Laumann: Pflege ist kein sexy Thema

Neujahrsempfang der Senioren Union Gladbeck mit Kreisvorsitzendem Reinhard Zimmermann, Karl-Josef Laumann, Heinz Beermann(Vorstand SU; v.l.).
Neujahrsempfang der Senioren Union Gladbeck mit Kreisvorsitzendem Reinhard Zimmermann, Karl-Josef Laumann, Heinz Beermann(Vorstand SU; v.l.).
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Was wir bereits wissen
Zum Thema Pflege sprach Sozialpolitiker Karl-Josef Laumann beim Neujahrsempfang der CDU-Seniorenunion.

Gladbeck..  Es perlt. Das Tablett mit den Sektflöten steht bereit. Karl-Josef – so kumpelig nennen sie ihn hier alle bei der CDU-Seniorenunion – ist im Anmarsch. Robust im Antritt, mit einer Hand in der Hosentasche schleudert Staatssekretär Laumann ein „Mahlzeit“ in die Runde, um vor den 60 Gästen des Neujahrsempfangs das große Thema Pflege anzupacken.

Die Sektgläschen zum Anstoßen aufs noch frische Jahr können ruhig noch bis zur Begrüßung durch Seniorenunionsvorsitzende Maria Seifert warten. Die Obhut drüber liegt bei Helmut Osthoff, der denn auch beruhigt: „Die sind beim Schatzmeister, alles gut.“ Den Sekt lehnt Laumann ab, nippt lieber am Kaffee und legt gleich los.

In den eigenen vier Wänden bleiben

„Pflege ist kein sexy Thema, so dass man in die Glitzerpresse kommt.“ Natürlich will auch keiner pflegebedürftig werden, „aber es gehört zum Leben dazu“. Dem Nicken der Zuhörer folgt ein erster Applaus, als er sagt: „Dann braucht man einen Menschen, der sich kümmert.“ Seine Sorge ist nicht das Geld, sondern das Finden dieser Menschen. Die Zahlen, die er nennt sind in der Tat beängstigend.

2,6 Millionen Pflegebedürftige deutschlandweit, davon 70 Prozent in häuslicher Pflege bei einer geschätzten Zunahme von bis zu drei Prozent in jedem Jahr. „Die Infrastruktur vorzuhalten wird eine zentrale Frage der Kommunalpolitik.“ Denn die Menschen wollten so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden bleiben. Sind also Wege zum Bäcker, Laden oder zur Apotheke mit dem Wägelchen noch erreichbar?

Es gelte, die Tagespflege auszubauen, damit diese Menschen, meistens Hochbetagte, Gemeinschaft erleben und eine Tagesstruktur haben. Zudem muss Pflege funktionieren – an 365 Tagen im Jahr. Das alles sind Jobs voller Anspruch, für die Menschen gute Arbeitsbedingungen und auch Bezahlung erhalten müssen. Warum wird in der Altenpflege weniger bezahlt als im Krankenhaus – wundert sich Laumann.

Unterschiede zwischen Krankenpflege und Altenpflege gehören abgeschafft

Hier Krankenpflege, dort Altenpflege, das habe keine Zukunft, die Unterschiede gehörten abgeschafft. „Wer qualifiziert mit Menschen arbeitet, hat Anspruch auf entsprechende Bezahlung.“ Seine nächste Baustelle: die Bürokratie. Es gelte, in Zukunft die ausufernde Dokumentation im Pflegewesen einzudämmen. „Denn“, so der Sozialpolitiker, „Pflegekräfte haben kein erotisches Verhältnis zu Akten.“

Laumann jedenfalls will vieles ändern, erneuern. Auch dem ehemaligen CDU-Ratsherrn Manfred Zienc (84) verspricht er Hilfe. Der wünscht sich u. a. eine größere Schrift auf dem Medikamenten-Beipackzettel. Laumanns Antwort: „Ich kümmer mich.“

Alte Menschen haben große Angst vor der Pflegesituation

Sie ist ein Urgestein der Gladbecker CDU, Ex-Ratsfrau, Ex-Bürgermeisterin und sorgte für die Einladung von Staatssekretär Karl-Josef Laumann (56), Beauftragter der Bundesregierung für die Belange der Patienten sowie Bevollmächtigter für Pflege, zum Neujahrsempfang der heimischen Seniorenunion: Maria Seifert. Die 77-Jährige nennt Pflege eins der wichtigsten Themen der Zukunft – auch in Gladbeck.

Wie kamen Sie auf Karl-Josef Laumann als Gastredner?

Ach, ich kenne ihn noch aus dem Münsterland, seitdem haben wir einen kurzen Draht zueinander, sind alte Bekannte. Vor zwei Jahren besuchte er uns schon einmal in Gladbeck, damals war er noch Fraktionsvorsitzender.

Das Thema Pflege gerät immer mehr in den Fokus?

Nun, wir sind eine alternde Gesellschaft, die Jungen bleiben quasi weg. Da ist das Thema Pflege sehr wichtig. Es gibt bei den alten Menschen eine große Angst. Sie fragen sich: Was wird aus mir im Alter, wenn ich gebrechlich werde? Kann ich einen notwendigen Heimplatz überhaupt bezahlen? Und gerade vor der Pflegesituation ist innerlich eine große Angst da, das erfahre ich immer wieder in Gesprächen mit den Menschen.

Laumann gilt als Experte auf dem Pflege-Gebiet?

Ja, er kennt sich aus mit den aktuellen Änderungen und Anpassungen. Als Sozialpolitiker mit engen Kontakten zur Basis weiß er um den Handlungsbedarf bei Patienten und Pflegebedürftigen. Zudem lässt er als umgänglicher Politiker auch gerne Fragen zum Thema zu.

Was ist Laumann für ein Typ?

Er ist der Karl-Josef aus dem Münsterland, ganz anders als die meisten Politiker. Er spricht, wie man so spricht, sehr direkt, verhält sich wie ein ganz normaler Mensch und ist überhaupt nicht abgehoben. Der vierfache Familienvater Laumann stammt von einem Bauernhof, den heute sein Bruder bewirtschaftet. Er hat viel Verständnis, vor allem auch für Behinderte, schon aus persönlicher Erfahrung, seine Frau ist nämlich behindert.