Koreanischer Shootingstar SEO auf Stippvisite in Gladbeck

Gladbeck.. Zum Kunsttalk schaute die koreanische Malerin SEO in der neuen Galerie Gladbeck vorbei. Ein echter Glücksgriff für das Haus - denn für Experten gilt die Künstlerin als absoluter Shootingstar. Neun ihrer Werke hängen bereits im Museum of Modern Art in New York.

USA, Deutschland, Korea – SEO ist viel unterwegs. Am Freitagabend fand sie dennoch Zeit, in der Neuen Galerie zum Kunst-Talk vorbeizuschauen. Modisch gekleidet, lächelnd und sehr aufgeschlossen stand sie Rede und Antwort. Bei Verständigungsproblemen, die auf Grund der Sprachbarriere hin und wieder entstanden, sprang ihr Galerist Michael Schultz für sie ein.

Geboren und aufgewachsen in Süd-Korea, begann die heute 33-Jährige dort ein Kunststudium, das sie als Beste ihres Jahrgangs abschloss. Angetrieben durch ihre grenzenlose Neugierde, zog es sie nach Berlin, wo SEO unter dem renommierten Professor Baselitz an der Hochschule der Künste weiter lernte und 2003 sogar zu seiner Meisterschülerin wurde.

Bilder bestechen durch grelle Farben und räumliche Tiefe

Die Werke, die für zwei Monate in der Ausstellung „Constructed Landscapes“ (gemeinsam mit Bildern von Sven Drühl und Maik Wolf) in der Neuen Galerie zu sehen waren, bestechen durch fast schon grelle Farben und ihre räumliche Tiefe. Immer wieder ist etwas Neues zu entdecken. Die dazu angewandte Technik macht ihre Bilder außergewöhnlich. Farbiges Papier wird von Hand in kleine Stücke gerissen und auf die Leinwand geklebt. Dieser Vorgang wird mindestens fünfmal wiederholt, so dass das Motiv aus mehreren Schichten entsteht. Dadurch gewinnen die Farben an Intensität. Mindestens 300 000 Papierstücke sind auf jedem Bild verarbeitet. Da kann es schon mal sein, dass sechs Monate vergehen, ehe ein Bild fertiggestellt ist.

Mittlerweile hat die zierliche Koreanerin mehrere Mitarbeiter, die an ihren Werken beteiligt sind. Aus 800 unterschiedlichen Farben wählt sie das passende Papier aus. Beliefert wird SEOs aus ihrer eigenen Fabrik in Korea.

Eine Inspirationsquelle war beispielsweise Casper David Friedrich. Einfluss nehmen außerdem ihre asiatischen Wurzeln und ihre Erfahrungen, die SEO bisher in Europa gesammelt hat.

„Kunst schafft für mich eine Balance zur hohen Geschwindigkeit, die das Leben oft bestimmt“, erklärt die Künstlerin, die gerne schnelle Autos fährt. In ihrer Familie hatte die moderne Kunst keinen hohen Stellenwert. Malen war sogar verboten. Trotzdem ging SEO heimlich ihrer Leidenschaft nach und ließ sich von ihrer älteren Schwester unterrichten. Irgendwann entdeckten ihre Eltern das Talent der Tochter und begannen, sie zu fördern. Heute sind ihre Bilder teilweise ausverkauft. Und die Koreanerin ist gerade Anfang dreißig.