Kulturbruch 1994 wirkt noch nach
09.03.2008 | 17:30 Uhr 2008-03-09T17:30:00+0100Die grüne Spitze äußert sich zu politischen Erfolgen, Feindbildern und Programm.Wenig Gemeinsamkeiten mit der neuen Linken. "Die grauen Herren sind doch langweilig".
Wieviel Grün steckt heute noch in den Grünen? wollten die WAZ-Redakteure Maria Lüning und Detlev Kittler-Capredon unter anderem von Grünen-Stadtverbandssprecher Bernd Lehmann und dem Fraktionsvorsitzenden Mario Herrmann wissen.
War das eine grüne Erfolgsgeschichte in Gladbeck?
Herrmann: Wir haben Marksteine gesetzt. Ohne die grüne Umweltbewegung hätte es kein Umdenken in der Stadtpolitik gegeben. Vor allem nicht in der Stadtplanung, wie sie der ehemalige Baurat Stojan vertreten hat.
Lehmann: Wir halten die Baumschutzsatzung weiter hoch, und protestierten z.B. als einzige Partei gegen die Baumfällungen an der Heinrichstraße. Auch Abfalltrennung, die Förderung von Solarthermie und Photovoltaik sowie die vielen begrünten Dächer gehen auf unsere Initiative zurück.
Die Grünen im Bund sind "erwachsen" geworden - die Gladbecker Grünen auch?
Herrmann: Man wird natürlich etwas ruhiger, auch erfahrener in der politischen Auseinandersetzung.
Im Jahr 1994 gab es die Koalition mit der CDU und der BiG. Wieviele Kompromisse erforderte dies? Würden Siedas heute wieder tun?
Lehmann: Wenn wir das alte Programm heute lesen, könnten wir das sofort wieder tun. Vieles davon ist auch umgesetzt worden. Das war damals 1994 ein Kulturbruch, der heute noch nachwirkt.
Während im Land jahrelang Rot-Grün regierte, hat man den Eindruck, das Gladbecker Feindbild der Grünen ist die SPD, insbesondere der Bürgermeister. Sind Sie so weit auseinander?
Herrmann: Nein, ich persönlich habe nichts gegen den Bürgermeister. Nur ist er heute eine zentrale Figur, an der sich alles kristalliert. Wir gehören nicht zu denen, die den Bürgermeister tragen. Wir verstehen unsere Rolle als Opposition, indem wir Kritik üben.
Müsste das nicht eher die CDU tun?
Herrmann: Wir mussten sie auch 1994 zum Jagen tragen. Ich würde mir wünschen, die CDU würde diese Rolle stärker wahrnehmen. Sie ist zu kuschelig. Unsere Partei ist die einzige, die sich durch eine konsequente Sparpolitik im Rat exponiert.
In Bund und Land gibt es prominente grüne Frauen. In Gladbeck offenbar nicht. Haben die es schwer, sich durch zu setzen?
Lehmann: So mag die Außenwahrnehmung erscheinen. In Wahrheit haben wir viele aktive Frauen, die in Ausschüssen und in unseren parteiinternen Diskussionen präsent sind.
Herrmann: Auf eine Quotierung haben wir aber seit 1989 verzichtet. Das hat nichts gebracht.
Das Schreckensbild Nr. 1 ist heute bei den etablierten Parteien die Linke. Sehen Sie Parallelen zur eigenen Geschichte?
Herrmann: Neue Parteien ziehen Spinner an wie Motten das Licht. Das war bei uns auch so. Aber die Linken sind eine Ansammlung grauer Herren aus Gewerkschaftskreisen. Wir dagegen waren bunt, schrill und innovativ. Die Linke ist langweilig.
22:34
Hochmut kommt vor dem Fall. Beim Fall der Grünen in Gladbeck dürfte es bei deren poltischen Gewicht ein kleines Beben geben ;-))
21:13
Die grünen Spinner gibt es noch,aber die roten Linken,wo das Herz noch links schlägt,werden Euch noch unbequeme Fragen stellen.
20:06
Herrmann: Neue Parteien ziehen Spinner an wie Motten das Licht. Das war bei uns auch so. Aber die Linken sind eine Ansammlung grauer Herren aus Gewerkschaftskreisen. Wir dagegen waren bunt, schrill und innovativ. Die Linke ist langweilig.
Herr Herrmann, sind Sie sicher, dass nicht ein paar Spinner geblieben sind. Ich erinnere nur an das Salz, dass Herr Wegener über den Naturkindergarten Zweckel gestreut hat.
Da lobe ich mir graue Herren aus Gewerkschaftskreisen, die mit den Gladbecker Grünen gottlob keine Verträge haben!