Kostümiert den Alltag vergessen

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Was wir bereits wissen
Gladbeck ist nicht gerade als Hochburg der Jecken bekannt. Gleichwohl stehen die närrischen Bürger in den Startlöchern.

Gladbeck..  Klar, Gladbeck ist karnevalsmäßig nun wirklich nicht der Bauchnabel der jecken Welt. Und natürlich gibt’s hier jede Menge Frohsinnverweigerer, die einem schmatzend gedrückten Bützchen die Wange verweigern oder schunkelndem Gehopse in grellem Outfit ein verständnisloses und abschätziges Grimm-Gesicht hinterherjagen. Doch beim Karnevals-Stimmungs-Barometer-Test in der Innenstadt zeigte sich, dass kurz vor der ganz heißen Phase des närrischen Treibens die Freude aufs gemeinsame Feiern überwiegt.

„Die alten Kostüme sind durch, ich muss jetzt unbedingt mal etwas Neues haben.“ Hiltrud Thiesing (51) wühlt sich durch den Ständer fürs frohsinnige Outfit im Askania-Markt. Indianerkleidchen, Piratenhosen und Fellumhänge prüft sie kurz, bleibt dann aber doch beim bunt gescheckten Harlekin-Stoff hängen. Und ab geht’s in die improvisierte Umkleide. Aus der kommt ihre Freundin bereits siegessicher herausspaziert. Die blaue Polizeiuniform steht ihr gut, besonders schick sieht die eckige Mütze aus. Und doch legt Mady Koschewitz (50) kurz darauf alles wieder zurück.

Feiglinge und Baileys sind dabei

Ihr Weiberfastnacht-Outfit steht bereits fest. „Beim Rathaussturm gehe ich als Schornsteinfeger.“ Zum Glücksbringer gehören natürlich kleine Pinnchen. „Wenn’s um 10 Uhr losgeht, sind Leckerchen wie Feiglinge und Baileys dabei.“ Beim Rosenmontagszug in Bottrop ist dann der achtjährige Sohnemann als Magier mit von der Partie. „Gute Laune haben, ausgelassen sein, Freunde treffen, das ist für mich Karneval“, sagt Mady, und Freundin Hiltrud ergänzt: „Ich bin geborene Rheinländerin, eine Frohnatur, da wird gerne gefeiert.“ Sie ergötzt sich zudem an den Kostümen der anderen. „Da sind immer wieder tolle Sachen dabei.“

Karnevalsmontag und -dienstag gehen bei Roswitha Pettkus (55) nur als arbeitsfreie Tage durch. Sie freut sich jedes Jahr auf den Rosenmontagszug in Rüttenscheid, der „immer eine große Gaudi ist“. Seit Jahren hat sie sich einem Kostüm verschrieben. „Ich bin als Hexe unterwegs.“ Ein Verreisen über die Karnevalstage ist für sie geradezu undenkbar. „Wo sonst kann man so herrlich abschalten, den Alltag vergessen und den Ernst der Lage verdrängen.“

Allerhöchstens Katzenohren

Das sieht die bekennende Karnevalistin Kerstin Fuhrherr (47) genauso. Während ihre Familie beim Rathaussturm dabei ist, setzt sie auf den Abend, feiert mit Kollegen im Bottroper Brauhaus. Auf eine richtige Verkleidung will sie verzichten. „Allerhöchstens Katzenohren“ sollen zum Einsatz kommen. Spaß „am Schlüpfen in eine andere Persönlichkeit“ hat Barbara Klink. Die 53-Jährige ist „seit meinem 18. Lebensjahr ein Karnevalsjeck“ und geht diesmal als Heidi. „Die Entscheidung fiel im Oktober in der Bottroper Skihalle.“

Vielleicht als Nonne will sich Petra Sutter (43) ins Getümmel stürzen. „Aber die Kostümentscheidung treffe ich erst kurzfristig am Donnerstag.“ Verkleiden ist für sie ein Muss. „Das ist schließlich eine lustige Tradition. Die will ich unbedingt aufrecht erhalten, auch wenn es hier bei uns immer weniger Verkleidete gibt.“