Kirchendiskussion schon entbrannt

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Nichts sei entschieden, betonte Propst André Müller bei der Vorstellung der geplanten Umstrukturierung der katholischen Gemeinde Gladbeck (Wir berichteten), die auch Kirchenschließungen nicht ausschließt. Dessen ungeachtet wird in Internetkommentaren und auf Facebook bereits über eine Streichliste spekuliert und kursieren auch Namen.

Kommentare im Internet

„Nach dem Bericht zu urteilen, sind die Würfel schon gefallen. Die Kirchen, die wirtschaftlich am besten da stehen, werden überleben“, schreibt beispielsweise festus04.

„Betroffen werden sein: St. Franziskus, Christus König (wenn dem regen Förderverein der Atem ausgeht), St. Marien. St. Johannes ist fraglich, da es eine gute Lobby gibt“, nennt ein User mit dem Namen kulturengel1 konkrete Vermutungen.

Wenig Verständnis für die Pläne der Katholischen Kirche äußert AltesHaus: Kirche soll präsent und aktuell sein, verabschiedet sich aber von den Gläubigen vor Ort. Wer soll das verstehen?“

Ganz anders äußert sich dagegen der CDU-Vorsitzende Christian Enxing unter seinem Klarnamen im Internet: „Damit wir uns nicht vor Ort verabschieden müssen, ist ein Umbauprozess nötig. Noch hat man das Heft des Handelns in der Hand und man wird nicht von den Fakten überrollt. Es ist sicher für viele schmerzlich, sich von Gewohntem verabschieden zu müssen. Es ist aber immer auch eine Chance. Und wer weiß: Vielleicht wird die Kirche sogar interessanter, wenn die üblichen Bahnen verlassen werden (müssen).“

Wesentlich radikaler ist die Meinung von WAZ-Oliver: Was ist eine Kirche ohne Kirchengebäude? Wie viele Kirchen wollen die Kirchen noch schließen? Welche religiösen Aufgaben will die Kirche in Zukunft überhaupt noch wahrnehmen? Warum zahlt die Gesellschaft überhaupt noch Kirchensteuer? Die kirchlichen Kindergärten, Altenheime oder Krankenhäuser werden heute aus Steuermitteln getragen, haben allerdings das Kirchenrecht auf ihrer Seite.“

Noch acht katholische Kirchen

Acht katholische Kirchen hat Gladbeck noch, seit bei der letzten Strukturreform des Bistums die kleine Pius-Kirche im Süden und St. Elisabeth in Ellinghorst geschlossen wurden. Es verblieben St. Lamberti, Herz-Jesu, Heilig-Kreuz, St. Josef, St. Johannes, St. Marien, St. Franziskus, Christus König (die schon von einem Förderverein getragen wird).

Würden Sie alle erhalten, bliebe der Propstei kaum Geld für andere Aufgaben, schon gar nicht für ein aktives Gemeindeleben. Aktuell kosten die Kirchen im Erhalt, Betrieb und Vorhalten für Gottesdienste 704 115 Euro pro Jahr, hoch gerechnet bis 2030 wären es 877 994 Euro – mehr als die Hälfte des dann zur Verfügung stehenden Budgets von 1,6 Millionen Euro.