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Maegie Koreen - bewegende Erinnerung an Exil und Verfolgung

09.11.2014 | 14:38 Uhr
Maegie Koreen - bewegende Erinnerung an Exil und Verfolgung
Ausdrucksstark: Maegie Koreen im Luther Forum.Foto: Oliver Mengedoht

Gladbeck.   Sie singt mit viel Herz - und setzt dem deutschen Chanson ein Denkmal. Maegie Koreen gastierte am Samstagabend im Martin Luther Forum Ruhr in Gladbeck. Für die Zuhörer wurde die Entwicklung der Chansonkultur auf bewegende Weise hörbar.

Ein Chansonskonzert gegen das Vergessen: Maegie Koreen gab am Samstagabend ein beeindruckendes Gastspiel im Martin Luther Forum Ruhr. Unterstützt von Vlad Kalina am Piano präsentierte Koreen ihr Programm „Kleine Bühne im Exil – Hommage an Annemarie Hase und Stella Kadmon“. Zwei jüdische Sängerinnen, die vor den Nazis fliehen mussten und im Exil lebten.

Nein, ihre Gedanken sind nicht vergessen: Die Gedanken jener, die unter der NS-Herrschaft litten, flohen und somit ins Exil getrieben wurden. Der Termin passte beinahe auf die Stunde genau: Am Vorabend zum 9. November, dem Tag, an dem Deutschland der Reichspogromnacht und den Opfern des Naziterrors gedenkt, erinnerte die Interpretin mit der ausdrucksstarken Stimme an die Chansonkunst im Widerstand und im Exil in der Zeit von 1930 bis 1945.

Mal laut, mal leise, mal bewusst etwas albern, mal gefühlvoll – so ließen sich wohl die interpretierten Stücke und der Auftritt der Chanteuse am besten beschreiben. Von grotesk komischen Liedern – etwa „Herzbrüderlein Popo“ – bis hin zu ernsten Gedanken über die eigene Flucht („Höchste Eisenbahn“) reichte das Chanson-Portfolio. Koreen zeigte sich dabei ebenso facettenreich wie ihre Liedauswahl.

Heiterkeit und stilles Gedenken

Die gebürtige Gelsenkirchenerin sang am Samstagabend gegen das Vergessen an: Denn die Schicksale der Künstlerinnen Hase und Kadmon, die in den 20-er und 30-er Jahren das literarische Chanson prägten, stehen exemplarisch für rund 4000 Künstler, die Deutschland und Österreich ab 1933 aus „rassischen“ oder politischen Gründen verlassen mussten. Darunter auch viele Schriftsteller und Literaten, deren Texte von den Chansoninterpreten und Musikern der damaligen Zeit vertont und auf den Bühnen im Exil zur Aufführung gebracht wurden: Werner Fink, Erich Kästner, Bertolt Brecht, Walter Mehring sind die bekanntesten Namen. Heute ist durch ihre Flucht das deutsche Chanson in vielen Teilen der Welt bekannt.

Es war ein „Konzert“ oder besser gesagt „Unterhaltung“, wie es sie nur noch ganz selten gibt. Ein Hauch von Theater, viel Witz und auch Poesie steckten in den Liedtexten und entsprechend herausragend vorgetragen sorgten die verschiedenen Songs gleichzeitig für Heiterkeit und stilles Gedenken. Die kleinen Erklärstücke zwischen den einzelnen Liedern machten die historische Tour durch die Entwicklung der deutschen Chansonkultur perfekt. Es war eine Form spielerischen Geschichtsunterrichts.

Leider war das Luther Forum an diesem Abend nicht gut gefüllt. Es ist Nischenkultur, die Koreen zeigte. Genau das macht ihr Programm und sie so besonders.

Steffen Bender

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