Langsamer Abschied vom Bargeld

Es scheint langsam ernst zu werden: Die Stimmen, die ein Aus für das Bargeld fordern werden immer lauter. Auch Walter Piétzka, Mitglied des heimischen Sparkassenvorstands und zudem zuständig fürs Privatkundengeschäft, sieht keine wirklich große Zukunft mehr für Scheine und Münzen.

1 Kein Bargeld mehr – eine Schnapsidee?

Walter Piétzka: Überhaupt nicht. Wenn wir 120 Jahre zurück blicken, sehen wir, dass die Menschen alle Transaktionen in bar abgewickelt haben. Heute hingegen erfolgt sehr viel bargeldlos, und zwar rund 90 Prozent. Was jetzt noch als Bargeld-Transaktion läuft ist quasi nur noch ein Blinddarm. Deshalb gehe ich fest davon aus, dass auch dieser Rest in kürzester Zeit verschwinden wird. Das ist schlichtweg eine zwangsläufige Entwicklung. Allein der Kostenapparat, den wir als Geldinstitut durch das Bargeld haben, ist enorm.

2 Würden Sie persönlich Bargeld vermissen?

Aber klar doch. Ich bin ja seit über 50 Jahren auf Bargeld konditioniert. Da würde mir dann, wenn es soweit ist, das Bargeld schon fehlen.

3 Wäre ein Aus fürs Bargeld eigentlich schmerzhaft?

Die gleiche Frage haben wir uns bei der Einführung des Euro doch auch schon gestellt. Damals ging es um den Abschied von der D-Mark. Heute ist das alles längst Schnee von gestern. Die Menschen denken doch mittlerweile in Euro, er ist selbstverständlich für uns geworden.