Klinikreform mit Mogelpackung

Die finanzielle Situation wird mit der Krankenhausstrukturreform für das St. Barbara Hospital in Gladbeck offenbar nicht einfacher.
Die finanzielle Situation wird mit der Krankenhausstrukturreform für das St. Barbara Hospital in Gladbeck offenbar nicht einfacher.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Geschäftsführer der Katholischen Kliniken befürchtet Mehrbelastung in der Pflege durch die angekündigte Streichung des Versorgungszuschlages.

Gladbeck..  Das Bundeskabinett hat am Mittwoch die Krankenhausstrukturreform auf den Weg gebracht. Überkapazitäten sollen abgebaut und Kliniken, die mit guter Qualität arbeiten, belohnt, sowie schwarze Schafe mit finanziellen Abzügen bis hin zur Krankenhausschließung bestraft werden. Außerdem will der Bund gezielt eine bessere Pflege fördern und Mittel für 6350 zusätzliche Pflegestellen bereit stellen. Für Berthold Grunenberg ist das aber nicht die ganze Wahrheit. Der Geschäftsführer der Katholischen Kliniken Emscher Lippe spricht bei der Reform in Teilen von einer Mogelpackung, „da sie den Pflegebereich in unseren Häusern nicht ent-, sondern belastet“.

Trotz des angekündigten Millionen-Programmes für zusätzliche Pflegekräfte? Dies liege an dem Plan, den Versorgungszuschlag von 0,8 Prozent zu den Fallpauschalen, die die KKEL mit den Krankenkassen abrechnet, ab 2017 zu streichen, erklärt Grunenberg. Denn dies bedeute für die KKEL ein Minus von rund 700 000 Euro. Das St.-Barbara-Hospital in Gladbeck wäre davon mit etwa der Hälfte, „einem Verlust von 350 000 Euro“ betroffen.

Da aufgrund der erfolgten Anstrengung in der Vergangenheit im Bereich der Sachmittel die Einsparungsmöglichkeiten so gut wie ausgereizt seien, bliebe wohl kaum Spielraum, als das Pflegepersonal zu reduzieren. Grunenberg: „Fällt der Versorgungszuschlag weg, fehlt uns die Finanzierungsgrundlage für etwa sieben Pflegestellen.“ Denn der medial von der Politik großzügig verkündete Pflegeförderbetrag fange nur etwa 40 Prozent des Verlustes auf. Das bedeute, dass über die Pflegeoffensive zwar zwei Stellen gefördert würden, unter Strich letztlich KKEL-weit aber vier Stellen gestrichen werden müssten. „Wir hoffen aber, das doch über Sachkostenoptimierung refinanzieren zu können.“

Verschärfte Kontrollen

Dass die Qualität in den deutschlandweit noch rund 2000 Kliniken besser werden soll, „das sei grundsätzlich ja zu befürworten“. Solche Kontrollen, bezogen auf technische und personelle Ausstattung sowie Komplikations- und Infektionsraten, seien ja bereits seit einigen Jahren eingeführt, „die sich wohl nur etwas verschärfen werden“, erwartet Grunenberg.

Dass die finanzielle Zusatzbelastung nicht zur Entspannung der finanziellen Lage beitragen werde, sei klar. Letztlich bleibe abzuwarten, was genau mit den Krankenkassen im Herbst zur Strukturreform verhandelt werde. „Unsere großen Krankenhausstandorte, St. Barbara in Gladbeck und St. Josef in Gelsenkirchen, sehe ich durch die Strukturreform aber nicht gefährdet“, so der Manager.