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Ruhr.2010

Licht in die Köpfe bringen

07.09.2010 | 18:46 Uhr
Licht in die Köpfe bringen
Mehr Licht ist eine Themenreine des Literaturbüros Ruhr in Kooperation mit der Kulturhauptstadt 2010. Foto: Galrinho

Gladbeck.Das Literaturbüro Ruhr startet eine Veranstaltungsreihe mit Lesungen und Gesprächen unter dem Thema „Mehr Licht. Die europäische Aufklärung weiter gedacht.“

„Mehr Licht“ soll Goethe auf dem Sterbebett gerufen haben. Ob er das Licht der Erkenntnis meinte oder ganz profan mehr Helligkeit - man weiß es nicht genau. Die Gedanken der Aufklärung waren dem großen deutschen Dichter und Denker auf jeden Fall nicht fremd, und so ist sein letzter Ausruf nun ein passender Titel der anspruchsvollen Veranstaltungsreihe des Literaturbüros Ruhr zur Kulturhauptstadt 2010. Unter dem Titel „Mehr Licht. Die europäische Aufklärung weiter gedacht“ werden namhafte Philosophen, Autoren und Wissenschaftler mit Lesungen und Gesprächen dazu beitragen, dass in so manchem Kopf ein Licht aufgeht. – Was in diesen Zeiten von Sarrazin & Co mehr als notwendig erscheint, sieht Literaturbüro-Leiter Gerd Herholz einen aktuellen Bezug zur Migranten-Debatte und dem „Identitätsgefasel“. Dagegen will er Reflektion, Erkenntnis, Nachdenken setzen. Denn auch dieses hat Goethe einst gesagt: „Der Irrtum wiederholt sich immerfort in der Tat, deswegen muß man das Wahre unermüdlich in Worten wiederholen.“

Vier der insgesamt 22 Veranstaltungen finden in Gladbeck statt, und das Spektrum der hier „beleuchteten“ Themen ist ein beachtliches: Weisheit, Wahrheit, Menschenrechte und die Kultur des Kulinarischen sind Themen der Abende. Den Start macht am 17. September Gert Scobel im Lesecafe´der Stadtbücherei mit „Weisheit. Über das, was uns fehlt“. Scobel, u.a. bekannt aus der 3-Sat-Sendung „Kulturzeit“, ist Philosoph und Theologe. Er wird aus seinem Werk lesen und mit dem Literaturkritiker Hubert Winkels darüber reflektieren. Vorab soviel: „Die Weisheit stellt sich dummerweise nicht von allein ein - auch im Alter nicht. Die gute Nachricht: Wir können sie kultivieren und trainieren.“

Was es mit der Wahrheit auf sich hat, das hat der scharfsinnige Welterklärer Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) in seinen Aphorismen ironisch und bissig auf den Punkt gebracht. Ihm, einem der großen Vertreter der Aufklärung, zu Ehren haben Wiglaf Droste (Text) und Danny Dziuk (Musik) eine Produktion eigens für diese Veranstaltungsreihe erarbeitet. Uraufführung ist am 23. September in der Stadtbücherei.

Im weiteren Sinne geht es bei der Aufklärung auch um Lebenskunst - dem Anspruch werden Sternekoch Vincent Kling und Denis Scheck mit „Die kulinarische Aufklärung am Beispiel des Hummers“ gerecht und schlagen dabei einen weiten philosophischen Bogen zur Freiheit des Individuums. (31. 10. Neue Galerie).

Und noch ein anspruchsvolles Thema mit namhaften Gästen steht auf dem Gladbecker Programm: Über „Menschenrechte in die Zukunft denken“ werden Prof. Jörn Rüsen und Prof. Hans-Georg Sandkühlerdiskutieren. Die Moderation hat der Historiker und Erste Beigeordnete der Stadt, Rainer Weichelt.

Maria Lüning

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