„Kirche muss sich junger Generation zuwenden“

Vor einer „Missachtung der Bedeutung der kommenden Generationen“ warnt der Generalvikar des Bistums Essen, Klaus Pfeffer. „Wir sind als Kirche weit überproportional für Ältere und Alte attraktiv, und sie prägen mit wenigen Ausnahmen auch unser öffentliches Bild“, sagte Pfeffer auf einer Strategie-Konferenz „Baustelle Zukunft – Herausforderung Demografie“.

Die Kirche habe schon seit Jahren vielfach den Anschluss an die jüngeren Generationen verloren. „Wir leben und gestalten unsere Kirche aus der Perspektive der älteren Generationen, aus deren Lebens- und Kirchengeschichte, aus deren Denken und Vorstellungen heraus“, betonte Pfeffer in seinem Vortrag zum Thema „Der zweite Strukturwandel – Aufbruch statt Abbruch“.

Es werde kaum danach gefragt, wie junge Menschen „ticken“, und wenn – dann eher aus einer urteilenden Perspektive. „Haben wir Angst vor dem, was sie sagen? Haben wir Angst vor den radikalen Veränderungen, die dann notwendig wären?“, fragte der Generalvikar. Mit aller Kraft werde versucht, an dem festzuhalten, was war und was ist. Man tue so, als seien Veränderungen nicht nötig. „Kirchen sollen erhalten bleiben, ohne zu fragen, wer sie denn morgen noch besucht“, beklagt Pfeffer. Und wenn die junge Generation nicht mehr zur Kirche komme und ihren Lehren nicht mehr folge, „wollen wir auch nicht ernsthaft wissen, warum sie dies nicht tut, sondern verweisen eher auf die angeblichen Defizite der modernen Gesellschaft und ihrer jungen Generation“, so der Generalvikar. Das Bistum Essen habe einen Dialogprozess angestoßen, um eine nüchterne und ehrliche Auseinandersetzung auch über diese Fragen zu führen. Es gehe letztlich um die Frage, wie eine Kirche gestaltet werden könne, die zukunftsfähig sein will. Die Frage sei, wie der christliche Glaube Menschen von heute und morgen erreiche. Die Kirche von heute könne nicht so sein, „wie sie uns oder unseren Vorfahren gestern gefallen hat“. Es nutze nichts, „in Gebäude der Vergangenheit zu investieren, die heute nur wenige und morgen vielleicht gar keine Menschen mehr betreten“, so Pfeffer. Es brauche eine neue Mentalität, die „Wandel als Chance für Entwicklung und Wachstum“ begreife.