Kita-Streik: Jetzt gehen Mütter in Gladbeck auf die Straße

Mit ihrem Nachwuchs gingen Mütter gestern auf die Straße. Ihr Protest richtet sich nicht gegen die streikenden Erzieherinnen.
Mit ihrem Nachwuchs gingen Mütter gestern auf die Straße. Ihr Protest richtet sich nicht gegen die streikenden Erzieherinnen.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Fast drei Wochen dauert der Streik in städtischen Kitas schon. Und die Eltern haben zunehmend Betreuungsprobleme. Jetzt wollen sie protestieren.

Gladbeck.. Fast drei Wochen dauert der Streik der Erzieherinnen in städtischen Kindertagesstätten jetzt schon, und so ganz allmählich verlieren Eltern die Geduld, weil sie nicht mehr wissen, wie sie die alternative Betreuung ihrer Kleinen noch organisieren sollen. Gestern zogen Mütter samt Nachwuchs durch die Stadt, um auf ihre Misere aufmerksam zu machen.

„Unser Protest richtet sich nicht gegen die Erzieherinnen“, stellt Sabrina Falk sofort klar. „Deren Forderungen halten wir nach wie vor für gerechtfertigt. Sie tragen eine große Verantwortung für unsere Kinder. Das muss sich in der Bezahlung niederschlagen.“ Aber: Jetzt müsse endlich etwas passieren. „Wir fühlen uns hilfslos und allein gelassen.“ Im Rathaus waren sie, im Amt für Jugend und Familie und beim Personalrat. „Da hat man uns zwar zugehört und Verständnis für unsere Situation gezeigt, aber schlauer sind wir jetzt auch nicht“, beklagt Tatjana Roßmann.

Die Mütter wüssten beispielsweise gerne, ob sie die jetzt verwaiste Kindertagesstätte am Frochtwinkel nutzen können, um die Kleinen in Eigenregie betreuen zu können. Für die sechs Frauen, die sich derzeit im Wechsel um alle sechs Mädchen kümmern („Je nachdem, wer gerade frei hat“) wäre das eine große Erleichterung.

Andere würden sich einer solchen Lösung gerne anschließen. Simone Ferdinand beispielsweise, die bald wieder Mutter wird und den dreieinhalbjährigen Max „bei den Vorsorgeuntersuchungen auf dem Schoß sitzen“ hat. Oder Tatjana Roßmann, die Krankenschwester, die neulich nach einem Nachtdienst nicht wusste, wohin mit Ben. „Bis jemand Zeit für die Betreuung hatte, war ich 30 Stunden ununterbrochen auf den Beinen.“

"Dieses ständige Hin und Her tut Merlin nicht gut"

Die Mütter denken natürlich auch an ihre Kinder. Jennifer Springer bringt Merlin (5) mal bei dieser, mal bei der anderen Oma, mal bei Bekannten unter. „Dieses ständige Hin und Her tut ihm nicht gut. Wir merken deutlich, dass ihm die Regelmäßigkeit des Kindergartens fehlt.“

Bianca Hanus befürchtet, dass ihr Hendrik in seinen letzten Kindergartenwochen auf all das verzichten muss, was er bei seiner großen Schwester im vergangenen Jahr begeistert miterlebt hat: Schultüten basteln und die tolle Abschlussfeier. „Wenn der Streik bis zu den Sommerferien dauert, fällt das für ihn und die anderen Vorschulkinder ins Wasser.“ Die Kleinen selbst verstehen natürlich nicht, worum es eigentlich geht. Für Annabelle (5) zählt nur eins: „Ich will wieder in den Kindergarten!“