entsprechend der historischen Ereignisse und Entwicklung hat sie denn auch die Lieder ausgesucht: Noch fröhlich und beschwingt startet das Konzert u.a. mit Werner Finks „Es weht ein frischer Wind“ und „Die zersägte Dame“ (Friedrich Hollaender), geht dann nach und nach über zu schwermütigeren Liedern wie „Ich hab kein Heimatland“ (Friedrich Schwarz) und endet schließlich mit dem bekannten „Emigrantenchoral“ von Walter Mehring. Pianist Vlad Kalina begleitet die Chanteuse an dem Abend am Klavier.